Eine Frau legt verschiedene Euroscheine aufeinander

Altersvorsorge Fondssparpläne voll im Trend

Stand: 29.08.2017, 14:54 Uhr

Durch das niedrige Zinsumfeld wagen sich immer mehr Privatanleger an die Finanzmärkte. Sehr zur Freude der Fondsgesellschaften.

Privatanleger scheinen die niedrigen Zinsen auf Spareinlagen nicht mehr zu akzeptieren und denken daher zunehmend in Richtung Fondssparpläne um. Bei diesen Produkten legt der Sparer regelmäßig Geldbeträge in einen Fonds an. Die Fonds investieren das eingesammelte Geld dann beispielsweise in Aktien verschiedener Unternehmen und streuen so das Risiko, genannt Diversifikation.

Fondsgesellschaften profitieren vom Trend

Die Fondsgesellschaft Union Investment konnte für die vergangenen zwölf Monate einen Anstieg der Fondssparverträge um satte 34,2 Prozent auf über 1,7 Millionen Stück vermelden. Die monatlichen Geldbeiträge lagen im Schnitt bei 168 Euro je Anleger. Im Jahr zuvor waren es bei der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken noch 137 Euro im Monat. Besonders gefragt sind Fondsanteile an Aktien-, Misch- und Immobilienfonds.

Das steigende Interesse an Fondssparplänen ist auch bei der Deka zu sehen. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt rund 300.000 Deka-Fondssparpläne abgeschlossen, so viele wie im Gesamtjahr 2016. Dadurch wurden pro Filialtag durchschnittlich rund 2.300 neue Sparpläne abgeschlossen und der Gesamtbestand auf 3,8 Millionen Verträge erhöht. "Es ist besonders erfreulich, dass die Bemühungen von Sparkassen und Deka zum Ausbau des Wertpapiersparens fruchten", sagte Deka-Vorstandschef Michael Rüdiger.

Der große Vorteil des Sparplans liegt im Einkauf: Durch die Stückelung in kleinere Beiträge ist die Abhängigkeit von einem Einstiegszeitpunkt und -kurs nicht mehr so hoch. So ergibt sich über einen längeren Zeitraum ein Durchschnittspreis. Der Sparer kauft durch einen gleichbleibenden Anlagebetrag bei niedrigen Kursen automatisch mehr und bei hohen Kursen entsprechend weniger Fondsanteile. Dieser Vorgang wird als Cost-Average-Effekt bezeichnet. Ein weiterer Vorteil liegt in der Flexibilität dieser Sparprodukte. Höhe und Häufigkeit der Beiträge können je nach Budget individuell gewählt werden. Auch kommt der Anleger bei einem plötzlichen Kapitalbedarf an sein Geld. Eine festgelegte Laufzeit gibt es nicht und Beiträge können pausiert werden. Kein Wunder also, dass im aktuellen Umfeld die Beliebtheit der Produkte steigt.

Zinswende wird früher oder später kommen

DWS-Kampagne: Die böse Null

Die böse Null. | Bildquelle: dws.de

Auch wenn die Zinswende wohl erst 2019 kommt, sollten sich Anleger und Sparer darauf vorbereiten. Höhere Zinsen wirken tendenziell negativ auf die Aktienmärkte, besonders wenn sie drastisch umgesetzt werden. Es erhöhen sich die Kosten für die Kreditaufnahme der Unternehmen und der Konsumenten. Sowohl höhere Kapitalkosten als auch geringere Konsumnachfragen reduzieren die Konzerngewinne. Damit kühlt die Investitionstätigkeit ab, und die Unternehmen verlieren an Spielraum, die Preise zu erhöhen. Sinkende Aktienkurse würden sich entsprechend in den Fondsportfolios niederschlagen. Der Sparer muss also davon ausgehen, dass der Wert seiner Fondsanteile - anders als beim Sparbuch - nicht nur steigen, sondern auch sinken kann.

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, könnte in Zukunft also die Aktienlust der Deutschen bremsen. Aktuell ist davon aber noch nichts zu sehen: Der Branchenverband BVI, der die Interessen der deutschen Fondsbranche vertritt, veröffentlichte Anfang des Monats Zahlen zu den Nettozuflüssen. So sind der Fondsbranche im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 79,1 Milliarden Euro zugeflossen - das zweitbeste Neugeschäft der Geschichte. Inwieweit Fondssparpläne zu diesem Wert beigetragen haben, ließ sich auch auf Nachfrage nicht feststellen. Zahlen speziell zu der Entwicklung der Fondssparpläne liegen dem Branchenverband nicht vor, er schätzt die Zahl der Fondssparer in Deutschland jedoch steigend auf über zehn Millionen. Damit sollte klar sein, dass ein Umdenken der Gesellschaft stattgefunden hat und sich die Sparer nun zunehmend dem Kapitalmarkt öffnen.

kp

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