Fonds

Schild für Notausgang

Milliarden-Abflüsse Privatanleger flüchten aus Aktienfonds

von Notker Blechner

Stand: 27.01.2017, 16:51 Uhr

China-Crash, Brexit und Trump haben offenbar viele Privatanleger verunsichert. Europaweit zogen sie im vergangenen Jahr so viel Geld aus Aktienfonds ab wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Selbst Mischfonds büßten etwas an Attraktivität ein. Unterdessen sind ausländische Investoren auf dem Vormarsch.

Ist die deutsche Aktienkultur wieder im Keller? Es sieht ganz danach aus. Die noch nicht veröffentlichten Fonds-Statistiken der Fonds-Ratingagentur Morningstar deuten auf massive Abflüsse aus Aktienfonds hin - zumindest auf europäischer Ebene.

"Höchstes Minus seit der Finanzkrise"

Laut Morningstar wurden im vergangenen Jahr 76 Milliarden Euro aus Aktienfonds (ohne ETFs) abgezogen. "Das sind die höchsten Abflüsse seit der Finanzkrise 2008", bedauert Morningstar-Analyst Ali Masarwah.

Ein Jahr zuvor hatte es noch ganz anders ausgesehen. Damals investierten europäische Privatanleger 74 Milliarden Euro netto in Aktienfonds. Auch in Deutschland waren Aktienfonds heiß begehrt. Schon sprachen Beobachter und Lobbyisten von einer Renaissance der Aktie.

Doch die Turbulenzen um China, den Brexit und den Trump-Sieg in den USA haben den Anlegern wieder die Lust auf Aktien vergällt. Die hohen Schwankungen an den Märkten zehrten an ihren Nerven. "2016 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in der die Anleger nervös wurden", sagte Diana Mackay, Gründerin der britischen Analysefirma Mackay Williams, gegenüber dem "Handelsblatt".

ETF-Boom verliert etwas an Dynamik

Selbst der anhaltende ETF-Boom schwächte sich etwas ab. "Die Zuflüsse in ETFs waren geringer als 2015", erklärte Morningstar-Analyst Masarwah gegenüber boerse.ARD.de.

Und auch Mischfonds wurden nicht mehr als sichere Alternative gesehen. Mit 71 Milliarden Euro investierten die europäischen Anleger zwei Drittel weniger Geld in diese Anlageklasse. Sollten die Anleihenkurse weiter fallen, wird es zunehmend schwerer für die Mischfonds-Manager, eine gute Performance zu erzielen.

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Nicht ganz so dramatisch sind die Statistiken des deutschen Fondsverbands BVI für die ersten elf Monate 2016. Von Januar bis Ende November zogen Anleger 1,8 Milliarden Euro aus Aktienfonds ab. Selbst Dax-ETFs von iShares und DB X-Trackers erlitten Abflüsse. Nur Mischfonds und Offene Immobilienfonds verzeichneten Zuflüsse. Die Jahres-Statistik wird vom BVI im Februar bekannt gegeben.

MDax und SDax fest in ausländischer Hand

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.623,83
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Während die Zahl der indirekten (deutschen) Aktienbesitzer also schon wieder zurückzugehen scheint, setzen ausländische Anleger unverdrossen auf deutsche Standard- und Nebenwerte. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft Cometis und des Datenanbieters Ipreo beträgt der Anteil ausländischer Investoren am Streubesitz der MDax-Firmen inzwischen stolze 81 Prozent. Der Anteil deutscher Großinvestoren liegt bei 19 Prozent. Angelsächsische Investoren aus USA, Großbritannien und Irland dominieren.

Größter Nebenwerteinvestor ist laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" der norwegische Staatsfonds mit knapp fünf Milliarden Euro. Die größten Zukäufe hat 2016 der amerikanisch-britische Finanzinvestor MFS getätigt – mit gut 800 Millionen Euro. Die zur Deutschen Bank gehörende Deutsche Asset Management legte 600 Millionen Euro neu in deutschen Nebenwerten an.

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