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Carry Trades

Deutsche Bank warnt

Wehe, wenn diese Blase platzt!

von Angela Göpfert

Viele Privatanleger starren nur auf das Auf und Ab an den Aktienmärkten. Doch eine Bewegung an den Devisenmärkten verdient Aufmerksamkeit: Aktuell fließt extrem viel spekulatives Kapital in die chinesische Währung. Unterschätzen wir die Gefahr, die von dem Dollar/Renminbi-Carry-Trade ausgeht?

Ja, meint die Deutsche Bank. In einem aktuellen Paper warnt der Chef-Währungsstratege Bilal Hafeez (hier seine komplette Analyse) vor einer plötzlichen Auflösung des Dollar/Renminbi-Carry-Trades – und versetzt damit viele Wall-Street-Beobachter in Sorge.

Das Comeback des Carry Trades

Dabei dürfte seine Warnung für viele Privatanleger zunächst seltsam klingen. Klar, erinnern wir uns noch alle an den Yen/Dollar-Carry-Trade und die fatalen Folgen seiner plötzlichen Auflösung (Asienkrise).

"Doch ist die Zeit der großen Carry Trades nun nicht längst vorbei?", dürfte sich der eine oder andere Anleger verwundert fragen. Und ausgerechnet der Renminbi, diese stark politisch manipulierte Währung, soll eine Carry-Währung sein?!

Was passiert, wenn ein Carry-Trade plötzlich aufgelöst wird, hat die Asienkrise gezeigt

"Eine üble Erscheinung"

Andererseits: So ganz neu ist die von Hafeez formulierte Warnung nun auch wieder nicht. Schon auf dem Weltwirtschaftsforum 2010 in Davos zeigten sich Experten wie der US-Ökonom Nouriel Roubini und Harvard-Professor Kenneth Rogoff ob des Dollar/Renminbi-Carry-Trades besorgt.

»Eines Tages wird die neue Spekulationsblase platzen und die größte Kapitalentwertung aller Zeiten auslösen.«

Nouriel Roubini, Januar 2010

Und der Sachverständige der Bundesregierung, Peter Bofinger, ließ sich gar zu der Aussage hinreißen: "Carry Trade ist eine üble Erscheinung." Wenn der Dollar doch wieder an Wert gewinnen oder die USA die Zinsen erhöhen sollten, könnten die Investoren rasch ihr Geld abziehen und so einen ähnlichen Weltfinanzcrash auslösen wie während der Asienkrise 1997.

Was sind Carry Trades?

Bei Carry Trades nehmen Anleger einen Kredit in einer niedrig verzinsten Währung wie dem Yen auf und legen es in Währungen mit einem höheren Zinsniveau wie beispielsweise den US-Dollar an. Eine solche Transaktion ist so lange gewinnbringend, wie die Zinsgewinne nicht durch Währungsverluste aufgefressen werden.

Zinsunterschiede geschickt genutzt

Fakt ist: Nach wie vor nutzen viele Investoren die Zinsunterschiede zwischen den USA und China. In China sind zudem die Anleihenrenditen wesentlich höher als in den USA. Die Rendite 10-jähriger chinesischer Staatsanleihen befindet sich bei 3,4 Prozent, diejenige 10-jähriger US-Anleihen bei 2,2 Prozent.

Aktuell lohnt es sich also, sich in Dollar zu verschulden und in Renminbi long zu gehen. Diesen Deal befeuert hat vor allem die Fed mit ihren diversen geldpolitischen Lockerungsübungen, welche nicht nur die Zinsen niedrig hielten, sondern auch zu einer weltweiten Liquiditätsschwemme führten. Geld, das sich seinen Weg nach China bahnte.

Carry Trade hat extreme Ausmaße erreicht

Das allein ist aber noch lange kein Anlass zur Sorge. Gefährlich für die Finanzmärkte wird es erst dann, wenn es zu einer plötzlichen Umkehr des aktuellen Musters kommt.

Für ein solches Szenario hat die Deutsche Bank erste Anzeichen ausgemacht. Hafeez spricht von ersten Anzeichen einer Überhitzung. So fließe derzeit in keine andere Carry-Währung mehr Kapital als in den Renminbi.

Zudem habe die Gesamtrendite des Renminbi/Dollar-Carry-Trades – also der Gewinn aus Wechselkursveränderung plus Zinsunterschied – mittlerweile Ausmaße erreicht, wie sie zuletzt bei anderen Carry Trades gesehen wurden, kurz bevor diese brutal zurückgehandelt wurden.

Es drohen massive Verwerfungen

Potenzielle Gründe für eine plötzliche Flucht der Anleger aus dem Renminbi gibt es zuhauf: So könnten die Anleihenrenditen in den USA weiter steigen, der Dollar etwa wegen verschärfter Exit-Ängste aufwerten oder die chinesischen Behörden eingreifen und den Renminbi abwerten.

Robert Rethfeld

Besorgter Experte: Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest

In einem solchen Falle müssten die Investoren dann möglichst rasch ihren Carry Trade abwickeln, um ihre Verluste zu begrenzen. Das kann zu massiven Verwerfungen auf den Kapitalmärkten führen. Experte Robert Rethfeld hält die Warnung der Deutschen Bank daher für "absolut berechtigt".

»Sollte der Carry-Trade zurückgehandelt werden, so könnte es sich dabei durchaus um einen Vorläufer einer größeren Korrektur handeln.«

Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest

Fazit: Noch besteht kein Anlass zur Sorge. Zurzeit ist der Dollar/Renminbi-Abwärtstrend noch voll intakt. Anleger sollten allerdings die Augen offen halten, ob sich nicht demnächst eine steile, V-förmige Umkehr ausbildet. Dies wäre das Signal für eine Auflösung des Carry-Trades. Die Nachbeben dürften dann auch an den Aktienmärkten zu spüren sein.

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