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Rohstoffe

Der Ölpreis purzelt

Wieder über 30 Dollar pro Fass

Ölpreis: Geht es jetzt seitwärts?

Stand: 25.01.2016, 11:24 Uhr

Unter 27 Dollar ist der Preis für ein Fass Öl in der vergangenen Woche gesunken. Analysten wollen sogar einen Rückgang bis auf 10 Dollar nicht ausschließen. Alles Unsinn? Tatsächlich sieht es derzeit nach Bodenbildung aus.

Nach kräftigen Zuwächsen seit Donnerstag haben die Ölpreise auch am Montag weiter zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur März-Lieferung kostete am Morgen 32,64 US-Dollar und damit 46 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um 33 Cent auf 32,51 Dollar. Dabei waren die Ölpreise noch Mitte der Woche mit deutlich unter 30 Dollar auf den tiefsten Stand seit 2003 gefallen.

Auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat sich weiter erholt. Am Montag meldete das Opec-Sekretariat, dass der Korbpreis am Freitag 25,50 Dollar pro Barrel betragen habe. Das waren 2,61 Dollar mehr als am Donnerstag.

Deutet der Anstieg also auf eine Trendwende hin?

Zunächst scheint der heftige Wintereinbruch im Osten der USA die Heizölnachfrage angekurbelt zu haben - was die Ölpreise anziehen ließ. Doch inzwischen ist der Sturm vorüber und die Temperaturen sind wieder über Null gestiegen. Gehen die Ölpreise also wieder auf Talfahrt?

Ausschließen lasse sich eine Fortsetzung des Ölpreisanstiegs nicht, doch aus statistischer Sicht sei dies doch eher unwahrscheinlich, orakelt Analyst Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest. Allerdings zeige ein Blick auf den Langfristchart des Ölpreises, dass sich das Chance/Risiko-Verhältnis für einen weiter fallenden Ölpreis deutlich reduziert hat. Denn um deutlich weiter zu fallen, müsste eine äußerst widerstandsfähige, sich im Bereich von 20 bis 27 Dollar über zehn Jahre ausgebildete Unterstützungszone nach unten durchstoßen werden.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,20
Differenz absolut
0,01
Differenz relativ
+0,02%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,51
Differenz absolut
0,05
Differenz relativ
+0,10%

Übergang in die Horizontale

Rethfeld geht deshalb davon aus, dass die Öl-Baisse prozentual so gut wie durch sein könnte. "Nach einem Sturz von 30 Prozent allein im Januar müsste der Übergang von der Vertikalen in die Horizontale am Mittwoch erfolgt sein", so Rethfeld.

Allerdings erwartet auch der Analyst keinen kräftigen Aufwärtstrend, sondern eine mehrmonatige Bodenbildungsphase. "Wir können uns einen Korridor zwischen 25 und 35 Dollar, in der Spitze mal bei 40 Dollar liegend vorstellen, der monatelang nicht verlassen wird."

Damit könnte sich in den kommenden Monaten auch der Aktienmarkt in eine Seitwärtsbewegung begeben, hatte der Ölpreis doch zuletzt den Aktienmarkt stark beeinflusst. Fiel der Ölpreis, fielen die Aktien. Umgekehrt hat der anziehende Ölpreis in den letzten Tagen auch die Aktienmärkte nach oben gezogen.

Schlechte Nachrichten eingepreist

Der Dow-Jones-Index schloss am Freitag 1,3 Prozent höher bei 16.093 Punkten. Diese Tendenz hat sich am Morgen auch in Asien fortgesetzt. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,9 Prozent im Plus bei 17.110 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg 1,3 Prozent auf 1.392 Zähler. Der MSCI-Index asiatisch-pazifischer Werte außerhalb Japans gewann 1,3 Prozent. Auch die Kurse in China legten zu. "Der jüngste Anstieg des Ölpreises zusammen mit den Signalen der Notenbanken in Europa und Japan für weitere Stimulierungen hat für eine kurzfristige Atempause am Markt gesorgt", sagte Analyst Gary Huxtable vom Broker Atlantic Pacific Securities.

Auch Fawad Razaqzada, technischer Analyst bei Forex.com, will nicht ausschließen, dass die Ölpreise sich allmählich stabilisieren sollten. An schlechten Nachrichten herrsche an diesen eigentlich kein Mangel. Trotzdem seien die Ölpreise nicht weiter gefallen. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass die meisten negativen Nachrichten inzwischen eingepreist seien, so Razaqzada.

lg

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