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Indexschmuser

"Indexschmuser" im Verdacht

Zu nah am Index?

Stand: 17.03.2017, 16:40 Uhr

Dass viele aktiv gemanagte Fonds ihren Vergleichsindex nicht schlagen können, ist bekannt. Bei einigen der Fonds besteht aber der Verdacht, dass dies auch gar nicht versucht wird. Wer sich allzu eng am Index orientiert, aber dennoch für sein "aktives" Management Gebühren verlangt, gilt als "Indexschmuser".

Es ist kein Vergehen, einen Vergleichsindex als Messlatte auszuloben. Eine "Benchmark" hilft bei Fondsprodukten dem Management und auch den Anleger sogar bei der Orientierung. Konnte etwa der Dax oder der EuroStoxx in einem bestimmten Zeitraum übertrumpft werden? Ist es dem Management vielleicht in einer Crashphase an den Aktienmärkten gelungen, sinnvoll in defensive Titel umzuschichten und die Verluste im Vergleich zum Index zu minimieren?

Der Vergleich mit der Benchmark ist nicht zuletzt für die Fondsanbieter eine Möglichkeit, ihre aktiv gemanagten Produkte gegenüber den passiven Indexfonds (ETFs) zu profilieren. Letztere bilden stur Dax & Co. ab und folgen dem Index stets möglichst eng in alle Richtungen.

Fondsmanager im Rechtfertigungszwang

Verhält sich ein aktiver Fonds aber über einen längeren Zeitraum sehr ähnlich wie der Index selbst, gerät das Fondsmanagement in Rechtfertigungszwang: Warum für einen "aktiven" Fonds jährliche Management-Gebühren bezahlen, wenn dieser kaum von der Benchmark abweicht? Für dieses so genannte "Closet Indexing" hat sich bei Verbraucher- und Anlegerschützern in den vergangenen Jahren der Begriff "Indexschmuser" eingebürgert.

Die Kritik an den Fondsgesellschaften hat in den vergangenen Jahren sogar die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen. Die haben durchaus unterschiedliche Ergebnisse zu Tage gefördert. So sah die deutsche Börsenaufsicht BaFin im vergangenen Jahr nach einer eingehenden Überprüfung von Fondsprodukten auf ihre "Indexnähe" keinen größeren Handlungsbedarf. Die Behörde forderte aber die Anbieter auf, konkretere Angaben zu ihren Benchmarks und ihren Abweichungen von dieser Messlatte zu machen. Die Fondsgesellschaften sollten außerdem in jedem Verdachtsfall nachweisen, dass sie tatsächlich aktives Management betreiben.

Europäische Behörde kritischer

Eine Untersuchung der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA sah das - ebenfalls im vergangenen Jahr - etwas kritischer. Danach sind bis zu 15 Prozent aller aktiv gemanagten Fonds in Europa möglicherweise Indexschmuser. Für die Jahre 2012 bis 2014 untersuchte die Behörde eine Stichprobe von 2.600 Fondsportfolios. Allerdings schwieg sich die ESMA über die konkreten verdächtigen Fonds aus.

Active Share und Tracking Error

Die Frage, ab wann ein Fonds allzu eng am Index orientiert ist, ist auch unter Fachleuten umstritten. Zwei Kriterien dafür werden üblicherweise genutzt. Dies ist zum einen der "Active Share" - darunter ist der Anteil des Fondsvolumens gemeint, der nicht mit dem Index überein stimmt. Die Fondsrating-Agentur Morningstar sieht einen Active Share von 60 oder mehr Prozent als Beleg dafür an, dass der Fonds tatsächlich aktiv gemanagt wird. Dies gilt vor allem für Fonds, die europaweit oder weltweit investieren. Bei Fonds die sich explizit auf einen einzelnen Markt wie den deutschen beziehen, fällt dieser Active Share naturgemäß etwas geringer aus.

Ein zweites Kriterium ist der "Tracking Error", also die Abweichung der Fondspreisentwicklung von der der Benchmark. Hier werden Werte von unter vier Prozent allgemein als kritisch betrachtet.

"Check-deinen-Fonds" für Indexschmuser

Was die europäische Aufsichtsbehörde nicht getan hat, das hat nun die unabhängige europäische Verbraucherschutzorganisation "Better Finance" nachgeholt. Ende Februar wurde eine Fondsübersicht unter der Internet-Adresse "checkyourfund.eu" ins Netz gestellt. Sie orientiert sich an den Kriterien der ESMA. 165 europäische vermeintliche Indexschmuser sind dabei nach Ländern und anderen Kriterien sortiert auffindbar. Darunter auch neun Fonds mit dem Fonds-Domizil Deutschland und weitere Produkte deutscher Anbieter, die in Luxemburg aufgelegt wurden (s. unsere Chartserie). Die Fondsgebühren liegen in der Regel bei 1,5 Prozent jährlich. Ein entsprechender passiver Indexfonds kostet überlicherweise nur ein Zehntel dieser Verwaltungsgebühr.

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Übersicht: Indexschmuser

Chartserie

Santander North American Equity: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt FONDS für den Zeitraum 1 Jahr

Santander North American Equity

Der Fonds der spanischen Santander hat das Kunststück geschafft, mit einer minimalen "Active Share"-Quote von elf Prozent den Dow-Jones-Index als Benchmark ziemlich genau nachzubilden. Auch der Tracking Error von 1,4 Prozent zeigt, dass der Index im Fondsmanagement sehr eng verfolgt wird. Dafür werden aber Management-Gebühren von rund 1,5 Prozent fällig.

Ob die höhere Transparenz nun zu mehr "Aktivität" auf Seiten der Fondsanbieter führt, bleibt abzuwarten. Anleger wissen nun zumindest, wie sehr "ihr" Fonds an seiner jeweiligen Benchmark hängt.

AB

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Übersicht: Indexschmuser

Chartserie

Santander North American Equity: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt FONDS für den Zeitraum 1 Jahr

Santander North American Equity

Der Fonds der spanischen Santander hat das Kunststück geschafft, mit einer minimalen "Active Share"-Quote von elf Prozent den Dow-Jones-Index als Benchmark ziemlich genau nachzubilden. Auch der Tracking Error von 1,4 Prozent zeigt, dass der Index im Fondsmanagement sehr eng verfolgt wird. Dafür werden aber Management-Gebühren von rund 1,5 Prozent fällig.

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