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Ölschwemme als Gift für Aktienmärkte

Warum der Ölpreis die Aktienkurse belastet

Stand: 20.01.2016, 11:54 Uhr

Verkehrte Welt: Statt die Börsen zu entlasten, entfalten die immer weiter sinkenden Preise für den Rohstoff ein Drohpotenzial für Aktien. boerse.ARD.de fasst die wichtigsten Argumente zusammen.

Ein Mehrjahres-Tief bei Öl jagt das nächste: Am Mittwochmorgen rutschte der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI auf ein neues 13-Jahres-Tief und kostet derzeit nur noch 28 Dollar. Auch die Nordseesorte Brent ist mittlerweile in diesen Preisregionen angekommen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,20
Differenz absolut
0,01
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+0,02%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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51,51
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0,05
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Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10.513,35
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Neue Logik

Merkwürdig aber: Die Aktienmärkte sinken derzeit im Gleichklang mit den Öl-Notierungen, im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen exorbitant hohe Preise für den Rohstoff die Weltwirtschaft zu erdrosseln drohten, hat sich nun die Logik umgekehrt.

Ölmultis mit Schlagseite

Am augenfälligsten sind die Auswirkungen auf die Aktien der Ölmultis, die in vielen Börsenindizes stark gewichtet sind. Die US-Konzern Exxon und Chevron gehören zu den Giganten auf dem Börsenparkett. Die gewohnten Milliarden-Dollar-Gewinne bleiben nicht nur aus, Experten halten sogar eine gewaltige Schieflage vieler Unternehmen für wahrscheinlich, sollten die Preise für den Rohstoff so niedrig bleiben. "Auf uns rollt eine riesige Pleitewelle von Ölförderern und Minen-Betreibern zu", sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF.

Zulieferer ohne Aufträge

Die Folgen der Ölschwemme haben längst auch auf andere Wirtschaftszweige ausgestrahlt. Bergbau-Konzerne wie BHP Billiton haben ebenfalls mit geringerer Nachfrage zu kämpfen. Zulieferer der Öl- und Gas-Industrie erhalten deutlich weniger Aufträge. Pipeline-Spezialisten, Transport- und Lager-Firmen werden von der Auftragsflaute in die Enge getrieben.

Stahlindustrie dampft ein

In der Stahlindustrie fallen viele Aufträge ebenfalls weg. Der US-Stahlkonzern US Steel kündigte die Schließung von zwei Werken an, Grund: Die Nachfrage nach Röhren für die Öl-Konzerne und die Explorations-Unternehmen ist eingebrochen. Auch die Aktie von ThyssenKrupp bewegt sich seit Wochen mit dem Ölpreis bergab.

Banken bangen um Kredite

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,84
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-0,30
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-1,95%

Auch Finanzinstitute haben inzwischen einen "Öl-Bias". Die Erschließung neuer Öl-Quellen, ob Fracking im mittleren Westen der USA oder in der sibirischen Tundra, sind in aller Regel kreditfinanziert. Die Rückzahlung von Krediten oder die Bedienung von Zinsverpflichtungen werden naturgemäß immer schwieriger, je kärglicher die Einnahmen aus Ölverkäufen sind.

Volkswirtschaften auf der Kippe

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Der Dauer-Niedrigpreis beim Öl hat aber sogar das Potenzial, ganze Ökonomien zu ruinieren. Schwellenländer wie Russland oder auch Venezuela türmen wegen der fehlenden Öleinnahmen immer größere Haushaltsdefizite auf. Sogar Saudi-Arabien gerät bereits in eine defizitäre Situation.

Staatsfonds vor Großverkäufen?

Eine Folge dürften sinkende Investitionen der taumelnden Volkswirtschaften ins eigene Wachstum sein - mit Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne der Zukunft. Eine weitere mittelbare Konsequenz dieser Entwicklung trifft den Aktienmarkt ebenfalls: Verkaufen die milliardenschweren Staatsfonds von "Ölländern" wie Saudi-Arabien, Katar oder auch Norwegen Aktien im großen Stil, kommt zu einer Ölschwemme auch noch eine Aktienschwemme. Dann könnten die Börsen noch ganz neue Tiefs ausloten.

AB

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