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Bonitäten und Kennziffern

Raus aus der Rentenfonds-Falle

Wer dem Dilemma am Markt für Staatspapiere entgehen will, muss wohl oder übel über den Tellerrand hinausschauen. Chancen liegen etwa außerhalb des Euro-Raums – und auch bei Anleihen mit schlechteren Bonitäten.

Eine Möglichkeit, mit Anleihe-Fonds höhere Renditen zu erzielen, bieten Produkte, die stärker auf Unternehmensanleihen setzen (s. dazu unsere Übersicht: Die erfolgreichsten Fonds für Unternehmensanleihen). Wer aber lieber bei den öffentlichen Anleihen-Emittenten bleiben will, der sollte Fonds außerhalb des gewohnten Anlagefokus in Betracht ziehen. Dazu gehören etwa Produkte, die sich regional vom gewohnten Terrain verabschieden. Renten-Fonds mit den Schwerpunkten Asien oder Lateinamerika gehören etwa dazu. Auch die Anleihen osteuropäischer Emittenten heben sich in puncto Rendite zum Teil wohltuend von der der Staatsanleihen der europäischen Kernländer ab.

In vielen Fällen wird das Extra an Performance aber durch ein Minus an Bonität bezahlt, zu deutsch: Das Ausfallrisiko des Emittenten wird von den Rating-Agenturen wie Moody's oder Standard & Poor's höher eingeschätzt als bei den "erstklassigen" Papieren.

"Viele Freiheiten" bevorzugt

Fonds-Experten wie Stefan Hölscher von der Fondsberatung Stubenrauch & Hölscher empfehlen, sich weniger auf eine Anlageregion als auf ein Anlagekonzept auf Seiten des Fondsmanagements festzulegen. "Ich bevorzuge Fondsmanager, die sehr viele Freiheiten haben", so Hölscher im Gespräch mit boerse.ARD.de. Damit ist die Möglichkeit gemeint, global in jeweils rentierliche Anleihemärkte investieren zu können. Aber auch die Beimischung von Aktien oder die Möglichkeit "Kasse" zu machen, gehört zu diesen Freiheiten.

Bei der Auswahl der geeigneten Fonds sollte der Anleger allerdings ein paar Kennzahlen vorlegen, die der Entscheidung vorausgehen. Ein erfolgreiches Bestehen des Fonds über mehrere Jahre ist eine dieser Voraussetzungen. Ein solcher "track record" zeigt, dass das Management unter verschiedenen Bedingungen am Anleihemarkt sinnvoll agieren konnte (s. dazu auch unsere Chartserie: Rentenfonds abseits der Euro-Krise).

Parameter geben Hinweise

Risikoparameter wie der maximale Verlust (Drawdown) und die Volatilität zeigen darüber hinaus, mit welchen Schwankungen und zwischenzeitlichen Wertverlusten der Anleger auch in der Zukunft mindestens zu rechnen haben wird. Ein maximaler Verlust von nicht mehr als zehn Prozent auf Sicht von mehreren Jahren und eine Schwankungsbreite, die ebenfalls nicht allzu sehr über zehn Prozent kommt, sind hierbei eine Messlatte.

Die Schwankungsbreite ins Verhältnis zur Wertentwicklung setzt die Sharpe Ratio. Sie gibt an, wie hoch die Rendite pro "Risikoeinheit" ist, die ein Fonds abwirft. Ist der Wert über null, erzielt das Produkt eine "Überschussrendite", entwickelt sich also im angegebenen Zeitraum besser als eine risikolose Rendite, wie sie etwa am Geldmarkt zu erzielen ist. Werte über "1" signalisieren, dass die erzielte Rendite mit einem angemessenen Risiko erreicht wurde. Je weiter die Sharpe Ratio also diesen Wert überschreitet, desto "sinnvoller" ist ein Investment in den jeweiligen Fonds.

Wird der Euro-Boden heiß?

Viele Euro-Staatsanleihenfonds weisen nach den genannten Kriterien allerdings gute Werte für die vergangenen Jahre aus. Investoren kommen also nicht darum herum, sich abseits der mathematischen Kennziffern noch mit der Frage zu beschäftigen, ob man derzeit nicht aus fundamentalen Gründen lieber einen Bogen um Europa-Bonds machen sollte.

Stand: 30.12.2012, 09:30 Uhr

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