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Gold 2016

Ausblick 2016 Gold

Krisenwährung in der Krise

Kommt Gold wieder?

von Notker Blechner

Stand: 23.12.2015, 10:38 Uhr

Für Freunde des gelben Edelmetalls war 2015 kein glänzendes Jahr: Trotz zahlreicher Krisen verlor Gold in Dollar erneut fast zehn Prozent an Wert. 2016 droht nun gar ein Rutsch unter die 1.000-Dollar-Marke. Für Anleger im Euro-Raum sieht es besser aus. Eine Trendwende ist freilich (noch) nicht in Sicht.

Von wegen "Anti-Krisen-Währung"! Weder die Griechenland-Krise noch der China-Crash haben in diesem Jahr den Goldpreis nachhaltig beflügeln können. Das Edelmetall verbilligte sich seit Januar um gut 100 Dollar auf rund 1.070 Dollar je Feinunze. Mit 1.053 Dollar wurde kurz nach der eingeläuteten Zinswende in den USA gar ein Sechs-Jahres-Tief erreicht.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.324,32
Differenz absolut
7,12
Differenz relativ
+0,54%

Damit droht dem Gold das dritte Verlustjahr in Folge. Seit dem Höchststand von 1.909 Dollar im August 2011 hat sich der Wert des gelben Edelmetalls nahezu halbiert. "Gold hat seinen Status als sicherer Hafen verloren", meinen die Anlagestrategen von Sal. Oppenheim.

Immerhin: In Euro gerechnet hat sich der Goldpreis stabilisiert. Mit 982 Euro je Feinunze liegt das gelbe Edelmetall in etwa da, wo es Anfang des Jahres stand. 2014 war der Goldpreis auf Euro-Basis sogar leicht gestiegen.

Fällt die 1.000 Dollar-Marke?

Im nächsten Jahr könnte auch erstmals seit 2009 der Goldpreis in Dollar wieder dreistellig werden. Das befürchten einige Banken. Die DZ Bank prophezeit einen Rutsch auf 950 Dollar je Feinunze bis Ende 2016. Und die Experten von Morgan Stanley halten gar einen Einbruch auf bis 800 Dollar für möglich, falls die Zinswende in den USA voranschreitet und es in China zu neuen Börsenturbulenzen kommt. Noch skeptischer ist die Deutsche Bank. Sie sieht den angemessenen Preis für Gold bei 750 Dollar.

Die Gold-Prognosen der Banken für 2016
BankGold in Dollar je Unze
Sal. Oppenheim950
DekaBank960
Goldman Sachs1.000
Santander1.050
Deutsche Bank1.085
Postbank1.100
Helaba1.100
JPMorgan1.110
UniCredit1.125
Baader Bank1.150
BayernLB1.150
Berenberg1.150
Donner & Reuschel1.200
LBBW1.300
Hauck & Aufhäuser1.450

Vor allem die sanfte Zinswende in den USA könnte dem Goldpreis schaden. Durch die steigenden Zinsen werden festverzinsliche Wertpapiere wieder interessanter. Gold dagegen, das bekanntlich keine Zinsen abwirft, wird gegenüber Anleihen unattraktiver.

Dollar-Stärke schwächt Gold-Nachfrage

Weitere Zinserhöhungen stärken den Dollar und schwächen andere Währungen wie den Euro. Dann müssen Anleger aus Europa oder Asien immer mehr für Gold hinlegen. Darunter leidet die Nachfrage - und auch der Preis für das gelbe Edelmetall.

Ein weiteres Argument, das gegen Gold spricht, sind die anhaltenden Abflüsse aus den Gold-ETFs. Inzwischen überwiegen netto sogar die Short-Positionen auf Gold. "Das gab's noch nicht so oft", meint Rohstoff-Analyst Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Lichtblick auf der Angebotsseite

Er sieht darin aber eher ein positives Zeichen, dass es mit dem Goldpreis bald wieder aufwärts gehen dürfte. "Der größte Move bei den Abflüssen ist vorbei", glaubt er. Schallenberger ist für 2016 zuversichtlich für den Goldpreis und prophezeit einen Anstieg auf 1.300 Dollar je Feinunze. Seiner Meinung nach haben sich die fundamentalen Daten für Gold deutlich verbessert. Das Angebot dürfte sich in naher Zukunft verknappen Bei der Minenproduktion sei der Zenit erreicht worden. Und beim recycleten Gold seien jetzt schon 500 Tonnen weniger auf den Markt gekommen.

Als weiteren Treiber für den Goldpreis sieht Schallenberger die Notenbanken, die weiter zukaufen. Hinzu komme die wieder anziehende Goldnachfrage in Indien und China. Im dritten Quartal wurde dort mehr Gold gekauft als erwartet.

Ehrhardt und Flossbach pro Gold

Jens Ehrhardt

Jens Ehrhardt. | Bildquelle: Jens Ehrhardt

Ähnlich positiv gestimmt ist der bekannte Vermögensverwalter und Fondsmanager Jens Ehrhardt. "Gold ist meiner Meinung nach eher ein Kauf", sagte er auf dem Investmentgipfel der "Wirtschaftswoche". "Die Asiaten dürften bald wieder mehr Gold nachfragen als in den letzten zwei Jahren, das sollte den Preis treiben." Mit der Schwellenländerschwäche werde die Goldpreisdelle überwunden werden, glaubt ebenfalls Vermögensverwalter Bert Flossbach.

Auch in Deutschland hat die Talfahrt des Goldpreises die Kauflaune der Kleinanleger nicht gebremst. Im Gegenteil: Goldhändler wie Degussa und Pro Aurum verzeichnen weiter zweistellige Zuwächse. Kamen früher hauptsächlich Rentner in die Shops, um das Edelmetall zu kaufen, sind es nun Personen aus allen Altersgruppen und Schichten, die Goldbarren und -münzen horten. Viele Anleger sagen sich: "Jetzt erst recht!"- und nutzen die gefallenen Preise zum Nachkaufen.

Kleinanleger kaufen zunehmend Goldmünzen

Der Goldmarkt bleibt also zweigeteilt. Während die Profi-Investoren sich immer mehr vom gelben Edelmetall verabschieden und "short" gehen, sind die Kleinanleger auf der Käuferseite. Die düsteren Prognosen einiger Banken lassen sie kalt. Sie glauben lieber an Verschwörungstheorien - und befürchten angesichts der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderer Notenbanken eine große Inflation in den nächsten Jahren.

Noch ist von Inflation offiziell kaum etwas zu spüren. Im Euroraum stiegen die Preise zuletzt um 0,2 Prozent - wegen des Ölpreisrutsches. Das könnte sich aber bald ändern, wenn die Weltwirtschaft wieder anzieht und sich der Ölpreis erholt. Die DZ Bank rechnet für 2016 wieder mit einer steigenden Inflation in den USA auf 2,0 Prozent. Sollten die Inflationszahlen in den USA schneller anziehen als die Zinsen, dürfte es mit dem Goldpreis auch wieder aufwärts gehen - wenn auch nur moderat.

Zinserhöhungszyklen treiben meist den Goldpreis

Historisch betrachtet stieg der Goldpreis in der Vergangenheit meist bei Zinserhöhungszyklen an. Durchschnittlich verteuerte sich das gelbe Edelmetall um drei Prozent in den ersten sechs Monaten nach der ersten Zinserhöhung, hat die DZ Bank herausgefunden. Ob sich dieses historische Muster wiederholt, bezweifelt die DZ Bank. Die LBBW hingegen glaubt daran. Der Goldpreis bleibt ein Glaubenskrieg!

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