Ölbohrturm in der Dämmerung

Neuer Stabilisierungsversuch von Russland und Saudi-Arabien Das Öl muss knapp bleiben

Stand: 15.05.2017, 09:38 Uhr

Während in den USA das Öl in Mengen fließt, versuchen Saudi-Arabien und Russland alles, das Öl knapp zu halten. Sie wollen den Preis stabilisieren. Daher wollen sie die im Förderkartell Opec jüngst beschlossene Drosselung der Fördermenge bis März 2018 ausdehnen. Klappt das? Und viel wichtiger: Hilft das?

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Es klingt nach einem aussichtslosen Unterfangen. Immerhin bekommt der Ölpreis Auftrieb nach den Aussagen des saudischen Ölminister Khalid Al-Falih und des russischen Amtskollegen Alexander Nowak am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Peking. Demnach favorisieren die beiden größten Ölproduzenten der Welt, dass die Staaten des Förderkartells Opec ihre jüngst beschlossenen Förderkürzungen verlängern. Beide Länder streben an, dass die ursprünglich auf sechs Monate bis Juni begrenzte Produktionskürzung bis Ende des ersten Quartals 2018 ausgedehnt werden soll. Damit steigen die Chancen, dass sich das Öl-Kartell tatsächlich darauf verständigt, wenn es am 25. Mai mit weiteren Förderländern in Wien zusammen kommt.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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An den Rohstoffmärkten legten die Ölpreise am Montagmorgen denn auch zu. Die führende Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,6 Prozent auf 51,64 Dollar je Faß. Der Preis für die amerikanische Sorte WTI stieg um ebenfalls 1,6 Prozent auf 48,61 Dollar.

US-Schiefergas floriert

Allerdings wird die Macht des Öl-Kartells auf den Ölpreis durch die Vereinigten Staaten beschnitten. In den USA wird wieder massig Öl gefördert, die Schiefergasproduktion floriert. Laut jüngsten Daten der US-Regierung vom vergangenen Mittwoch hat die landesweite Ölproduktion den höchsten Stand seit Mitte 2015 erreicht.

Das konterkariert die Bemühungen der Opec, den Ölpreis über 50 Dollar zu halten - ein Preislimit, das für viele Länder existentiell ist. Nur oberhalb lässt sich längerfristig davon leben - und überleben. Ein Preis unter 50 Dollar bedeutet für viele ein Defizit im Staatsbudget. Es ist fraglich, ob die Opec-Länder ihre Verknappungsbemühungen ohne die USA schaffen.

Die von Saudi-Arabien dominierte Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und andere Ölproduzenten unter Führung Russland hatten die Förderung um fast 1,8 Millionen Barrel am Tag reduziert. Dennoch stiegen die Ölpreise in den ersten Monaten dieses Jahres nicht weit über die Marke von 50 Dollar je Barrel.

"Der am Donnerstag veröffentlichte Opec-Monatsbericht zeige allerdings das Dilemma auf, in welchem sich das Ölkartell befindet", analysieren die Rohstoffexperten der Commerzbank die aktuelle Lage. Die Opec habe ihre Schätzung für das Wachstum des Nicht-Opec-Angebots in diesem Jahr um fast 400.000 auf 950.000 Barrel pro Tag nach oben revidiert. Verantwortlich für diesen Anstieg ist laut Commerzbank vor allem die wachsende Förderung in den USA.

bs

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