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Rohstoffe

Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

Trotz Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien

Ölpreise zucken nur kurz

Stand: 04.01.2016, 10:00 Uhr

Die Auseinandersetzung der beiden Ölförderländer Saudi-Arabien und Iran wäre unter normalen Umständen geeignet, die Notierungen für den Rohstoff in die Höhe zu treiben. Doch die Spielregeln im Ölmarkt haben sich geändert.

Der Preis für ein Barrel der US-Sorte zuckte am Morgen kurz über die Marke von 38 Dollar, bei der Nordseesorte Brent war ein Preisaufschlag auf dasselbe Niveau zu beobachten. Gegenüber den Tiefstständen von je 36 Dollar noch vor zwei Wochen haben sich die Notierungen damit wieder deutlich gelöst.

Ölschraube anziehen?

Der Grund für den kurzfristigen Ausschlag nach oben liegt nach Marktbeobachtern in einer reflexartigen Reaktion auf den Zwist zwischen Iran und Saudi-Arabien. Beide Ölförderländer könnten der Weltwirtschaft zwar prinzipiell durch eine drastische Drosselung der Produktion schaden und den Preis weiter nach oben schrauben. Doch dies ist angesichts der allgemeinen Gemengelage im Ölsektor eher eine theoretische Variante.

Tatsächlich haben beide Länder derzeit kein Interesse, an der Ölschraube zu drehen, im Gegenteil. Saudi-Arabien will durch eher ungezügelte Förderung der Konkurrenz zusetzen. Dies befindet sich seit dem Fracking-Boom in Nordamerika auch in den USA und Kanada. Aber ein Konkurrent auf dem Weltmarkt ist eben auch der Iran.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
49,68
Differenz absolut
0,47
Differenz relativ
+0,96%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
49,55
Differenz absolut
0,30
Differenz relativ
+0,61%

Iran: "Produktion vorsichtig steigern"

Dieser hat jüngst erklärt, nach der Rücknahme der Wirtschaftssanktionen durch die internationale Gemeinschaft seine Ölexporte "vorsichtig steigern" zu wollen. Kein Wunder, ist das Regime in Teheran doch auf die Einnahmen aus dem Ölverkauf angewiesen und will sich international auch sonst wieder in die Gemeinschaft der Staaten eingliedern.

Auch von anderen Förderländern ist angesichts der Ölpreisflaute kaum eine Kürzung der Förderung zu erwarten. Russland etwa hat im vergangenen Jahr seine Produktion auf den höchsten Stand seit dem Ende der Sowjetunion gesteigert. Die Einnahmen werden auch in der russischen Wirtschaft dringend gebraucht.

Öl-Nachfrage wird kaum steigen

Von der Angebotsseite dürfte sich also beim Ölgeschäft kaum eine Verknappung einstellen. Und auch von der Nachfrageseite ist durchaus kein Druck auf die Preise zu erwarten. Die US-Wirtschaft sendet unterschiedliche Signale über ihren Zustand, ein dynamisches Wachstum und damit ein steigender Öldurst sind allerdings hier nicht in Sicht.

Und in China, der zweiten globalen Konjunkturlokomotive sieht es noch schlechter aus. Aktuelle Industriedaten schickten am Morgen die Weltbörsen in den Keller, weil Chinas Verarbeitendes Gewerbe weiter schrumpft.

Die Botschaft ist auch am Terminmarkt für Öl bereits angekommen. Von den Tageshöchstständen hat sich der Preis bereits wieder verabschiedet. WTI- und Brent-Öl kosten nur noch 37,50 Dollar je Barrel. Von einer tiefgreifenden Angst vor einer Ölpreis-Rally keine Spur.

AB

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