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Fondskennziffern
Risiken besser abschätzen
Viele Anleger schauen vor dem Fondskauf vor allem auf die Wertentwicklung in der jüngeren Vergangenheit. Aber welche Risiken kaufen sie damit ein? Das bleibt ihnen oft verborgen. Einige Fonds-Kennziffern erleichtern die Wahl.
Das Fondsuniversum ist schwer zu überschauen. Unter den vielen tausend Produkten der zahlreichen Gesellschaften mit ganz unterschiedlicher Anlagepolitik den individuell richtigen Fonds herauszupicken, erscheint beinahe unmöglich. Umso mehr als naturgemäß nur Daten aus der Vergangenheit zur Beurteilung eines Fonds herangezogen werden können. Was in der Zukunft geschieht, steht in den Sternen.
Anleger unterstellen oft unbewusst, dass in der Vergangenheit erzielte Erfolge sich auch in die Zukunft übertragen lassen: Warum sollte sich Bewährtes nicht genauso fortsetzen können?
In die Zukunft blicken können zwar auch Fondsexperten nicht, die in den vergangenen Jahren eine ganze Palette von Kennziffern erarbeitet haben. Immerhin kann man mit ihrer Hilfe aber aus der Vergangenheit lernen und jeden einzelnen Fonds in seiner Ausrichtung und seinem Erfolg genauer unter die Lupe nehmen.
Schwankung bedeutet Risiko
Als Maß für das Risiko, das in einem Fonds enthalten ist, wird zumeist die Schwankungsbreite, Volatilität, betrachtet. Sie gibt an, wie stark der Fondspreis sich in einem bestimmten Zeitraum um seinen langfristigen Mittelwert bewegt. Je höher diese Schwankung ausfällt, umso größer wird das Risiko eingestuft.
Beim Blick auf die Volatilität sollte der Anleger allerdings nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: Aktienfonds haben naturgemäß eine höhere Schwankungsbreite als Mischfonds oder gar reine Rentenfonds. Der Aktienmarkt schwankt üblicherweise stärker als ein Rentenfonds.
Innerhalb der Gattung Aktienfonds schwanken zudem Produkte mit regionalem oder Branchenschwerpunkt stärker als weltweit breit investierende Fonds. Nach Berechnungen der Fonds-Ratingagentur Morningstar weisen Aktienfonds mit globaler Ausrichtung auf Mehrjahressicht eine durchschnittliche Volatilität von 18 Prozent auf. Kommt ein Fonds mit einem geringeren Wert aus, gilt er als weniger riskant.
Über die tatsächliche Wertentwicklung eines Fonds sagt die Volatilität freilich noch nichts aus. Was nützt ein schwankungsarmer Fonds, der nur eine schwache oder gar keine positive Wertentwicklung aufweist?
Wie viel Belohnung fürs Risiko?
Auswege aus diesem Dilemma verspricht die wohl wichtigste Kennziffer im Fondsbereich, die Sharpe Ratio - benannt nach ihrem Schöpfer, dem Nobelpreisträger William F. Sharpe. Mit der Sharpe Ratio wird die Schwankungsanfälligkeit, also das potenzielle Risiko, ins Verhältnis zur Überschussrendite gesetzt. Diese bezeichnet die Mehrrendite gegenüber einer risikolosen Anlage wie etwa einer Bundesanleihe oder einem Geldmarktfond. Die Sharpe Ratio misst entsprechend, wie hoch die Belohnung in Form von Performance für ein bestimmtes eingegangenes Risiko ausgefallen ist. Man könnte sie damit auch als Maßeinheit für das "Preis-Leistungs-Verhältnis" eines Fonds bezeichnen. Je höher also die Sharpe Ratio ausfällt, desto besser ist ein Fonds in dieser Hinsicht.
Die Sharpe Ratio wird allerdings durch die allgemeine Großwetterlage an den Kapitalmärkten relativiert. So weisen auch vergleichsweise gute Aktienfonds in bestimmten Zeithorizonten eine negative Sharpe Ratio auf. Wenn etwa der Zeitraum zwischen einem Rekordhoch in einem Aktienindex und einem Tiefpunkt im Börsenverlauf herangezogen wird, schneiden auch die am besten gemanagten Aktienfonds schlechter ab als eine erzkonservative Anlage in Rentenpapieren oder den Geldmarkt. Entsprechend schlecht fällt dann die Sharpe Ratio aus.
Um die Qualität eines Fonds herauszuarbeiten, ziehen die Experten deshalb weitere Kennziffern heran, die sich stärker auf die relative Performance oder Schwankung im Vergleich mit dem Gesamtmarkt oder einer bestimmten Benchmark (in der Regel einem Index) beziehen.
Alpha, Beta und die Ratios
Die beiden Kennziffern "Alpha" und "Beta" setzen die absolute Wertentwicklung in Beziehung zum Gesamtmarkt oder einer bestimmten Benchmark. Das Alpha misst dabei die Mehrrendite bei gleichem Risiko, die durch das aktive Fondsmanagement entstanden ist. Ein Alpha von 4 etwa zeigt an, dass ein Fonds in einem stagnierenden Gesamtmarkt eine Mehrrendite von 4 Prozent erzielt hat, ohne ein höheres Risiko einzugehen. Damit kann der Anleger von einer günstigen Titelauswahl im Fondsmanagement ausgehen.
Beta-Blocker für mehr Sicherheit
Das Beta dagegen drückt die Unabhängigkeit des Fonds von den Schwankungen des Gesamtmarktes ab. Bei einer neutralen, dem Markt genau entsprechenden Bewegung des Fonds liegt das Beta bei 1,0. Ein Beta von 0,8 bedeutet, dass der Fonds um 20 Prozent weniger schwankt. Er weist also ein geringeres Risiko aus als die Benchmark. Allerdings kann eine größere Schwankungsbreite natürlich auch von Vorteil für die Performance sein: dann nämlich wenn sich der Aktienmarkt insgesamt schwunghaft nach oben entwickelt. Defensive Fonds wie Renten- oder Mischfonds haben in der Regel ein sehr niedriges Beta.
Mehr Rendite mit weniger Schwankung
Eine Reihe von komplexeren Kennziffern beziehen das Alpha und das Beta mit ein, um eine Beurteilung des Risiko-Rendite-Profils eines Fonds noch schärfer zu fassen. Bei der Treynor-Ratio etwa wird die Überrendite (also die Sharpe Ratio) ins Verhältnis zum Beta gesetzt. Zu deutsch: Je höher die Outperformance des Gesamtmarktes bei gleichzeitig niedrigen Schwankungen ist, desto höher fällt die Treynor Ratio aus.
Wie gut ist das Fondsmanagement?
Bei der so genannten Information Ratio wird das Alpha eines Fonds in Beziehung zum Grad des aktiven Management des Produkts gesetzt. Wie unabhängig vom Gesamtmarkt der Manager sein Portfolio ausrichtet, misst wiederum der Tracking Error. Gelingt es den Anlageprofis also, durch besonders aktives Auswählen von einzelnen Aktien den Fonds nach vorn zu bringen, ohne dabei das Risiko zu erhöhen, entsteht eine hohe Information Ratio.
Bei den Kennzahlen, die sich auf die Entwicklung des Fonds im Vergleich zum jeweiligen Gesamtmarkt beziehen, dürfte den Anleger auch interessieren, wie hohe Verluste der Fonds in der Vergangenheit gemacht hat und wie lange die Durststrecken sind, die man als Investor mit fallenden Kursen konfrontiert ist.
Gute Fonds puffern Verluste ab
Der maximale Verlust und die längste Verlustperiode in den vergangenen Jahren geben einen Eindruck, worauf sich Investoren in schlechten Börsenzeiten einstellen müssen. Auch diese beiden Größen lassen sich gut dem Gesamtmarkt gegenüber stellen. Der Dax etwa hat in den vergangenen fünf Jahren (Stand 2012) einen maximalen Verlust von mehr als 50 Prozent erlitten. Gute aktiv gemanagte Aktienfonds schafften es im selben Zeitraum, "nur" einen maximalen Verlust von 30 bis 35 Prozent hinzunehmen.
Stand: 23.11.2012, 16:36 Uhr