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Goldfarbener Öltropfen

In den USA startet bald die "Driving Season"

Ölpreise: Müssen sich Autofahrer fürchten?

Stand: 12.04.2017, 11:26 Uhr

Schlechte Nachrichten für Autofahrer: Die Ölpreise sind nach dem amerikanischen Luftschlag gegen Syrien deutlich gestiegen. Zudem steht Ostern vor der Tür - und in den USA beginnt die Driving Season. Braut sich da was zusammen?

Tatsächlich sind die Ölpreise am vergangenen Freitag nach dem US-Luftschlag gegen Syrien deutlich gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt gut 56 Dollar, 82 Cent mehr als am Vortag. Auch der Preis für das Leichtöl WTI kletterte um 89 Cent auf rund 53 Dollar.

Allerdings hatten die Ölpreise schon in den Vortagen deutlich angezogen, nachdem sie Ende März noch auf ein Jahrestief von 50,66 Dollar pro Fass Brent gefallen waren. Geht die Phase moderater und um die 50 Dollar-Marke pendelnder Ölpreise also zu Ende, müssen sich die heimischen Autofahrer auf wieder steigende Spritpreise einstellen?

Wachsende Nachfrage

Ein Blick in die Vergangenheit sagt Ja. Traditionell legen die Ölpreise im Frühjahr zu. In Deutschland müssen sich Autofahrer vor allem zu Ostern auf steigende Preise einstellen. Darauf deutet auch in diesem Jahr eine aktuelle Erhebung des Automobilclubs ADAC hin. Demnach sind "kurz vor Beginn der Osterferien in den meisten deutschen Bundesländern die Kraftstoffpreise spürbar gestiegen". In Wirklichkeit ist die Preissteigerung zuletzt nur sehr gering ausgefallen.

Dass die Benzin- und Rohölpreise im Frühjahr überhaupt zulegen, erklären Experten vor allem mit der wachsenden Nachfrage, denn mit der schönen Jahreszeit nimmt das Verkehrsaufkommen auf den Straßen zu. In den USA ist sogar von der "Driving Season" die Rede. Sie hat immer eine erhöhte Nachfrage nach Benzin und damit auch nach Rohöl zur Folge.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,45
Differenz relativ
+0,32%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
42,96
Differenz relativ
+0,28%

Ölschwemme in den USA

Manche Experten bezweifeln jedoch, dass das Fahrverhalten amerikanischer Autofahrer in Zeiten eines Überangebots von Rohöl die Preise noch immer beeinflussen kann. Zudem seien in China inzwischen mehr Autofahrer unterwegs als in den Vereinigten Staaten.

Zudem laufe das sogenannte Fracking erneut auf Hochtouren und sorge zumindest in den USA für eine Ölschwemme. Die wiederum lässt den Ölpreis inzwischen wieder abtauchen. Ein Fass Nordseeöl kostete nun erstmals seit der Vereinbarung wieder rund 50 Dollar.

Rohöl saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonalcharts, Dimitri Speck

US-Ölförderer beginnen zu bohren

"Die Realität ist nun einmal so, dass die amerikanischen Ölförderer bei Preisen über 50 Dollar wieder zu bohren beginnen", erklärt Dean Rogers, Chef-Analyst beim auf Energie spezialisierten Hedgefonds Kase & Co. Dieses Niveau hatte der Ölpreis nach der Einigung der Opec-Staaten auf eine Förderkürzung im November letzten Jahres erreicht. Die Ölpreise stiegen über 50 Dollar je Fass und hielten sich seither komfortabel darüber.

Dichter Stadtverkehr im Sonnenuntergang

Stadtverkehr. | Bildquelle: picture alliance / Robert Schlesinger

Genau dieser Erfolg rief aber die US-Ölfirmen auf den Plan, die zu solchen Preisen mit ihrer Schieferölproduktion wieder Geld verdienen können. Für eine gute Stimmung in der US-Ölindustrie sorgte zuletzt auch der Amtsantritt von Donald Trump. Der neue Präsident ist ein Freund der Branche und hält nichts von kostenintensiven Umweltauflagen. 

Von den Krisenherden hängt's ab

In den USA sind dem Ölindustrie-Dienstleister Baker Hughes zufolge derzeit mehr als 600 Tiefbohranlagen aktiv. Das sind so viel wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Aus diesem Grund platzen die US-Lagertanks aus allen Nähten. Fällt die von der "Driving Season" ausgehende Steigerung der Ölpreise in diesem Jahr also aus?

Wie sich die Ölpreise in den nächsten Wochen entwickeln, hängt nach Ansicht von Experten wie Dean Rogers entscheidend von der Entwicklung der weltweiten Krisenherde ab. Sollten sich die Spannungen zwischen Amerikanern und Russen in Syrien oder mit dem Regime in Nordkorea weiter zuspitzen, dürften die Ölpreise weiter anziehen. Im Gegenzug dürfte eine Entspannung der geopolitischen Lage auch die Ölpreise unter Druck setzen, denn am Angebot herrscht auch kurz vor Beginn der "Driving Season" kein Mangel.

lg

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