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Fondsbranche mit Jahresszahlen "Der Deutsche investiert und spart falsch"

Stand: 21.02.2017, 15:52 Uhr

Steigende Börsenkurse und eine steigende Nachfrage vor allem von Großkunden haben der deutschen Fondsbranche 2016 ein Rekordjahr beschert. Trotzdem gibt es ein Problem.

Mit 2,8 Billionen Euro verwalteten Fondsgesellschaften Ende 2016 so viel Geld wie nie, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es 2,6 Billionen Euro. Seit 2011 ging es stetig bergauf.

Unter dem Strich steckten Anleger allerdings deutlich weniger neue Gelder in Investmentfonds als im Ausnahmejahr 2015: Netto sammelten die Anbieter 102,8 (Vorjahr: 192,6) Milliarden Euro ein. Das sei immer noch ein "sehr gutes Resultat", machte sich BVI-Präsident Tobias Pross Mut. "Der deutschen Fondsbranche geht es nach wie vor gut."

Deutsche investieren und sparen falsch

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Bröckelt die private Altersvorsorge?

Allerdings floss der Großteil neuer Gelder in Spezialfonds, in die vor allem Versicherer und Pensionskassen investieren. Publikumsfonds, in die vor allem Privatanleger investieren, sammelten nur 6,5 Milliarden Euro ein, aus reinen Aktienfonds zogen Anleger netto 1,8 Milliarden Euro ab. Ein Jahr zuvor hatten die Bundesbürger noch 72 Milliarden Euro neu in Fonds und ETFs investiert, so viel wie nie.

Deutschland liege damit im weltweiten Trend. In Europa hätten sich die Zuflüsse in Wertpapierfonds mehr als halbiert.Grund für die Zurückhaltung der Anleger seien erst die Börsen-Turbulenzen, dann die politischen Unwägbarkeiten rund um den Brexit und die US-Präsidentenwahlen gewesen.

"Der Deutsche investiert und spart falsch", urteilt Pross. "Nicht mal das Schreckgespenst Negativzinsen bringt einen rational denkenden Menschen dazu, sich mit dem Thema Kapitalanlage intensiv auseinanderzusetzen."

Mehr Altersvorsorge über Aktien

Dem Sparer sei mit dem Zinseszins sein bester Verbündeter verloren gegangen. Die Folge: Die Deutschen sparten, aber ihr Wohlstand wachse nicht mehr. Dagegen könne und müsse etwas unternommen werden, so der Branchenverveband. Nur wer sein Sparverhalten überdenke und bereit sei, mehr Ausgewogenheit in seine Geldanlage zu bringen, werde sein Vermögen mehren und damit seinen Wohlstand sichern können.

Deutschland müsse wie die USA die Altersvorsorge über Aktien und Fonds steuerlich fördern, forderte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Auch deshalb sei dort der Anteil der Bevölkerung, der direkt oder indirekt am Kapitalmarkt investiert ist, mit 52 Prozent fast vier Mal so hoch wie in Deutschland (14 Prozent).

dpa/afx/lg

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