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Rohstoffe

Goldtresor der Deutschen Bundesbank

Krisenwährung noch in der Krise

Gold: Warten auf den Ausbruch

Stand: 09.10.2015, 11:57 Uhr

Die Entwicklung des Goldpreises war für viele Anleger im laufenden Jahr eine Enttäuschung. Trotz der Geldflut durch die Notenbanken und eine schwächelnde Weltwirtschaft kamen die Notierungen bislang nicht in Schwung.

Anzeichen einer Wirtschafts- und Finanzkrise zu finden, fällt an sich nicht schwer. Die Dauerniedrig-Zinsphase, die die Notenbanken den wichtigsten Industriestaaten verordnet haben, um die Wirtschaft anzukurbeln, verfehlt vermeintlich ihre Wirkung. Wachstum ist auf Pump und Schuldenbergen aufgebaut, die irgendwann einmal abgetragen werden müssen - so die Argumentation der Goldanhänger, die seit Jahren auf "Nummer sicher" gehen und einen Teil ihrer Rücklagen in Gold-Barren, -Münzen oder -fonds stecken.

Verluste in Dollar, Gewinne in Euro

Die Rechnung ging in diesem Jahr bislang nicht auf, die Vorboten der Krise ließen den Goldpreis bislang nicht steigen - im Gegenteil: In Dollar gerechnet notiert die Feinunze des Edelmetalls Anfang Oktober bei 1.152 Dollar. Das liegt rund drei Prozent unter dem Preis zu Jahresbeginn. In Euro gerechnet hat das Goldinvestment, dem starken Dollar gegenüber der Gemeinschaftswährung sei dank, immerhin fast in gleichem Maße zugelegt.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.326,20
Differenz absolut
2,45
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Experten sehen Gold einerseits in einem allgemeinen Preisverfall bei Metallen auf dem Weltmarkt gefangen. Industriemetalle wie Kupfer, Silber oder Palladium haben seit Jahresbeginn deutlich an Wert verloren. Laut einer Analyse der Schweizer Großbank UBS fehlt derzeit einfach die "physische Nachfrage" im Metall-Markt.

Keine Inflation - kein Goldpreisanstieg

Auf einen wohl noch wichtigeren Zusammenhang weisen aber immer wieder Experten hin, wie dies die Londoner Researchfirma Capital Research jüngst einer aktuellen Studie wieder einmal ausgeführt hat. Es besteht schlicht weiterhin kein oder wenig Inflationsdruck! Dies haben die Verbraucherpreis-Daten sowohl in den USA als auch in Europa in den vergangenen Monaten immer wieder belegt.

Auf den Realzins achten!

Keine "Geldentwertung" bedeutet aber, dass Gold als Inflationsschutz nicht eingesetzt werden kann. Eine Gegenüberstellung des Goldpreises mit dem Realzins (also des aktuellen Zinsniveaus abzüglich der Inflation) über einen mehrjährigen Zeitraum weist den Zusammenhang klar aus. Bei einem positiven Realzins sinken die Goldpreise oder verharren auf ihrem Niveau. Nur wenn die reale Verzinsung von Vermögen sinkt und negativ wird, haben die Goldnotierungen langfristig die Chance, deutlich zu steigen, weil dann mehr Anleger zu Gold als Absicherungs-Instrument greifen.

Langfristanleger in Gold dürfte die aktuelle Inflationssituation aber wohl nicht dazu bewegen, sich von ihren Beständen zu trennen. Krisen-Anzeichen gibt es ja weiterhin genügend und damit auch die Hoffnung darauf, dass sich Gold wieder lohnt.

Bundesbank holt Gold heim

Richtig viel von dem Edelmetall gebunkert hat weiterhin die Bundesbank. Deren Goldreserve von 3.400 Tonnen hat derzeit einen Wert rund rund 100 Milliarden Euro. Der Bundes-Goldschatz wird in den kommenden Jahren zu größeren Teilen auch wirklich in Deutschland lagern. Bislang befinden sich nur rund 35 Prozent bei der Bundesbank. Der Rest verteilt sich auf die USA, Frankreich und Großbritannien, wo bei den jeweiligen Notenbanken deutsche Goldbarren lagern. 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris sollen in den kommenden Jahren nach Frankfurt "umgebettet" werden. Bis 2020 soll damit mindestens die Hälfte des deutschen Goldes auch in Deutschland liegen.

AB

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