Seitenueberschrift

Öl

Ölkanister

Ölpreis auf Elf-Jahres-Tief

Weihnachtsgeschenk für Autofahrer

Stand: 21.12.2015, 08:25 Uhr

Für Energieverbraucher wie Autofahrer ist es ein kleines Extra-Weihnachtsgeschenk: Der Ölpreis fällt weiter. Wegen des weltweiten Überangebotes ist er zum Wochenstart auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2004 gefallen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
49,21
Differenz absolut
-0,48
Differenz relativ
-0,98%

Die Welt schwimmt im Öl. Deshalb ist ein Ende des Ölpreisverfalls noch nicht in Sicht. Die Nordseesorte Brent fiel am Montag um bis zu 71 Cent auf 36,17 US-Dollar das Barrel (159 Liter), für die US-Sorte WTI waren 34,53 Dollar fällig.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
49,25
Differenz absolut
-0,32
Differenz relativ
-0,65%

Die beiden richtungsweisenden Sorten sind seit Mitte des vergangenen Jahres um mehr als zwei Drittel gefallen - damals hatten beide noch oberhalb der 100-Dollar-Marke gelegen. Der Preisverfall währt schon länger. 2015 wird das dritte Jahr in Folge, in dem der Ölpreis gesunken ist.

Tanken und Heizen wie vor zehn Jahren

Für Verbraucher erfreulich: Heizöl und Benzin ziehen mit. Superbenzin ist mit 1,24 Euro je Liter in vielen Städten sehr günstig. Der Dieselpreis, der während des Jahres meistens zwischen 1,10 und 1,20 Euro je Liter lag, kostet in vielen Regionen in Deutschland weniger als einen Euro je Liter. An einigen Orten und zu bestimmten Tageszeiten zeigten die Preistafeln der Tankstellen nur noch 93,9 Cent je Liter an - das hat es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gegeben.

Der Heizölpreis liegt bei 46 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt). Für Verbraucher ist das eine ordentliche finanzielle Erleichterung. Die Ersparnisse summieren sich auf mehr als zehn Milliarden Euro.

Machtpoker ums Öl

Bedanken können sich Autofahrer und Heizölkunden bei den Förderländern des Öls, die für eine weltweite Ölschwemme sorgen. Das Opec-Kartell, unter dem maßgeblichen Einfluss Saudi-Arabiens, hat seine Strategie verändert. Die Kartellbrüder verknappen nicht mehr ihr Angebot, wie früher üblich, um den Preis hoch zu halten.

Sie wollen eher andere Ölförderer mit höheren Kosten zum Aufgeben zwingen und so ihre alte Marktmacht zurückgewinnen. Das sagt die Opec nicht ausdrücklich, aber so interpretieren alle Experten ihre Strategie. Vor allem der Fracking-Boom in den USA ist für das Kartell ein Ärgernis. Die Produktion läuft in den USA auf Hochtouren. Auch Russland fördert so viel wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. Und auch die von den Opec-Staaten angebotenen Mengen bewegen sich nahe den Rekordwerten. Zudem will der Iran wegen der Einigung im internationalen Atomstreit und der bevorstehenden Lockerung von Sanktionen mehr Öl verkaufen.

Tendenz weiter fallend

Für die Verbraucher in Deutschland klingt es nach paradiesischen Aussicht. "Die hohen Investitionen der Vergangenheit haben zu einer Ölschwemme geführt, mit der die Nachfrage nicht Schritt halten kann", erklären Experten der HSH Nordbank. In den USA wird zwar weniger in neue Fracking-Projekte investiert. Die Zahl der Bohrtürme geht zurück. Aber die Produktion sinkt nur langsam.

"Das bedeutet, die Ölpreise werden vorerst auf niedrigem Niveau verharren, auch wenn die anziehende Weltwirtschaft zumindest leichte Preissteigerungen möglich machen sollte", schreiben die Experten der HSH Nordbank.

Dollar dämpft Öl-Käufe

Die Ölschwemme ist es nicht allein. Ein Grund für den weiteren Rückgang ist Analysten zufolge der Dollar, der nach der Zinsanhebung der US-Notenbank zugelegt hat. Damit verteuern sich Ölkäufe etwa in Europa, weil sie in der US-Währung abgerechnet werden. Wegen des bisher milden Winters hält sich auch die Nachfrage nach Heizöl in Grenzen.

Die Opec will trotz des Rückgangs der Ölpreise ihre Förderquoten nicht antasten. Sie hält an ihrer Entscheidung vom 4. Dezember fest, sagte Iraks Ölminister Adel Abdul Mahdi am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Rande eines Treffens von arabischen Ölproduzenten in Kairo. In Wien hatte die Opec vor rund zwei Wochen beschlossen, die Obergrenze für die Ölproduktion nicht zu verändern.

Die Opec könne keine einseitigen Entscheidungen treffen. "Entweder senken wir alle die Produktion, um den Preis zu verteidigen, oder wir müssen abwarten", ergänzte der Minister. Eine Veränderung der Fördermengen müsse mit den Nicht-Opec-Ländern koordiniert werden. Der Minister rechne zwar damit, dass sich der Ölpreis wieder erhole, das werde aber nicht schon "morgen" der Fall sein.

Die Experten von Goldman Sachs erwarten zunächst einen weiteren Preisverfall, gehen sogar von einem Rückgang der US-Ölsorte WTI 2016 auf 20 Dollar je Barrel aus.

bs

Darstellung: