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Fonds

Robert Geiss

Bekanntheit macht keine Rendite

Promi-Fonds mit Schlagseite

Stand: 12.01.2017, 15:42 Uhr

Bei der Vermarktung von Investmentfonds sind bekannte Gesichter aus Presse, Funk und Fernsehen stets hilfreich. Ein Blick auf die Wertentwicklung "prominent" beworbener oder gemanagter Fondsprodukte lässt allerdings Fragen und Wünsche offen.

Im April 2015 war es soweit: "Mr. Dax" alias Dirk Müller schaffte einen weiteren Mutationssprung: Der gelernte Börsenhändler, der seine öffentliche Bekanntheit vor allem seinem frühreren Arbeitsplatz unter der Dax-Tafel auf dem Frankfurter Parkett zu verdanken hatte, wurde vom Händler zum Buchautor, zum Welterklärer - und nun zum Fondsmanager.

Buffett als Müller-Vorbild

Das unter dem Namen "Dirk Müller Premium Aktien Fonds" gestartete Produkt (WKN A111ZF) sollte und soll vor allem für Privatanleger konzipiert sein. Müller folgt nach eigenen Vorgaben der Tradition der Value-Investoren Benjamin Graham oder Warren Buffett bei der Auswahl der Aktien für seinen Fonds.

Bei der Umsetzung des Plans hapert es aber scheinbar. Der Fonds notiert derzeit bei rund 90 Euro, also fast zehn Prozent unter dem Startkurs. Der Dax hat immerhin sein Niveau gehalten, die Benchmark des Fonds aber, der Weltaktienindex MSCI World, hat sogar knapp zehn Prozent an Wert gewonnen. Trotz der bescheidenen Performance verwaltet Müller nach wie vor rund 75 Millionen Euro an Anlegergeldern. Das Vertrauen in den Bestseller-Autor scheint ungebrochen.

Crash-Prophet unter ferner liefen

Auch Max Otte, Wirtschaftsprofessor und Crashprophet ("Der Crash kommt", aus dem Jahr 2006) wurde schlagartig über die Hochschule Worms hinaus bekannt, wo er BWL lehrte. Vom gern gesehenen Interviewgast in Wirtschaftssendungen wurde auch Otte zum Fondsinitiator. Bereits 2008 wurde der PI Global Value Fund (WKN A0NE9G) aufgelegt, der nach seinen Grundsätzen investieren sollte. 2013 folgte der Max Otte Vermögensbildungsfonds AMI (WKN A1J3AM), der sich vor allem an deutsche Privatanleger wendet. In der Spitze verwalteten die beiden "Otte-Fonds" laut einem "Spiegel"-Bericht bis zu 300 Millionen Euro. Der PI Global Value wurde von der Fondsratingagentur Morningstar von 98 Prozent aller Fonds einer Vergleichsgruppe in den Jahren 2014 bis 2016 geschlagen.

Scheitern als Fondsmanager

Dass zu einem Fondsmanager mehr gehört als ein erfolgreiches Buch zu schreiben, die Erfahrung hat auch der ehemalige Börsen-TV-Moderator Stefan Riße machen müssen. Getreu seiner Buch-These ("Die Inflation kommt!") aus dem Jahr 2010 startete der Kostolany-Kenner seinen "Riße Inflation Opportunities" (WKN: A1JUWR) und sammelte ab 2012 schnell einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ein. Der Fonds war so erfolglos, dass er vier Jahre später von der Fondsgesellschaft Universal Investment abgewickelt wurde. Der Wert der Anteile war zwischenzeitlich um rund 50 Prozent seit dem Start gefallen. Riße räumte sein Scheitern als Fondsmanager ein - und kommentiert nun wieder aus der Ferne die Finanzmärkte.

Ackerland und Diamanten

Der Weg vom Bestseller-Autor zum Fondsmanager scheint dennoch bereitet: Anfang des noch jungen Jahres 2017 schafften die beiden Honorar-Berater und Buchautoren (Marc Friedrich und Matthias Weik) vom schäbischen Lörrach aus den Sprung zum Fonds-Macher. Ihr "Friedrich & Weik Wertefonds" (WKN A2AQ95)  soll getreu ihren Buchthesen ("Der Crash ist die Lösung") vor allem in Sachwerte investieren. Dazu gehören zum Start physisches Gold und Minenaktien, Diamanten und Ackerland als Asset-Klassen sollen in Zukunft ins Portfolio kommen. Der Fonds hat bereits rund 3,3 Millionen Euro an Anlegergeldern angeworben.

Prozente mit Proll?

Einzig bei dem als "Geissen"-Fonds vermarketen "Patriarch Classic Dividende 4 Plus A" Dividendenfonds (WKN HAFX6R) wurde nicht die Bekanntheit von Buchautoren, sondern die von Robert Geiss, Selfmade-Millionär und TV-Proll-Promi genutzt. Der des Schreibens weniger verdächtige Geiss machte in aufwendigen "Bild"-Werbeanzeigen Anfang 2015 mobil für den Fonds der Gesellschaft Hauck & Aufhäuser. Der Erfolg war auch hier in doppelter Hinsicht durchschlagend: Millionen von Anlegergeldern flossen in das Produkt, und ebenso fiel der Fonds im Vergleich zu erfolgreichen Dividenden-Produkten eher durch: Der "Patriarch" hat seit seinem Auftauchen vor ziemlich genau drei Jahren ziemlich genau null Prozent Rendite gemacht. "Robääärt!!!"

AB

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