Ölraffinerie in Texas

Ausgefallene Raffinerien Harvey treibt die Benzinpreise - auch in Europa

Stand: 01.09.2017, 09:29 Uhr

Es ist paradox: An den Weltmärkten gehen die Ölpreise trotz "Harvey" zurück. Gleichzeitig ziehen für die Endverbraucher die Preise für Diesel und Benzin an. Wie passt das zusammen?

Tatsächlich hat der Tropensturm Harvey nicht nur die Region Houston ins Chaos gestürzt, auch der Ölmarkt ist durcheinander geraten. Weil durch die heftigen Regenfälle der letzten Tage Raffinerien geschlossen werden mussten, ist der Preis für die in Texas geförderte und dort verarbeitete Ölsorte WTI unter Druck geraten. Aktuelle Schätzungen liegen bei 4,4 Millionen Barrel pro Tag an geschlossenen Verarbeitungskapazitäten, was einem Viertel der landesweiten Raffineriekapazitäten entspricht.

Wegen der geschlossenen Raffinerien wird weniger WTI angeboten. Dadurch ist der Preis auf 46 Dollar je Barrel zurückgefallen Dadegegen hält sich der Preis für die Nordseesorte Brent oberhalb der Marke von 50 Dollar. Somit beträgt die Differenz zwischen Brent und WTI derzeit etwa fünf Dollar, so wenig wie schon lange nicht mehr.

Höchster Preis seit zwei Jahren

Dagegen zieht der in New York gehandelte Benzinpreis wegen der Angebotsverknappung durch die Raffinerieabschaltungen stark an. US-Medien berichten von einem Anstieg pro Gallone von knapp 30 Prozent, obwohl deutlich mehr Ölprodukte aus Europa in die USA geliefert werden. Trotzdem erreichte gestern der Großhandelspreis für Benzin erstmals seit zwei Jahren die Marke von zwei Dollar je Gallone.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
50,50
Differenz relativ
+2,08%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
56,38
Differenz relativ
+2,42%

Die Verarbeitungsmarge für Benzin stieg auf 25 Dollar je Barrel und erreichte damit den höchsten Stand für diesen Zeitpunkt des Jahres seit dem Jahr 2012. Die Folgen bekommen auch die Autofahrer in Europa zu spüren. Am Morgen zogen die Preise für Benzin und Diesel deutlich an.

Kein dauerhafter Preisanstieg

Anja Kohl

"Harvey" bremst die US-Wirtschaft

Experten sind sich aber sicher, dass es sich bei den derzeitigen Verzerrungen nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Sobald Harvey abgezogen ist, sollten die Preise für Benzin und Diesel fallen und sich die Preise von Brent und WTI Crude wieder annähern, heißt es bei "Wellenreiter Research".

lg

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