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Der Ölpreis purzelt

Pfeifen im Walde

Ölpreis bald im Gleichgewicht? Wunschdenken!

Stand: 05.07.2017, 11:19 Uhr

Die Internationale Energieagentur IEA sieht den Ölpreis bald im Gleichgewicht. Aber nur, wenn wichtige Öl-Förderländer wie Nigeria und Libyen ihre Produktion nicht erhöhen. Doch genau das machen die beiden seit Wochen.

Es ist wohl mehr Wunschdenken als ernst zu nehmende Prognose. Die Organisation, in der die Interessen führender Industriestaaten vertreten sind, sieht den Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte wieder ins Gleichgewicht kommen. Das gelte allerdings nur unter den gegenwärtigen Voraussetzungen, sagte IEA-Chef Fatih Birol. Sollte es aber deutliche Produktionssteigerungen bei wichtigen Ölförderern wie Nigeria und Libyen geben, könne sich das Bild ändern.

Seine Äußerung ist wohl kaum mehr als ein Pfeifen im Walde zu verstehen. Denn die OPEC-Länder Nigeria und Libyen erhöhen seit Wochen stetig ihre Produktion. Sie sind von der Kürzungsvereinbarung zwischen der Opec und anderen großen Förderländern ausgeschlossen.

Daher herrscht nach wie vor Skepsis, ob es dem Ölkartell Opec gelingen wird, das seit Monaten herrschende Überangebot auf dem Ölmarkt zu reduzieren. "Da Libyen und Nigeria am Monatsende deutlich mehr förderten als im Monatsdurchschnitt, ist im Juli von einem weiteren Anstieg der Opec-Produktion auszugehen, sofern es nicht zu erneuten Beeinträchtigungen kommt", schreiben die Analysten der Commerzbank.

Die IEA - das Gegenkartell zur Opec

Goldfarbener Öltropfen

Die Internationale Energieagentur wurde in den 70er Jahren gegründet als Antwort auf die erste Ölkrise. Eine Interessenvertretung von Öl-Importländern, eine Art Gegenkartell zur Opec, das es mit den Ölförder-Ländern aufnahm.

Ölpreis auf Erholungskurs

Allerdings hat der Ölpreis sich in den letzten Tagen deutlich stabilisieren können. In den Medien war gar von einer "Rally" die Rede, weil der Ölpreis achte Tag in Folge kletterte. Diese Erholung war die stärkste seit fünf Jahren. Ein Fass der Nordseesorte Brent nahm wieder Kurs auf die 50-Dollar-Marke, während das Barrel (159 Liter)zuvor wochenlang gefallen war und vor zwei Wochen noch 44 Dollar kostete.

Heute kostet Brent zur Lieferung im September 49,54 US-Dollar. Der Preis für die amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Lieferung liegt bei 46,98 Dollar.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,81
Differenz relativ
-2,32%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
48,14
Differenz relativ
-2,69%

Weniger Fracking

Anlass für die Preiserholung war eine Nachricht aus der Fracking-Industrie in den USA. Dort scheint das ungehemmte Schieferölfördern ein wenig zu pausieren. Das Ölservice-Unternehmen Baker Hughes meldete nämlich erstmals seit 23 Wochen einen Rückgang der Ölbohrungen in den USA. Es waren zwar nur zwei Bohrlöcher weniger, 756, aber es half für ein Aufatmen.

Dabei hält das Überangebot an Öl weiter an. So haben laut Reuters die Opec-Staaten im Juni 32,7 Millionen Barrel Öl gefördert und damit 280.000 mehr als noch im Monat zuvor. "Bei der gegenwärtigen Produktionsmenge wird es der OPEC nicht mehr gelingen, den Lagerüberhang bis zum Jahresende vollständig abzubauen", resümieren daher die Analysten der Commerzbank. Vom Rückgang der Ölbohrungen in der vergangenen Woche in den USA auf eine Trendwende zu schließen, sei zu früh.

bs

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