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Rohstoffe

Goldfarbene Ölfässer mit dem Schriftzug OIL

Die entscheidende 40-Dollar-Marke

Die Wiederauferstehung des Ölpreises

Stand: 10.03.2016, 14:18 Uhr

Öl kostet seit Anfang der Woche wieder mehr als 40 Dollar. Seit dem Jahrestief im Januar sind die Ölpreise um 40 Prozent gestiegen. Ist das die viel beschworene Trendumkehr? Die Saisonalität spricht für steigende Preise. Aber macht die Opec da mit?

Die Öl-Lager in den USA quellen fast über. Woche für Woche melden die US-Behörden neue Rekordstände. Und die Lagerbestände werden noch bis Ende 2017 weiter wachsen, prognostizierte jüngst die Internationale Energieagentur (IEA). Auch in anderen Staaten sind die Lager zum Bersten voll.

Weltweit gibt es so viel Öl, dass es Jahre dauern würde, die Lagerbestände abzubauen, selbst wenn die Ölproduktion jetzt komplett eingestellt würde. Dieser Überfluss hatte die Ölpreise zu Anfang des Jahres auf einen mehrjährigen Tiefststand gedrückt, sogar die 30-Dollar-Marke wurde unterboten.

An dem Überfluss hat sich nichts geändert. Trotzdem setzte der Ölpreis Mitte Februar zu einer regelrechten Aufholjagd an. Anfang dieser Woche shoss der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent über auf 40 Dollar. In der Spitze ging es sogar bis auf 41 Dollar. Bei der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) Marke reichte es noch nicht ganz für die 40er Marke. Ein Fass kostete in dieser Woche aber immerhin wieder über 38 Dollar in der Spitze .

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Warum der Preisanstieg?

Was die Preise wieder hat steigen lassen, waren Berichte über eine Drosselung der Ölförderung in den Opec-Staaten und auch in den USA. Mitte Februar hatten Saudi-Arabien, Katar und Venezuela davon gesprochen, die Ölförderung gemeinsam mit Russland auf dem Stand vom Januar einzufrieren. Voraussetzung soll sein, dass andere große Ölländer mitziehen.

Das wurde jüngst bekräftigt vom stellvertretenden irakischen Ölminister. Fajad al-Nema zufolge wollen die großen Exportstaaten der Welt am 20. März über eine Deckelung der Fördermengen beraten. Sollte eine Einigung tatsächlich gelingen, würde das den Ölpreis zumindest stabilisieren.

Saisonalität spricht für Trendumkehr

Auch saisonale Effekte sprechen tendenziell eher für steigende Preise. Die Statistik zeigt, dass Öl zu Jahresbeginn weniger kostet als im Rest des Jahres.

Häufig notiert der Ölpreis Ende Januar auf dem tiefsten Stand eines Jahres . Danach geht es, zumindest sagt das der 30-Jahres-Durchschnitt, langsam aber sicher bergauf mit den Notierungen. Vielleicht gilt das ja auch 2016 - voriges Jahr hielt die Saisonalität nur bis Mai.

Dax im 30-Jahres-Schnitt - im Februar ist der Tiefpunkt. | Quelle: seasonalcharts.com | Grafik: boerse.ARD.de

Die US-Fracker stehen bereit

Allerdings kommt auch ein neuer - tendenziell eher preisdrückender - Faktor dazu: Bei einem Ölpreis über der 40-Dollar-Marke werden die vielen Fracking-Firmen in den USA ihre Ölproduktion wieder nach oben treiben. Denn bei diesem Preis lohnt sich die Fördermethode wieder. So lassen sich zumindest die jüngsten Stimmen aus der Fracking-Industrie deuten.

Noch vor einem Jahr hieß es, erst ab einem Ölpreis von 60/70 Dollar lohnt sich die Ölförderung mittels Fracking. Viele hatten die Schieferöl-Produktion eingestellt, innerhalb eines Jahres halbierte sich die Zahl derr Bohrlöcher in den USA. Doch sind die Fördermethoden im Zuge des fallenden Ölpreises immer effizienter geworden - sie mussten effizienter werden. Und jetzt könnte sich die Produktion für viele US-Fracker wieder lohnen. Das dürfte das Öl-Angebot am Markt weiter steigern - dabei sind die Lager schon zum Bersten voll. Für einen weiteren Preisanstieg spricht das nicht.

Viele US-Fracker stehen bereit. Sie haben sich sogar vorgenommen, zu ähnlich oder sogar günstigeren Kosten zu produzieren als etwa Saudi-Arabien.

Saudi-Arabien bleibt kämpferisch

Auch Saudi-Arabien gibt sich kämpferisch. Das Land werde seinen Marktanteil aufrechterhalten, sagte Außenminister Adel al-Dschubeir. Die Vorstellung, sein Land könne die Förderung mindern, während andere Länder mehr produzierten, sei unrealistisch. Insbesondere die US-Frackingindustrie ist Riad ein Dorn im Auge.

Ein plötzlicher und dramatischer Anstieg des Ölpreises scheint also eher unwahrscheinlich. Auch die US-Ratingagentur Moody's ist in dieser Hinsicht skeptisch. Viele Öl-Länder leiden darunter, der Preisverfall mindert die Staatseinnahmen, die wirtschaftliche Entwicklung wird gebremst. Die amerikanische Ratingagentur hat mehreren Staaten bereits mit einer Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht. Anleihen des Golf-Landes Bahrain erklärte sie sogar zu "Ramsch".

Die Staatshaushalte der Ölförderländer basieren auf einem Ölpreis von 38 bis 53 Dollar pro Barrel, rechnete die Beratungsfirma Roland Berger jetzt vor. Eine Kürzung der Staatshaushalte scheint daher programmiert.

Was sagen die Experten: Wie geht's weiter?

Ob die Trendwende geschafft ist, gilt unter Fachleuten daher als fraglich. Immerhin gehen Rohstoffexperten der Commerzbank davon aus, dass es keine Rückkehr zu den mehrjährigen Tiefstständen vom Jahresauftakt geben wird.

Außerdem sei am Ölmarkt nicht mehr mit einer länger anhaltenden Preisschwäche zu rechnen. Die Commerzbank begründet diese Einschätzung allerdings mit der Entwicklung in den USA: "Es wird immer ersichtlicher, dass die deutlich geringere Bohraktivität in den USA die dortige Ölproduktion dämpft." Bei einem Anstieg über 40 Dollar dürfte das aber nicht so bleiben.

Die New York Mercantile Exchange (Nymex) und die amerikanische Energieagentur EIA erwarten für 2016 einen leichten Anstieg des US-Ölpreises auf 46 Dollar.

Vorsicht, Contango!

Wer von einem weiteren Anstieg des Ölpreises überzeugt ist und nach entsprechenden Investments sucht, der hat verschiedene Möglichkeiten, etwa in Aktien, ETCs oder Zertifikaten. Insbesondere bei der Anlage in ETCs und Zertifikaten ist ein aktuell besonders schwerwiegendes Risiko zu beachten. Derzeit liegt am Terminmarkt für Öl eine "Contango"-Konstellation vor - so nennt man die Situation, wenn der Terminkurs über dem aktuellen Ölpreis liegt. Dann können Anleger selbst bei einem steigenden Ölpreis Verluste erleiden. Ist die Preisdifferenz besonders hoch, so wie im Moment, ist das Risiko umso höher.

Das liegt an den starken "Rollverlusten", wenn bei Fälligkeit eines Terminkontraktes in den nächstfolgenden "gerollt" wird. Nur wenn der aktuelle Spot-Preis in jeder Rollperiode noch stärker steigt, als die Futures vorwegnehmen, landet man im grünen Bereich.

Mehr dazu in unserem Hintergrund: Von Rollverlusten und Rollgewinnen.

bs

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