Ölbohrturm in der Dämmerung

Preisverfall Das ständige Spiel mit dem Ölpreis

Stand: 05.05.2017, 12:01 Uhr

An der Börse ist das schwarze Gold mal wieder in aller Munde. Der jüngste Preisverfall zeigt, wie das Spiel mit dem Ölpreis funktioniert. Die Regeln dazu werden in Amerika gemacht.

Opec-Länder

Opec-Länder. | Bildquelle: Opec, Grafik: boerse.ARD.de

Das mag überraschen, denn das einstmals so mächtige Ölkartell Opec zusammen mit dem großen Förderer Russland haben sich zusammengerauft, um den Verfall der Ölpreise durch geringere Fördermengen zu stoppen. Dies, obwohl manche der in dieser fragilen Union zusammengeschlossenen Staaten sich von Herzen spinnefeind sind. Eines aber eint diese ungleiche Vereinigung: Die Staaten sind auf Gedeih und Verderb vom schwarzen Gold abhängig.

Der jüngste Preisverfall beim Öl dürfte daher beim Kartell die Alarmglocken klingeln lassen. Dieser setzt sich auch am Freitag weiter fort. Der Preis für die Nordseesorte Brent ist aktuell auf 48,63 Dollar je Fass gefallen, am Montag notierte sie noch über 52 Dollar.

Gleiches gilt für die US-Leichtölsorte WTI, deren Preis im Wochenverlauf von 49 auf unter 45 Dollar abgeschmiert ist. Aktuell erholt sich der Preis nur leicht. Grundübel aus Sicht der Produzenten ist weiterhin, dass trotz der freiwilligen Beschränkung nach wie vor ein Überangebot auf dem Weltölmarkt herrscht, der die Preise drückt.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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+2,42%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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50,50
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+2,08%

Der Schlüssel liegt in Amerika

Die Märkte reagieren zuletzt immer dann besonders, wenn aus Amerika neue Daten zur Entwicklung der Förderung und der Lagerbestände veröffentlicht werden. Denn die Amerikaner gehören keinem Kartell an, sind spätestens seit der Schieferölschwemme Selbstversorger und scheren sich wenig um die Befindlichkeiten anderer Produzenten.

In den USA gelten einfache Marktregeln. Steigt der Ölpreis am Weltmarkt, lohnt sich eine Förderung wieder und die Produktion wird hochgefahren - und umgekehrt.

Höhere Förderung

Auslöser der aktuellen Talfahrt der Ölpreise waren die jüngsten amerikanischen Förderdaten. Mit 9,3 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag wurde der elfte Anstieg in Folge ausgewiesen, gleichzeitig das höchste Niveau seit August 2015. Seit Beginn des Jahres wurde der Ausstoß deutlich um 520.000 Barrel pro Tag gesteigert. Dies als Folge der anziehenden Notierungen seit November, als der Brent-Preis von Niveaus unter 45 Dollar auf fast 57 Dollar im ersten Quartal angezogen hatte. Ein Niveau, das es für viele Förderer in Amerika wieder profitabel macht, den Ausstoß zu steigern oder sogar neue Bohrungen vorzunehmen.

Gleichzeitig sind die US-Lagerbestände gefallen, was dann prinzipiell wiederum den Ölpreisverfall bremsen könnte. Allerdings fiel der Rückgang mit nur 0,9 Millionen Barrel bei weitem nicht so stark aus wie von Experten erwartet. Diese hatten 3,3 Millionen erwartet, andere Schätzungen lagen sogar mit 4,2 Millionen Barrel noch höher. Ein fast schulbuchmäßiges Spiel von Angebot und Nachfrage also, bei dem sich auch die Opec disziplinieren muss. "Mittlerweile ist der Preisrückgang übertrieben, so dass wir mit einer Stabilisierung und einer Gegenbewegung rechnen", schreiben die Experten der Commerzbank zur aktuellen Entwicklung.

Übergeordnet wird auch entscheidend sein, wie sich die chinesische Volkswirtschaft weiter entwickelt. Noch ist die Datenlage aber nicht eindeutig, wie Analyst Fawad Razaqzada von Forex.com schreibt. Eine schwächere Nachfrage aus China könnte die Notierungen aber weiter drücken.

Was die Börse denkt

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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An der Börse werden fallende Ölpreise eher mit gemischten Gefühlen bewertet. Denn vor allem in Amerika gelten sie als Indikator für eine rückläufige Dynamik der Volkswirtschaft. Gerade die schwer gewichteten Ölaktien beginnen zu leiden und ziehen den gesamten Markt mit herunter, wie zuletzt gesehen.

Auch Inflationserwartungen werden gedämpft, wenn die Ölpreise fallen. Was lange an der Börse willkommen war, wird heute mit einem weinenden und lachenden Auge gesehen. Denn die Notenbank tut sich schwer damit, bei fallenden Ölpreisen ihr Inflationsziel von 2,0 Prozent zu erreichen und hält sich zurück. Niedrige Zinsen werden zwar am Aktienmarkt meist gerne gesehen, die geldpolitische Unsicherheit jedoch nicht. Wie man es auch dreht und wendet, das schwarze Gold ist eine entscheidende und volatile ökonomische, und damit auch politische Schlüsselgröße, das die Märkte stark beeinflusst.

rm

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Nettogewinn des niederländisch-britischen Konzerns mit 3,75 Milliarden Dollar mehr als doppelt so hoch wie noch ein Jahr zuvor. Im
ersten Quartal war ein Barrel (159 Liter) Öl 55 Prozent teurer als Anfang 2016 und kostete rund 54 Dollar.

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