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ETFs, die Erfolgsgeschichte

Passiv investieren bleibt Trumpf

von Andreas Braun

Zunächst unterschätzt, von Fondsgesellschaften mit Argwohn betrachtet und dennoch nicht zu stoppen: Die börsengehandelten Indexfonds (ETFs) sind zum wohl größten Produkterfolg der Finanzindustrie geworden. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

Die Abwanderung von aktiv gemanagten Aktienfonds zur "passiven" Konkurrenz der ETFs scheint in vollem Gange. Mit großer Genugtuung dürfte die US-Fondsgesellschaft Blackrock Anfang des Jahres eine Statistik veröffentlicht haben, die Sprengstoff enthält: Bis Ende November 2012 wurden im vergangenen Jahr weltweit 157 Milliarden Dollar aus den herkömmlichen Aktienfonds abgezogen.

Im gleichen Zeitraum stieg das in den "Exchange Traded Funds" angelegte Vermögen um 129 Milliarden Dollar, wohlgemerkt allein in Aktien-Produkten. Blackrock selbst kann als einer der größten Profiteure der Entwicklung der vergangenen Jahre gelten, hat der Konzern doch 2009 die ETF-Sparte der britischen Barclays Bank übernommen und ist seitdem größter Anbieter der ETF-Branche.

Bunter Strauß aus Produkten
Und die wächst weiterhin in allen Segmenten. Per Januar 2013 umfasst das Fonds-Segment erstmals mehr als zwei Billionen Dollar (s. unsere Grafik). Selbst die Finanzkrise nach der Lehman-Pleite 2007 konnte die ETF-Offensive nur kurz abbremsen.

Nicht nur Aktien-ETFs sind stark gefragt, sondern auch passive Rentenfonds-Konstruktionen erfreuen sich hoher Beliebtheit. Dazu kommt inzwischen ein bunter Strauß aus Produkten, die in bestimmte Branchen, Regionen oder auch andere Asset-Klassen wie Rohstoffen investieren (s. dazu unseren Hintergrund: Die ETF-Familie wächst).

Begonnen hat der Siegeszug der neuen Fondsgattung, die einfach nur den jeweiligen Index nachbildet, bereits vor 20 Jahren. Ein Indexfonds, der auf den US-Aktienindex S&P 500 zielte, erblickte 1993 das Licht der Börsenwelt. Erfinder war eine Tochtergesellschaft der US-Bank State Street, die SPDR, nach der der Fonds auch noch heute benannt ist. Der SPDR S&P 500 ist mit der Wertpapier-Kennnummer 898706 auch in Deutschland erhältlich. Mit einem Volumen 6,5 Millionen Dollar gestartet ist der Fonds inzwischen rund 123 Milliarden Dollar schwer und damit der weltweit gewichtigste ETF.

Jahrtausend-Knaller von Merrill Lynch

Im Jahr 2000 wurden die börsengehandelten Indexfonds auch in Europa salonfähig. Am 11. April startete die Investmentbank Merrill Lynch kritisch beäugt von der Fondsindustrie mit zwei Produkten auf die europäischen Aktienindizes Stoxx 50 und EuroStoxx 50.

Das Erfolgsrezept der ETFs ist immer noch das gleiche wie vor 20 Jahren. Die passiven Fonds sind dank ihrer schlichten Struktur und dem Verzicht auf ein aktives Management deutlich kostengünstiger. Während ein aktiver Deutschland-Aktienfonds im Schnitt auf eine Gesamtkostenquote von etwa 1,5 Prozent jährlich kommt, liegt die Kostenbelastung bei einem ETF auf den Dax nur bei einem Zehntel. Ausgabeaufschläge sind bei den Fonds ebenfalls ein Fremdwort. Dass man mit einem aktiven Aktienfonds eine höhere Wertentwicklung erreicht wie mit dem passiven Pendant, das versucht die Mehrheit der Fondsmanager Jahr für Jahr – vergeblich – zu belegen.

Bankberater weiter kleinlaut

Die niedrigen Kosten sind auch für institutionelle Anleger wie Pensionskassen oder Versicherungen ein Grund, mehr und mehr Richtung ETFs umzuschwenken. Für Privatanleger sind die Produkte zwar wohl genauso oft die richtige Wahl – offensiv vermarktet werden sie aber noch immer nicht.

Das bedingt einerseits die Natur der Fonds selbst. Sie werden eben in erster Linie direkt über die Börse gehandelt und nicht über die Fondsgesellschaften. Für Bankberater sieht es damit auch in Sachen Provisionen schlecht aus, Kickbacks, also Rückvergütungen an die Vermittler gibt es bei ETFs nicht, entsprechend zögerlich fallen die Empfehlungen für die Produkte am Bankschalter aus.

Stand: 22.02.2013, 15:40 Uhr