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Fonds

Niedrigzinsen sorgen für "Zeitenwende"

Nagelprobe für Mischfonds

Stand: 03.12.2015, 10:10 Uhr

Sie sind Anlegers Liebling: Fonds, die zugleich in Aktien und Anleihen investieren, fanden zuletzt reißenden Absatz. Doch die guten Wertentwicklungen der vergangenen Jahre kann man in der Zukunft nicht erwarten, resümiert eine aktuelle Studie.

Laut Statistik des Fondsverbandes BVI feiert die Fondskategorie der Mischfonds derzeit eine kleine Wiederauferstehung. Zwar gibt es Mischfonds bereits seit Jahrzehnten - den Anfang machte der "Fondra" (Fonds für Aktien und Renten), der von der Gesellschaft Adig (heute Allianz Global Investors) bereits 1950 aufgelegt wurde. Doch in den folgenden Jahrzehnten führten die Produkte eher ein Mauerblümchen-Dasein. Im Rampenlicht standen einerseits die "reinen" Aktienfonds, andererseits aber sammelten auch reine Rentenfonds Milliarden an Anlegergeldern ein.

Milliarden an Zuflüssen

Per Ende 2015 haben die Mischfonds im laufenden Jahr 29,4 Milliarden Euro an Netto-Zuflüssen verzeichnet, das ist auch gegenüber dem schon guten Vorjahreszeitraum noch einmal ein Plus von zwölf Milliarden Euro. Noch vor drei Jahren stagnierten die in Mischfonds gesteckten Vermögen. Inzwischen kommen die Produkte auf ein Gesamtvolumen von rund 202 Milliarden Euro im deutschen Publikumsfonds-Markt. Damit stecken mehr Mittel in den Mischfonds als in klassischen Rentenfonds. Knapp 200 Produkte gibt es inzwischen für Anleger hierzulande zu kaufen.

Eckhard Sauren

Eckhard Sauren. | Bildquelle: Unternehmen

Dass die Zuwächse an verwaltetem Vermögen bei den Mischfonds ein Hinweis darauf sind, dass hier auch in Zukunft für Anleger hohe Wertzuwächse locken, das verneint Dachfonds-Manager Eckhard Sauren eindeutig. Er sieht die Enwicklung am Fondsmarkt eher mit Skepsis. In einer neuen Studie seines Fondshauses legt er den Finger in die Wunde: Klassische Mischfonds, so seine These, hätten in den vergangenen Jahren vor allem von Umständen profitiert, die in der Zukunft kaum mehr gegeben seien.

Rentierliche Anleihenzeiten vorbei

Dazu gehörten vor allem die attraktiven Renditechancen im Anleihemarkt. Die Rentenpapiere hätten in den vergangenen Jahren vor allem von einem höheren Zinsniveau profitiert. Nachdem dann eine Zinsspirale auf fast null losgetreten wurde, konnten die Anleihen vor allem wegen steigender Anleihen-Kurse Wertsteigerungen in den Mischfonds erreichen.

Damit allerdings sei es nun vorbei. In einem beispielhaften Mischfonds, so die Studie, würde eine Anleihenquote von zwei Drittel und eine Aktienquote von einem Drittel nach Abzug der Kosten - und eine durchschnittliche Aktienmarktentwicklung unterstellt - nur noch auf eine erwartete Jahresrendite von 1,88 Prozent zusteuern; nach Kosten, aber vor Steuern.

Wechselwirkung mit Aktienmarkt fraglich

Auch ein weiteres Argument vieler Mischfonds-Anbieter sticht laut der Studie nicht mehr: In der Vergangenheit verbuchten Anleihen oft dann Wertsteigerungen, wenn der Aktienmarkt Rückschläge hinnehmen musste. Das galt oft auch umgekehrt in schwachen Phasen für Renten, wenn haussierende Aktienmärkte für eine positive Gesamtperformance im Fonds-Portfolio sorgten. Sauren weist darauf hin, dass diese Wechselwirkung durchaus auch nicht funktionieren kann. Historisch etwa gab es in den Jahren 1989 bis 2000 eher einen Gleichklang bei den Anlageklassen.

Sauren sieht durch die Renditedürre bei Anleihen und die gleichzeitig stets unsichere Lage am Akienmarkt eine "Zeitenwende" für die Mischfonds-Manager und -Emittenten hereinbrechen. Aus Sicht des Dachfonds-Spezialisten Sauren bieten "Absolute Return"-Strategien in "modernen Multi-Asset-Fonds" eine Möglichkeit, sich auf die neue Lage einzustellen. Hierbei können auch alternative Investments eingesetzt werden, um Rendite zu erwirtschaften. Über den Einsatz von Derivaten kann auch an fallenden Aktienmärkten profitiert werden.

Flexible Manager mit flexiblen Konzepten gefragt

Sauren legt bei der Auswahl der geeigneten Fonds für seine Dachfonds traditionell besonders viel Wert auf das Management selbst. Nur wer nachweislich flexibel auch die aktuellen Herausforderungen am Markt reagiert, schafft es in einen der Dachfonds. Starre Fondskonzepte mit einer starren Anlagepolitik sind aus seiner Sicht nicht mehr zeitgemäß.

AB

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