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Geldanlage 2013
Goldpreis
Ist das holde Gold nicht mehr so begehrt?
von Ursula Mayer
Laut einer Studie horten die Deutschen 8.000 Tonnen Gold. In das Edelmetall stecken sie mehr Geld als in Aktien. Kein Wunder. Schließlich ist der Goldpreis seit zwölf Jahren exponentiell nach oben geschossen. Zuletzt nahm der Höhenflug aber ein jähes Ende. Bleibt es 2013 dabei?
Sind Goldbarren bald nicht mehr so begehrt? Da sind sich Experten uneins.
Zumindest derzeit scheint die Krisenwährung nicht so gefragt. Der Goldpreis in US-Dollar ist zwischenzeitlich sogar auf 1.635 Dollar je Feinunze gesunken, fast auf ein Vier-Monats-Tief. Darüber hinaus hat der Kurs im Chart die 200-Tage-Linie nach unten hin durchbrochen. Mit der Folge, dass bald noch mehr Anleger ihr Gold verkaufen dürften. "Der steigende Wirtschaftsoptimismus und der zunehmende Risikoappetit machen Gold unattraktiv", erklärt Eugen Weinberg, Chef-Analyst der Commerzbank.
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Bisher griffen Investoren gerne auf Gold zurück, weil sie angesichts der expansiven Geldpolitik der Notenbanken weltweit eine massive Inflation und sogar den Zusammenbruch des Euro fürchteten. Das gelbe Edelmetall galt in Krisenzeiten eben traditionell als sicherer Hafen.
Die Goldanlage - alles andere als ein Auslaufmodell
Doch auf hoher See scheinen sich die Gewitterwolken allmählich zu verziehen. Wichtige Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex und die ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen zuletzt an. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Wirtschaft in Deutschland und im Euro-Raum stabilisiert.
Derweil hat die Bank of Japan zum dritten Mal in vier Monaten den Geldhahn weiter aufgedreht und ihr Anleihenkaufprogramm ausgeweitet. Langfristig könnten damit bald doch wieder mehr Anleger ihr Heil in Gold suchen, vermutet Chef-Analyst Weinberg, "Die ultralockere Geldpolitik der führenden Zentralbanken ist ein wesentlicher Eckpfeiler für den von uns im nächsten Jahr erwarteten Preisanstieg von Gold", erklärt er. Und schließlich ist auch der US-Haushaltsstreit noch keinesfalls gelöst.
ETF-Anleger bleiben Weinbergs Aussagen nach Gold daher treu. Was dazu kommt: Inder sind nach Gold geradezu verrückt - vor allem, wenn sie heiraten. Das dürfte dem Goldpreis weiteren Auftrieb geben, zumal er, in indischer Rupie gerechnet, laut Commerzbank derzeit sehr günstig ausfällt. 2013 könnte das vor allem in der zweiten Jahreshälfte interessant werden, wenn in Indien die Hochzeitssaison beginnt.
"Kursverfall nur eine kleine Korrektur"
Auch für technische Analysten wie Axel Rudolph war die jüngste Abwärtsbewegung des Goldpreises eine Überraschung. Für repräsentativ hält er sie aber nicht. Denn gegen Ende des Jahres würden auf dem Goldmarkt geringere Volumina gehandelt, erklärt er im Interview mit boerse.ARD.de und ergänzt: "Der Kursverfall dürfte nur eine kleine Korrektur sein im langfristigen Aufwärtstrend." Immerhin habe der Goldkurs binnen Jahresfrist noch fünf Prozent zugelegt. Der Analyst hält es für wahrscheinlich, dass sich dieser Trend 2013 fortsetzen wird.
Wegen der niedrigen Zinsen dürfte Gold weiter seine Attraktivität behalten. Davon geht auch Thilo Heidrich von der Postbank aus. Er schätzt, dass der Kurs Ende 2013 auf 1.900 Dollar steigen könnte. Eine ähnliche Entwicklung erwartet die Landesbank Hessen-Thüringen. Dass das gelbe Edelmetall aber sogar sein historisches Hoch bei 1.920 US-Dollar vom vergangenen September knacken könnte, glauben viele Fachleute nicht.
Ist der Höhenflug bald zu Ende?
Der technische Analyst Axel Rudolph von der Commerzbank hält das jedoch durchaus für möglich. Allerdings müsste der Kurs dafür einen Widerstand bei etwa 1.800 US-Dollar überwinden. Das wäre der "Startschuss für eine Extremhausse", heißt es auch im Goldbrief "Midas", benannt nach dem gleichnamigen König aus der griechischen Mythologie. Alles was er anfasste, verwandelte sich in Gold.
Die goldenen Zeiten sind für andere aber bald vorbei. Zum Beispiel für die Rohstoffexperten von Goldman Sachs. "Während wir kurzfristig Anfang 2013 noch höhere Goldpreise erwarten, sehen wir langfristig Risiken wachsen, die die Preise nach unten drücken könnten", lautet ihre Erklärung. Die Investmentbank schätzt den Goldpreis in zwölf Monaten bei 1.800 Dollar pro Feinunze. Ähnlich skeptisch zeigt sich Thomas Liebi, der Chefökonom der Schweizer Fondsgesellschaft Swisscanto. Er glaubt, dass der Goldpreis bei 1.800 US-Dollar ein Top ausgebildet hat und die Hoffnung auf eine "Kursexplosion" im neuen Jahr teilt er definitiv nicht.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| - inflations- und krisensicher | - unverzinst |
| - kein Zahlungsausfall möglich | - Goldmarkt könnte sich überhitzen |
| - Notreserve außerhalb des Finanzsystems | |
Fazit: Gold gilt traditionell als eiserne Reserve in Krisenzeiten und als inflationssicher. Sobald es aber in Europa erste Anzeichen der Entspannung gibt, wird der sonst viel gepriesene sichere Hafen für Anleger zunehmend uninteressant. Auch 2013 könnte es mit dem Goldpreis weiter bergauf gehen, allerdings befürchten Experten, dass sich der Goldmarkt überhitzen könnte.
Stand: 23.12.2012, 09:00 Uhr