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Gold, Silber und Platin

Edelmetalle gewinnen wieder an Glanz

Notker Blechner

Wochenlang jagten die Athleten bei den olympischen Spielen nach Edelmetall. Nun hat das Gold- und Silberfieber auch die Anleger wieder ergriffen. Die nahenden geldpolitischen Lockerungen der Notenbanken schüren die Inflationsangst und treiben die Edelmetall-Preise.

Platin, Silber und Gold

Platin, Silber und Gold

Wenn Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die "Bazooka" auspackt und Fed-Chef Ben Bernanke die Notenpresse anwirft, dann freuen sich nicht nur die meisten Börsianer, sondern auch die Rohstoffanleger. Denn je mehr die Notenbanken Liquidität in die Märkte pumpen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer steigenden Inflation. Zu den wenigen Geldanlagen, die dann noch Werterhalt versprechen, gehören Rohstoffe, allen voran Edelmetalle.

Notenbanken heizen die Edelmetall-Preise an
So hat die Aussicht auf Gelddruckprogramme der EZB und der Fed in den vergangenen Tagen die Preise der edlen Metalle kräftig angeheizt. Der Goldpreis, der monatelang bei um 1.600 Dollar pendelte, ist erstmals seit Mitte März wieder über 1.700 Dollar gestiegen und hat ein Sechs-Monats-Hoch erreicht. Der Silberpreis ist in zehn Tagen um knapp zehn Prozent nach oben gesprungen auf 34 Dollar. Seit August hat er gar gut ein Viertel an Wert zugelegt. Und auch der Platinpreis hat sich in den letzten vier Wochen um rund 200 Dollar auf 1.600 Dollar verteuert.

"Das Anlegerinteresse an dem Sektor steigt wieder", meint Tobias Merath, Rohstoff-Analyst der Credit Suisse. Sowohl physisch hinterlegte ETFs als auch Futures- und Optionsmärkte würden erneute Zuflüsse registrieren. Silber-ETFs beispielsweise verzeichneten im August so hohe Zuflüsse wie zuletzt vor drei Jahren.

Gold steuert Richtung 1.900 Dollar

Besonders Gold trauen viele Experten in naher Zukunft noch weitere Preissprünge zu, nachdem der Abwärtstrend nach oben durchbrochen wurde. Auf Sicht von zwölf Monaten rechnet die Landesbank Baden-Württemberg mit einem Goldpreis von 1.800 Dollar je Feinunze und die Credit Suisse mit 1.800 Dollar. Noch optimistischer sind die Experten von Goldman Sachs und der Commerzbank. Der Chef des Rohstoff-Teams von Goldman Sachs glaubt, dass das gelbe Edelmetall bis Ende des Jahres 1.840 Dollar kosten wird. Und die Commerzbank prophezeit gar, dass Gold sein Rekordhoch von 1.920 Dollar im September 2011 wieder in Angriff nimmt. Für dieses Jahr erwartet die Bank den Goldpreis bei 1.900 Dollar. "Die bevorstehenden Maßnahmen der Notenbanken führen zu Inflation, mindern den Wert der Papierwährungen und verstärken damit den Run auf Gold", ist Rohstoff-Analyst Carsten Fritsch überzeugt.

Bs die Marke von 2.000 Dollar durchbrochen wird, dürfte folglich nur eine Frage der Zeit sein. Manche Gold-Fans träumen bereits von ganz anderen Schallmauern. So kann sich Gold-Guru James Turk durchaus vorstellen, dass das gelbe Edelmetall eines Tages 8.000 Dollar kosten werde.

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"Gold ist ein Hedge gegen alle Unbilden, ob Inflation oder auch Deflation", erklärt Vermögensverwalter Bert Flossbach gegenüber boerse.ARD.de. Gold sei die Alternative zu Papierwährungen. Langfristig gesehen "fallen alle Währungen gegen Gold".

An Silber scheiden sich die Geister

Uneins sind die Experten über die Aussichten von Silber. Credit-Suisse-Rohstoffanalyst Merath hält das weiße Edelmetall immer noch für überbewertet. Der faire Wert liege bei rund 23 Dollar. Merath rechnet auf Zwölf-Monats-Sicht mit einem Rückgang des Silberpreises auf 28 Dollar. Commerzbank-Analyst Fritsch hingegen sieht weiteres Aufwärtspotenzial bei Silber. Bis Jahresende werde das Metall auf 35 Dollar je Feinunze klettern, prophezeit er. Kurzfristig rechnet er freilich mit einer Konsolidierung, nachdem der jüngste Preisanstieg hauptsächlich von spekulativen Anlegern angetrieben worden war. 2013 werde Silber dann stärker als Gold steigen, glaubt Fritsch.

Großer Unsicherheitsfaktor bleibt die Konjunktur. Die Hälfte der Silbernachfrage kommt nämlich aus der Industrie. Schwächelt die Weltkonjunktur, gerät auch der Silberpreis unter Druck.

Im Vergleich zu Gold ist Silber relativ günstig zu haben. Das weiße Edelmetall kostet 50 Mal weniger als das gelbe Edelmetall. Analysten wie Tobias Merath von der Credit Suisse halten ein Verhältnis von 1:60 zwischen Silber und Gold für fair.

Streiks beschleunigen den Platin-Preis

Eine Alternative zu Gold und Silber ist Platin. Das seltene Metall hat offenbar bei 1.400 Dollar seinen Boden gefunden und hat inzwischen kräftig angezogen. "Die erwarteten Angebotsüberschüsse könnten ausbleiben", sagt Commerzbank-Experte Fritsch. Tatsächlich haben die Schließung einzelner südafrikanischer Minen und die Unruhen, die in Marikana eskalierten, das Angebot bereits verknappt. Commerzbank-Analyst Fritsch rechnet damit, dass Platin bis Jahresende auf 1.750 Dollar klettert und bald wieder so viel kosten wird wie Gold. "Die Preisunterschiede werden sich 2013 einebnen", glaubt er. Obwohl Platin seltener vorkommt als Gold und aufwändiger aus dem Gestein gelöst werden muss, ist das seltene Metall derzeit knapp 100 Dollar günstiger als Gold.

Platin in Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Platin hängt allerdings ähnlich wie Silber von der Konjunktur-Entwicklung ab. Rund die Hälfte des geförderten Platins wird von der Autoindustrie in Katalysatoren eingebaut. Wegen der Autoflaute in Südeuropa ist die Nachfrage der Industrie für das seltene Metall derzeit eher schwach.

Palladium mit noch mehr Potenzial?

Besser läuft es für das Schwestermetall Palladium. In China und den USA kommen bevorzugt benzingetriebene Fahrzeuge zum Einsatz, die Palladium-Katalysatoren nutzen. In Europa hingegen gibt es zunehmend Diesel-Autos, die mit Platin-Katalysatoren ausgerüstet werden.

Der Preis für Palladium dürfte laut Prognose der Commerzbank bis Jahresende auf 750 Dollar zulegen. Das wäre eine Steigerung von gut 100 Dollar. "Palladium sollte sich in naher Zukunft besser entwickeln als Platin", meint Carsten Fritsch von der Commerzbank. Die Experten der Credit Suisse hingegen rechnen hingegen mit einem stagnierenden Palladium-Preis von 650 Dollar.

Stand: 13.09.2012, 14:18 Uhr