Arbeiter am Hochofen

Bauwirtschaft und E-Mobilität treiben Neuer Hype um Industriemetalle

Stand: 25.08.2017, 16:30 Uhr

Lange kaum beachtet haben sich Kupfer, Zink & Co. im laufenden Jahr prächtig entwickelt. Auch im Vergleich zu Edelmetallen wie Gold oder Silber laufen die für die Weltkonjunktur wichtigen Rohstoffe auf und davon. Für Anleger eine neue Gelegenheit in einer verschmähten Anlageklasse.

Die Preissteigerungen auf Sicht von zwölf Monaten versetzen in Staunen: Kupfer hat sich um sage und schreibe 45 Prozent verteuert, bei Zink lag der Wertzuwachs binnen eines Jahres bei 37 Prozent, Aluminium verteuerte sich um 27 Prozent und Nickel um 18 Prozent.

Aurubis im Kupferrausch

An der Börse hat die gestiegene Nachfrage nach den Metallen auch am Aktienmarkt zu Kursfeuerwerken geführt. Papiere von Bergbau-Konzernen wie Glencore oder Rio Tinto sind nach oben geschnellt. Im MDax markierte die Aktie des Kupferkonzerns Aurubis kürzlich ein neues Allzeithoch.

Kein Zweifel: Rohstoffe, und dabei insbesondere die Metalle, sind wieder auf der Wunschliste vieler Investoren aufgetaucht. Die hatten zuvor unter einem jahrelangen Preisverfall gelitten und um die "Commodities" schließlich vielfach einen Bogen gemacht.

"Historisch niedriges Niveau"

Inzwischen hat sich die Gemengelage scheinbar grundlegend geändert. Experten wie Yanjun Gast, Fondsmangerin bei LBBW Asset Management sieht viele Rohstoffe trotz der Preissteigerungen der vergangenen Monate "immer noch auf einem historisch niedrigen Niveau".

Für den Optimismus vieler Rohstoff-Experten wird vor allem die überraschend robuste Konjunktur in China zitiert. Das Riesenreich ist im zweiten Quartal um 6,9 Prozent gewachsen und steuert damit trotz bestehender Risiken offenbar nicht auf eine "harte Landung" bei der Konjunktur zu. Gleichzeitig sorgt die anhaltende Bauwut in dem Riesenreich für einen immer noch größeren Rohstoffhunger. Das Großprojekt eine neuen "Seidenstraße" als Handelsverbindung Chinas mit den Industrienationen in Westeuropa könnte einen gewaltigen Wachstumsimpuls entfalten.

China als Weltkonjunktur-Lokomotive überdeckt derzeit auch die Enttäuschung über die US-Politik. Der neue US-Präsident Donald Trump hatte umfangreiche Konjunkturprogramme angekündigt, die auch die Bauwirtschaft stimulieren sollten. Daraus ist bislang allerdings nichts geworden.

E-Autos als Kupferverbraucher

Eine zweite Entwicklung mit globaler Bedeutung sorgt für eine Sonderkonjunktur beim Kuperpreis: Die wachsende Elektromobilität dürfte in den kommenden Jahren die Nachfrage in ungeahnte Höhen treiben. Laut LBBW wird bis 2025 die Zahl der Elektrofahrzeuge weltweit von zwei auf 50 Millionen Euro steigen. Und mit bis zu 80 Kilogramm Kupfer pro Fahrzeug benötigt ein E-Auto die vierfache Menge des Metalls im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Dazu kommt weiterer Bedarf für die vielen Tausend Ladestationen, die in den kommenden Jahren gebaut werden.

Neben Kupfer sind aber auch Metalle wie Zink, bei der Stahlherstellung oder Aluminium, im Fahrzeugbau oder auch Nickel, bei der Herstellung von Legierungen weiter stark gefragt sein.

ETC, Aktien oder ETF

Für Investoren gibt es mehrere Möglichkeiten, vom neuen Metallboom zu profitieren. Über Exchange Traded Commodities (ETC) ist ein Investment in einzelne Metalle, aber auch in "Körbe" verschiedener Basiswerte möglich. Die Produkte sind rechtlich gesehen Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten, sind aber in vielen Fällen inzwischen "physisch" unterlegt, verbriefen also einen "Lieferanspruch" des Käufers.

Die zweite Möglichkeit ist das Aktieninvestment in Unternehmen, die am Abbau oder der Verarbeitung der Rohstoffe verdienen. Sie verdienen naturgemäß bei steigenden Rohstoffpreisen mehr, was sich in steigenden Gewinnen oder auch nur Gewinnaussichten niederschlägt - gut für die Aktien der Firmen. Per Indexfonds auf entsprechende Branchenindizes lässt sich hier auch günstig in eine ganzen Sektor investieren (sehen Sie dazu unseren Überblick: Profitieren vom Metallboom).

AB

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Profitieren vom Metallboom Von Aluminium bis Zink

Flüssiges Kupfer

Kupfer

Der Kupferpreis scheint kaum aufzuhalten. Allein binnen des vergangenen Monats stieg er um rund zehn Prozent auf derzeit 6.740 Dollar je Tonne. Gute Wirtschaftsdaten auf China und die Wette auf einen beispiellosen Bauboom sorgen weiter für steigende Nachfrage nach dem "roten Gold" (Aurubis).

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