Seitenueberschrift

Weites Anlage-Spektrum

Die ETF-Familie wächst – beinahe ungehemmt

von Andreas Braun

Börsengehandelte Indexfonds gibt es längst nicht mehr nur auf Aktienindizes. Die weitverzweigten Konstruktionen wollen viele Anlage-Bedürfnisse befriedigen, gaben in den vergangenen Monaten aber auch Anlass zur Kritik.

keine Beschreibung

Neue Kursversorgung ETFs 784 . | Bildquelle:

Physisch oder synthetisch? Das war für viele Anleger – ob privat oder institutionell – in den zurückliegenden Jahren durchaus ein Faktor, der die Erfolgsgeschichte der börsengehandelten passiven Fonds ins Wanken brachte. Viele der Produkte waren – und sind – nämlich auf der Basis von sogenannten Swaps konstruiert.

Vereinbarung statt Aktie

Swaps können für den Emittenten die "Replikation" erleichtern, also die Nachbildung des Basiswertes, in der Regel eines Aktien- oder Rentenindex durch den ETF. Im Fall der swap-basierten Nachbildung werden aber nicht oder nicht vollständig die dem Index zugrundeliegenden Aktien gekauft, wie es bei der physischen Variante geschieht. Stattdessen wird ein Aktienkorb von einer Partnerbank oder  -fondsgesellschaft erworben zusammen mit der Garantie, exakt den Wert des jeweiligen Index abzubilden.

Mithilfe dieser Methode versuchen die ETF-Anbieter den Tracking Error, also die Abweichung des Fondswerts vom Basiswert zu verringern. Gleichzeitig entstehen für die Fondsgesellschaften geringere Kosten. Gerade nach dem Vertrauensverlust nach der Finanzkrise nach 2007 wurde dieses Verfahren aber von vielen Investoren kritisch betrachtet.

Anbieter lenken ein

Das Kontrahentenrisiko, also die potenzielle Zahlungsunfähigkeit des Swap-Partners, wurde zunächst von einigen ETF-Gesellschaften abgesichert. Dies reichte offenbar aber nicht aus, um das Vertrauen vollständig wiederherzustellen. Viele Investoren schwenkten auf die Anbieter der "physisch" replizierenden ETFs um, etwa auf Blackrock-Produkte oder den Anbieter der ersten Stunde Strate Street Global Advisors (SPDR). Anbieter wie die Deutsche Bank-Tochter xtrackers haben daher zum Teil zwei Varianten von ETFs für denselben Basiswert im Angebot – eine physische und eine replizierende.

Hüter der reinen ETF-Lehre haben aber noch andere Anknüpfungspunkte für Kritik an dem scheinbar ausufernden ETF-Angebot. So bieten eine Reihe von Emittenten wie etwa xTrackers, die Commerzbank-Tochter Comstage, aber auch Lyxor, Ableger der französischen Großbank Société Générale, auch "Short"-ETFs an, etwa auf den Dax oder den EuroStoxx 50. Ähnlich wie ein Leerverkäufer kann der Investor damit an fallenden Kursen verdienen. Der Index, auf den der ETF eigentlich lauten sollte, wird hier spiegelverkehrt nachgebildet.

Hebeln und shorten – geht auch per ETF

Auch mehr oder weniger verkappte Strategieprodukte sind inzwischen in Gestalt von ETFs käuflich. Ob es um dividendenstarke Aktien aus Europa geht oder um strukturierte Fonds mit einer Höchststandsgarantie - von der ursprünglichen Idee, einfach einen gängigen Index abzubilden, haben sich die Produkte zum Teil weit entfernt. Bei ETFs, die etwa auf Hochzinsanleihen setzen oder nach bestimmten Kriterien zwischen Aktien und Anleihen umschichten, verschwimmen die Grenzen zwischen passivem und aktiv gemanagtem Fonds. (s.a. unsere Chartserie).

Letztlich muss der Anleger selbst entscheiden, wo der die Grenze zwischen passiv und aktiv zieht. Auch bei den eigentlich schlichten ETFs lohnt sich in jedem Fall der Blick ins Kleingedruckte, also den Fondsprospekt.

Stand: 22.02.2013, 15:44 Uhr

Darstellung: