Seitenueberschrift

Erdölraffinerie bei Sonnenuntergang

Opec-Förderkürzung verpufft

Ölpreis kippt weiter

Stand: 22.03.2017, 14:34 Uhr

Die Notierungen für den Rohstoff rutschen am Mittwoch weiter ab. Der Preis für ein Barrel Rohöl nähert sich schon wieder der Marke von 50 Dollar. US-Öl ist sogar noch deutlich billiger. Das Angebot an Öl bleibt hoch, trotz Förderkürzungen der Opec.

Die US-Lagerbestände an Öl und Ölderivaten bleiben hoch, das haben am gestrigen Abend die Zahlen des privaten Instituts API gezeigt. Heute dürften die offiziellen Statistiken des US-Energieministeriums diesen Eindruck bestätigen.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
42,96
Differenz relativ
+0,28%

Am Dienstagabend hatte an den Terminmärkten ein kleiner Ausverkauf der Öl-Kontrakte eingesetzt, nachdem die API-Zahlen am Markt angekommen waren. Um rund zwei Prozent ging es bei den Preisen für die aktuellen Öl-Futures bergab. Öl der US-Sorte WTI durchbrach die Marke von 50 Dollar pro Barrel. Am Mittwoch geht es nun sogar bis auf 47,65 Dollar je Fass bergab.

Saudi-Arabien drosselt am heftigsten

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,45
Differenz relativ
+0,32%

Das Dauer-Niedrigniveau bei den Öl-Preisen erscheint auf den ersten Blick paradox. Denn im November hatte sich das Ölkartell Opec erstmals seit vielen Jahren zu einem Förderstop durchgerungen, um das Angebot zu verknappen und die Preise wieder ansteigen zu lassen. Die hatten viele der Erdöl exportierenden Staaten bereits in finanzielle Nöte gebracht. Um rund 1,8 Millionen Barrel weniger sollen seit Jahresanfang gefördert werden. Nach Expertenangaben haben sich die Opec-Mitglieder sogar an die Vorgaben gehalten, weniger zu fördern. Saudi-Arabien kürzte die Produktion sogar stärker als verlangt.

Doch den Ölpreis hat dies in den vergangenen Monaten nicht allzu weit nach oben befördern können. Die Opec steht allerdings auch nur für ein Drittel des weltweiten Rohöl-Angebots. Und einer der größten Produzenten ist nicht Mitglied im Club: Die USA. Dank der Fracking-Technik kann sich das Land inzwischen nicht nur selbst versorgen, sondern ist vom Ölimporteur zum Exporteur in Sachen Öl umgestiegen.

600 Bohrlöcher in Betrieb

Aus Sicht der Opec hat jede mittelfristige Preissteigerung nun eine ungewollte Folge: Sobald etwa der Preis für US-Öl auf über 50 Dollar klettert, lohnt sich das Fördern in den Staaten dank verbesserter Technik bereits wieder. "Dann beginnen die US-Förderer wieder zu bohren", so Analyst Dean Rogers vom Rohstoff-Hedgefonds Kase & Co. Laut dem Öldienstleister Baker Hughes sind derzeit rund 600 Bohrlöcher aktiv, so viele wie seit Mitte 2015 nicht mehr. Bei wieder ansteigenden Preise klingelt also ganz schnell die Kasse bei US-Förderern, auch dann, wenn in Russland oder Venezuela der "Break Even" noch nicht erreicht ist.

AB

Darstellung: