Öl-Importländer contra Öl-Förderer Die IEA, das Gegenkartell zur Opec

von Bettina Seidl

Stand: 05.07.2017, 12:45 Uhr

Die Internationale Energieagentur ist ein Kind der ersten Ölkrise in den 70er Jahren. Damals machte die Opec das Öl knapp und die deutschen Autobahnen leer. Die Antwort der Öl-Importländer: die Gründung der IEA.

Heute ist das kaum vorstellbar: Statt Stau gähnende Leere auf der Autobahn. Doch damals, am 25. November 1973, sah es so aus auf deutschen Autobahnen. Menschen waren unterwegs auf Pferdewagen oder Fahrrädern, Kinder spielten auf der Autobahn. Den autofreien Sonntag hatte die Regierung beschlossen, um den stark gestiegenen Preisen für Treibstoff und Heizöl Herr zu werden.

Öl war knapp, an manch Tankstelle hing ein "Benzin ausverkauft“-Schild. Die arabischen Erdölexporteure hatten den westlichen Ländern den Ölhahn zugedreht - wegen deren israelfreundlicher Haltung im israelisch-arabischen Jom-Kippur-Krieg. Sie benutzten Öl als politische Waffe.

Als Antwort darauf gründeten 16 Industrieländern 1974 in Paris die Internationale Energieagentur. Eine Interessenvertretung der Öl-Importländer, die die Ölvorräte ihrer Mitgliedstaaten koordinierte. Und eine Art Gegenkartell zur Opec, das es mit den Ölförder-Ländern aufnahm.

Mit Hilfe der IEA sollten künftige Engpässe bei der Öl-Versorgung umgangen werden. Mittlerweile gehören der Agentur 29 Mitgliedstaaten an, darunter viele europäische Länder wie Deutschland, Großbritannien und Frankreiche, aber auch die USA, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland. Die IEA verfügt selbst über strategische Ölreserven, mit denen sie in den Ölmarkt eingreifen kann.

Sie versteht sich heute zudem als Energie-Think-Tank der Industriestaaten und als Kooperationsplattform im Bereich der Erforschung, Entwicklung, Markteinführung und Anwendung von Energietechnologien.

Die Agentur ist das wohl einflussreichste Energieberatungsgremium weltweit. Jährlich gibt sie neben dem "World Energy Outlook" auch einen Ölausblick heraus. Sie warnte im Frühjahr in ihrem neuen Öl-Bericht "Oil 2017" vor einem drohenden Angebotsengpass in den nächsten fünf Jahren.

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