Erdölförderanlage

Trotz-Opec-Beschränkung Ölpreise auf dem Weg in den Keller

Stand: 21.06.2017, 11:06 Uhr

Kaum ein Rohstoff hält die Märkte so in Atem wie das schwarze Gold. Derzeit wird der Schmierstoff der Weltwirtschaft immer billiger. Am Mittwoch fiel der Ölpreis auf ein Siebenmonatstief. Ein Déjà-Vu auch für die Aktienmärkte!

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Denn trotz der freiwilligen Förderbeschränkungen des Ölkartells Opec sowie des Nicht-Opec-Mitglieds Russland kommt der Ölpreis einfach nicht auf die Beine. Was den Autofahrer freut, wird an den Weltmärkten kritisch gesehen, gelten fallende Ölpreise doch als Zeichen für eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik. Auch die Inflationsziele der Notenbanken dürften bei fallenden Ölpreisen weiter nur ein frommer Wunsch bleiben.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Derweil geht der Verfall der Preise ungebremst weiter. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet derzeit nur noch 44,47 Dollar, der tiefste Stand seit dem November 2016. Die US-Leichtölsorte WTI rutschte um 97 Cent auf 42,54 Dollar. Deutlicher als erwartet gesunkene Ölreserven in den USA sorgten am Mittwoch nachmittag nur kurz für Entlastung.

Anja Kohl

Billigeres Öl hat auch Vorteile

Händler machen den jüngsten Preisrutsch auch auf gestiegene Fördermengen der Opec-Staaten Libyen und Nigeria zurück, die der Beschränkung der Fördermenge im Kartell nicht unterliegen. Diese Vereinbarung wurde inzwischen bis März 2018 verlängert.

Opec verliert an Macht

Noch in den 70er und 80er Jahren wurden Sitzungen des mächtigen Kartells in den westlichen Industriestaaten bange erwartet. Diese Zeiten sind endgültig vorbei, spätestens mit dem Beginn des Fracking-Booms in den USA hat das Kartell einen Großteil seiner Macht verloren. Der dramatische Sturz des Ölpreises von über 100 Dollar je Fass seit Mitte 2014 spricht für sich.

Opec-Länder

Opec-Länder. | Bildquelle: Opec, Grafik: boerse.ARD.de

Neben hausgemachten Problemen der stets tief zerstrittenen Mitgliedsländer ist es vor allem Amerika, das den Ölproduzenten einen dicken Strich durch die Rechnung macht. Der Boom des Schieferöls sorgt für ein Überangebot auf dem Weltmarkt, was bekanntlich die Preise drückt. Eine Erkenntnis, die nicht neu ist.

"Wenn die Opec-Staaten gehofft haben, dass die Verlängerung der Förderbremse die Preise stabilisieren hilft, haben sie sich geirrt", sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Sollten die US-Förderer ihre Produktion weiter erhöhen und gleichzeitig die Nachfrage aus Asien anhaltend schwächeln, sei ein Fall des Ölpreises auf bis zu 40 Dollar nicht ausgeschlossen.

Grafische Darstellung der Fracking-Methode

Fracking. | Quelle: picture-alliance/dpa

Besonders bitter für die Ölförderer (die, wie der weltweit größte Förderer Saudi-Arabien, meist auf Gedeih und Verderb vom Ölexport abhängig sind): Die Fracking-Technologie hat sich auch technologisch weiterentwickelt. Bohrlöcher können schneller geschlossen und geöffnet werden, die preisliche Schmerzgrenze für die Förderung sinkt stetig weiter. Selbst die jüngsten politischen Spannungen am Persischen Golf zwischen den Erzfeinden Iran und Saudi-Arabien (beides Opec-Mitglieder) können den Preis nicht mehr beflügeln - wenn das sogar nichts mehr hilft.

Aktienmärkte im Schlepptau

Auch die Aktienmärkte mit ihren meist schwer gewichteten Ölaktien bekommen den Schwächeanfall des Öls zu spüren. Die Charts der großen Ölaktien seit Jahresanfang sprechen für sich. Gewinne, die zuvor aufgebaut worden waren, sind mittlerweile größtenteils wieder verpufft. Der Dax ist zwar nicht besonders öllastig, kann sich den weltweiten Tendenzen aber natürlich nicht entziehen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Dax
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Auch zarte Hoffnungen auf eine Zinswende in Europa, von der vor allem Finanzwerte profitieren würden, dürften sich angesichts der angespannten Lage am Ölmarkt als frommer Wunsch erweisen. Auswirkungen hat der Ölpreisverfall zudem auch auf den Devisenmarkt, denn Öl wird in Dollar abgerechnet. Aktuell konsolidieren die großen Märkte auf hohem Niveau. Der Dax hat die Marke von 13.000 Punkten nicht knacken können und fällt derzeit ebenso zurück wie die großen US-Indizes.

rm/ nb

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ExxonMobil: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

ExxonMobil

Unangefochtener Branchenprimus, gemessen nach Börsenwert, ist ExxonMobil. Gut 341 Milliarden Dollar bringt das texanische Unternehmen derzeit auf die Waage. Ins Jahr 2017 ist die Firma gut gestartet, vor allem im Jahresvergleich waren die Steigerungsraten hoch. Im ersten Quartal 2016 war der Ölpreis nämlich zeitweise unter 30 Dollar gerutscht, so dass der Basiseffekt hoch war. Geholfen haben auch die signifikanten Kostensenkungen. Projekte wurden wegen des schwachen Ölpreises ausgesetzt oder verschoben. Das Zwischenhoch der Exxon-Aktie vom Jahreswechsel ist allerdings schon lange vorbei. 2017 ist es bisher deutlich bergab gegangen mit dem Kurs des Papiers, das auch im US-Leitindex Dow Jones enthalten ist. Donald Trumps Außenminister Rex Tillerson war langjähriger Firmenchef des Ölriesen.

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