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Fonds

Harald Sporleder, Portfoliomanager, Allianz Global Investors

Interview

"Risikomanagement spielt eine entscheidende Rolle"

Stand: 26.02.2016, 16:22 Uhr

Als stabilisierenden Teil für ein breit aufgestelltes Depot sieht Harald Sporleder Fonds aus dem Bereich Liquid Alternatives. Ihre Stärke sieht der Portfolio-Manager bei Allianz Global Investors in der geringen Abhängigkeit vom Gesamtmarkt.

boerse.ARD.de: Herr Sporleder, der Begriff "Liquid Alternatives" gewinnt derzeit auch unter Privatanlegern an Bekanntheit. Was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Etikett?

Harald Sporleder: Liquid Alternatives ist eigentlich nur der Oberbegriff für Ansätze im Fondsmanagement, die prinzipiell eine marktneutrale Rendite erzielen sollen und bei denen Positionen jederzeit auf- und wieder abgebaut werden können. Die begriffliche Abgrenzung zu Absolute-Return- oder Hedgefonds-Strategien ist dabei eher unscharf.

boerse.ARD.de: Wie würden Sie Ihren Fonds, den Allianz Discovery Europe Strategy, einordnen?

Sporleder: Bei unserem Fonds verfolgen wir einen marktneutralen Ansatz auf Basis eines Investmentansatzes, der aus dem Hegdefonds-Bereich kommt. Übrigens sind wir bereits seit fast acht Jahren mit der Strategie aktiv. Man muss hier immer ein bisschen darauf achten, nicht in eine Mode-Ecke gedrängt zu werden, denn AllianzGI ist managt mit großem Erfolg und nicht erst seit kurzem eine Reihe Liquid Alternatives-Strategien wie beispielsweise im Bereich Merger Arbitrage und im Bereich strukturierter Ansätze (Structured Alpha).

boerse.ARD.de: Ihr Fonds war zuletzt so erfolgreich, dass die verwalteten Mittel inzwischen bei mehr als einer Milliarde Euro liegen – und Sie den Fonds für neue Investoren geschlossen haben. Warum?

Sporleder: Wir hatten bereits beim Start des Produkts erklärt, dass der Fonds ab einer gewissen Größe für Neuanlagen geschlossen werden würde. Unsere Strategie, bei der wir im europäischen Aktienmarkt Long- und Short-Positionen eingehen, also auf steigende, aber auch auf fallende Kurse setzen, lässt sich ab einer gewissen Größe schwieriger umsetzen.

boerse.ARD.de: Das bedeutet, Sie beeinflussen durch Ihre Transaktionen den Markt selbst?

Sporleder: Im derzeitigen Marktumfeld finden wir ohnehin zurzeit eine eher geringe Liquidität im Markt vor. Damit wird ein schneller Ein- oder Ausstieg aus einem Titel tendenziell erschwert. Einen gewissen "market impact" spüren wir schon jetzt bei einigen Titeln.

boerse.ARD.de: Nach welchen Kriterien steigen Sie bei einzelnen Werten ein, beziehungsweise gehen "short" in Aktien?

Sporleder: Wir sind mit einem fundamentalen Ansatz bei unserem Fonds angetreten. Dabei nutzen wir sehr stark das Research aus unserem Hause, um zu entscheiden, ob wir eine Aktie als chancenreich oder etwa überbewertet einstufen können. Damit stehen wir im Gegensatz zu vielen Ansätzen, die eher quantitativ ausgerichtet sind. Zudem nutzen wir markttechnischen Signale, um einen konkreten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu bestimmen.

boerse.ARD.de: Welche Rolle spielt das Risikomanagement bei Ihrem Fonds?

Sporleder: Eine ganz entscheidende. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Aktienfonds, werden bei uns permanent die Risiken aller Positionen überwacht. Verluste werden in einzelnen Positionen immer wieder "abgeschnitten". Ein spezialisiertes Team wertet dazu eine Fülle von Daten nach acht verschiedenen Parametern aus. Wir als Fondsmanager lassen uns dabei eine strenge Disziplin verordnen.

boerse.ARD.de: Wie sehen Ihre eigenen Vorgaben im Bezug auf dieses Risiko, aber auch die Performance im Fonds aus?

Sporleder: Wir haben uns eine Volatilität im Bereich von maximal fünf bis neun Prozent zum Ziel gesetzt. In den vergangenen Jahren haben wir es sogar geschafft, unter der Marke von fünf Prozent zu bleiben. Was die Performance betrifft: Wir wollen mindestens fünf Prozent jährlich in einem Dreijahres-Zeitraum erreichen. Es kann also durchaus einmal einzelne Jahre mit niedrigerer oder höherer Wertentwicklung geben.

boerse.ARD.de: Wird an ihren "marktneutralen" Fonds nicht dennoch oft der Gesamtmarkt als Messlatte angelegt?

Sporleder: Es ist eigentlich umgekehrt. Institutionelle Kunden wie Pensionskassen oder Family Offices möchten gerade eine möglichst niedrige Korrelation mit dem Gesamtmarkt bei Fonds wie unserem haben. Genauso sehen wir unser Produkt auch: Es soll in einem breit diversifizierten Gesamt-Portfolio die Wert-Schwankungen verringern.

boerse.ARD.de: Das heißt, Liquid Alternatives sind in erster Linie als Beimischung in einem Depot sinnvoll?

Sporleder: Aus unserer Sicht ja. Wir empfehlen, zwischen fünf und zehn Prozent eines solchen Portfolios mit Fonds zu bestücken, die weitgehend vom Markt unkorrelierte Rendite erzielen können.

Das Gespräch führte Andreas Braun.

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