Seitenueberschrift

Fonds

Rubrik Analyse & Strategie bei boerse.ARD.de

"Liquid Alternatives"

Fonds gegen die Kursflaute

Stand: 26.02.2016, 16:23 Uhr

An den Aktienmärkten bröckeln die Kurse und mit festverzinslichen Anlagen ist kaum mehr Rendite zu erzielen. Für viele Anleger geraten in der gegenwärtigen Lage "marktneutrale" Strategien in den Blick. Sie streben eine möglichst risikoarme Rendite in allen Marktlagen an.

Was nützt ein gut gemanagter Aktienfonds, wenn der Aktienmarkt selbst über längere Zeit fällt? Oder ein extrem kostengünstiger Aktien-ETF, der seiner Benchmark schnurgerade in die Verlustzone folgt? Viele große und private Investoren stellen sich seit einigen Monaten diese Frage neu.

Ganz ohne Benchmark

Der Kursrutsch seit Jahresbeginn bei Dax & Co hat Anbietern von alternativen Fondskonzepten Milliarden an Mittelzuflüssen beschert. "Absolute"- oder "Total Return" stehen als Label hoch im Kurs bei Anlegern. Auch die Bezeichnung "Liquid Alternatives" ist hier immer häufiger anzutreffen. Die Ansätze stehen für Fonds, deren Manager sich nicht an einem Index oder einem bestimmten Markt als Benchmark orientieren müssen, sondern in ihren Entscheidungen relativ frei sind.

Diese Freiheit bezieht sich einerseits auf die Wahl der Asset-Klasse: Neben dem Aktien- und Rentenmarkt kann hier prinzipiell auch in Rohstoffe, Immobilien oder etwa Private Equity investiert werden. Die Möglichkeit, Positionen schnell auf und abbauen zu können ("Liquid"), sorgt für hohe Flexibilität, wenn auf aktuelle Nachrichten oder Marktschwankungen reagiert werden soll.

Vorbilder aus der Hedgefonds-Industrie

Aber auch in der Wahl der Instrumente, mit denen agiert werden kann, sind die "alternativen" Produkte freier. Aktien können nicht nur gekauft werden, sondern auch "leer verkauft" oder "geshortet" werden. Dies geschieht oft auch über Derivate wie Futures und Optionen. Das Handeln in alle Richtungen und das "Hebeln" von Positionen über solche Terminkontrate ist in der Regel Börsenprofis vorbehalten. Vor allem Hedgefonds machen sich diese Instrumente zunutze.

In vielen Liquid-Alternative-Fonds werden daher auch ähnliche Strategien genutzt, wie sie aus der Hedgefonds-Industrie bekannt sind. Neben Aktienstrategien, bei denen gleichermaßen auf fallende wie steigende Kurse spekuliert werden kann (Equity-Long-Short) finden sich hier auch Ansätze, die Preisdifferenzen in verschiedenen Märkten ausnutzen wollen oder rein auf der Technischen Analyse beruhen und automatisiert Trends nachspüren.

Neuer Zugang über UCITS

Im europäischen Fondsmarkt haben solche Produkte seit einigen Jahren in der Regel einen "UCITS"-Mantel. Die EU-Regelung definiert, in welche Vermögensgegenstände und Finanzinstrumente eine Fondsgesellschaft investieren darf. Eine Regulierung der UCITS-Fonds verfolgt in der EU über die jeweilige nationale Aufsichtsbehörde, in Deutschland also die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht).

Der Markt für Liquid-Alternative-Fonds ist bislang eher unübersichtlich. Einige Fondsgesellschaften wie Schroeders nutzen Long-Short-Strategien im Aktienmarkt überwiegend als Ergänzung ihrer ansonsten eher defensiven "Total-Return"-Fonds - wie beim Schroder ISF European Total Return (WKN: A1JT6H). Die britische Fondsgesellschaft Aberdeen hat erst vor einem halben Jahr zwei Fonds aufgelegt, die gleich mehrere Liquid Alternatives Strategien in sich vereinen. Der Multi-Asset-Fonds der NordLB, der NordLB Horizont (WKN: A0X9BB) hat kürzlich ein "Liquid-Alternatives-Basket" als eigene Asset-Klasse ins Fonds-Portfolio aufgenommen.

Wegen Erfolg für neue Anleger geschlossen

Allianz Discovery Europe Strat A EUR: Kursverlauf am Börsenplatz Düsseldorf für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
115,00
Differenz absolut
-1,00
Differenz relativ
-0,86%

Deutlich länger und wesentlich erfolgreicher agiert der "Allianz Discovery Europe Strategy" (WKN: A0Q83F) von Allianz Global Investors am Markt. Der Fonds hat in den vergangenen Jahren recht konstante Renditen unabhängig von der Aktienmarkt-Entwicklung erreicht, und das bei recht geringen Schwankungen und zwischenzeitlichen Wertverlusten. Fondsmanager Harald Sporleder konzentriert sich auf eine marktneutrale Long- und Short-Strategie im europäischen Aktienmarkt. Und zwar zuletzt so erfolgreich, dass der Fonds vor wenigen Wochen für neue Anleger geschlossen werden musste, um die Strategie ohne Reibungsverluste fortzuführen. Die weitere Entwicklung können interessierte Investoren aber aus der Ferne verfolgen (s.a. unser Interview).

AB

Darstellung: