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Handshake zwischen Mensch und Roboter

Acatis lässt Computer Aktien auswählen

Künstliche Intelligenz als Fondsmanager

Stand: 03.04.2017, 14:15 Uhr

Im Vergleich mit der Maschine hat der Mensch in Zukunft wohl immer häufiger das Nachsehen. Auch bei der Auswahl von Aktien für ein Fonds-Portfolio könnte in Zukunft ein "intelligenter" Computer den klassischen Fondsmanager ablösen.

Mit einem Fonds neuer Art hat der Frankfurter Vermögensverwalter Acatis vor rund einer Woche Neuland betreten. Zusammen mit der BayernLB-Tochter Bayerninvest betreibt Acatis den "BayernInvest Acatis KI Aktien Global-Fonds” (WKN A2AMP2), der weltweit im Aktienmarkt nach attraktiven Chancen für Anleger sucht. Die Suche, Aktienauswahl und die Zusammenstellung eines wohlaustarierten Anlageportfolios übernimmt dabei ein "intelligenter Anlageroboter", also der Computer.

Der Computer ist "gründlicher"

Acatis bleibt mit Fonds seiner Anlagephilosophie treu: Die attraktivsten Aktien nach Value-Gesichtspunkten sollen in den Fonds aufgenommen werden. Es wird also wie in den bestehenden Fonds-Produkten der Frankfurter nach unterbewerteten Titeln gesucht. Die Suche und Auswahl und die Umschichtung des Protfolios nimmt dabei allerdings ein "lernender" Computer vor, nicht mehr der menschliche Portfolio-Manager.

Die Gründe für den "Ersatz" des Menschen in der Verantwortung für den Fonds liegen auf der Hand: Während ein Fondsmanager eine begrenzte Anzahl von Kennziffern bei der Unternehmensanalyse auswerten oder Geschäftsberichte lesen kann, sind dem Computer hier kaum Grenzen gesetzt. Für die Betrachtung der Qualität der untersuchten Unternehmen untersucht die Maschine für den Acatis-Fonds jeweils rund 200 Datensätze. Acatis-Gründer und -Geschäftsführer Hendrik Leber hält den Rechner schlicht für "gründlicher" als den Menschen (siehe unser Interview).

Mehr Daten, schnellere Rechner

Möglich wurde der neuartige Fonds laut Leber dadurch, dass mehrere Voraussetzungen inzwischen gegeben sind. Zum einen sind inzwischen Massen an Unternehmensdaten für internationale Großkonzerne verfügbar, die ausgewertet werden können (Stichwort "Big Data"). Zum anderen sind Rechner mit entsprechender Rechenleistung verfügbar, die die Datenmengen auch bewältigen können. Als wichtigste Voraussetzung für ein Fonds-Produkt hat Acatis aber in jahrelanger Forschungsarbeit zusammen mit dem Spezialisten für "Deep Learning", Nnaisense, ein "intelligentes" System entwickelt und "trainiert". Deep Learning ermöglicht es dem Computer, Muster im Aktienmarkt im Zeitverlauf besser zu erkennen und sich auf Veränderungen einstellen zu können - schneller als ein menschlicher Portfolio-Manager, so die Überzeugung der Fonds-Entwickler.

Die Erwartungen an den Value-Fonds neuer Art sind hoch. Der MSCI World-Index soll jährlich um durchschnittlich drei Prozent übertroffen werden. Dabei soll der KI-Fonds keine höheren Schwankungen (Volatilität) und auch keinen höheren maximalen Verlust (Drawdown) als der Weltindex aufweisen.

Keine Orientierung am aktuellen Börsengeschehen

Ins Fondsportfolio werden maximal 50 Einzeltitel aufgenommen, die zumindest eine Marktkapitalisierung von einer Milliarde aufweisen. Zum Vergleich: Der MSCI World enthält mehr als 1.600 Einzelwerte aus den "entwickelten" Industriestaaten. Umgeschichtet wird der Fonds im halbjährlichen Rhythmus. Laut Leber will soll sich der "Anlage-Roboter" nicht zu sehr am aktuellen Börsengeschehen, sondern an den langfristigen Aussichten einzelner Unternehmen und Branchen orientieren: Die Anlagephilisophie und die grundsätzlichen Vorgaben für die künstliche Intelligenz stammen immer noch vom Menschen.

AB

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