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Rohstoffe

Ölbohrturm in der Dämmerung

Aussagen auf Branchentreff belasten

Neuer Schwächeanfall beim Ölpreis

Stand: 24.02.2016, 14:42 Uhr

Gerade hatten sich die Notierungen für den Rohstoff berappelt, kommen sie auch schon wieder unter Druck. Hoffnungen, dass die Förderung bei dem Rohstoff gekürzt werden könnte, scheinen enttäuscht zu werden.

Um fast drei Prozent rauschte am Vormittag der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent nach unten, und kostet inwischen nur noch wenig mehr als 33 Euro. Auch bei der US-Sorte WTI zeigt der Preis wieder stramm abwärts: Am Mittwoch wurden Notierungen knapp unterhalb der Marke von 31 Dollar ausgelotet.

Äußerungen lassen Preise purzeln

Eine grundlegende Erholung am Ölmarkt scheint damit fast schon wieder erledigt zu sein. Derzeit werden am Markt alle Aussagen und Nachrichten, die auf eine Förderkürzung hindeuten, auf die Goldwaage gelegt. Zwei solcher Äußerungen haben nun wieder zu einem Anwachsen des Preisdrucks geführt.

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Auf einem Branchentreffen in der US-"Ölstadt" Houston haben sich gleich zwei wichtige Vertreter der Ölförderländer geäußert. So sagte der saudische Ölminister Ali Al-Naimi, dass sich der Preis für den Rohstoff "auch dank einer steigenden Nachfrage" wieder ins Gleichgewicht begeben werde. Zu deutsch: Eine grundlegende Förderkürzung steht aus Sicht der Saudis als größtem Förderland nicht an. Damit aber nicht genug: Zwar bezeichnete Al-Naimi den Kampf gegen den Klimawandel als "existenzielle Herausforderung". Doch eine Lösung sieht der Minister in "verbesserten Technologien" und nicht etwa in einem geringeren Einsatz von fossilen Energieträgern wie Öl.

Iran braucht die Petro-Dollars

Dass noch nicht einmal eine Begrenzung der Ölfördermenge auf dem derzeitigen Niveau durchzusetzen sein wird, dafür lieferte der iranische Ölminister Bijan Namdar Zangeneh einen wichtigen Hinweis. Das Einfrieren der Fördermenge auf dem Niveau des Januars sei eine "unrealistische Forderung", so der Politiker. Die islamische Republik, die gerade durch die Lockerung internationaler Wirtschaftssanktionen in den Kreis wichtiger Ölförderländer zurückgekehrt ist, braucht die Öleinnahmen dringend, um das Land zu modernisieren.

Ölpreis schlägt Wellen

Die Signale passen ins generelle Bild am Ölmarkt: Das Angebot an dem Rohstoff übersteigt die Nachfrage danach bei weitem. Die schwächelnde Weltkonjunktur tut ein Übriges dazu, dass die Preise tendenziell weiter sinken. Die Folgen sind vor allem für die großen Ölkonzerne massiv, die zum Teil Milliarden an Verlusten schreiben. Kleinere Ölfirmen stehen gar vor der Pleite, was wiederum viele Banken zur gewaltigen Rückstellungen für ausfallbedrohte Kredite dieser Unternehmen zwingt. Am Dienstagabend erst hatte die US-Bank JPMorgan vor neuen, höheren Belastungen dieser Art gewarnt. Der niedrige Ölpreis bleibt also ein schwerer Belastungsfaktor für die Märkte.

Ein wenig Hoffnung könnten Anleger aus einem saisonalen Effekt schöpfen. Historisch ist der Ölpreis zu Jahresbeginn oftmals auf dem tiefsten Stand eines Jahres angesiedelt. Danach geht es, zumindest im Schnitt, langsam aber sicher bergauf mit den Notierungen, vielleicht ja auch 2016.

Rohöl saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: seasonalcharts, Dimitri Speck

AB

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