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Devisen

Britisches Pfund in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr

Zwischen Brexit-Sorgen und Zinsängsten

Was ist los beim britischen Pfund?

Stand: 18.02.2016, 12:53 Uhr

Je heftiger Großbritannien mit dem Brexit flirtet, desto mehr hat das britische Pfund zu leiden. Was ist erst los, wenn Großbritannien wirklich aussteigt?

Britisches Pfund in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
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Das Pfund gibt schon seit einigen Wochen eine traurige Figur ab. Allein seit Mitte November hat die britische Währung gut zehn Prozent an Wert verloren. Von knapp 1,43 Euro fiel das Pfund zeitweise unter 1,28 Euro. Manche Experten machen dafür aber gar nicht so sehr die Brexit-Angst verantwortlich.

Zins-Effekte

Vielmehr führen sie den Abwertungsdruck darauf zurück, dass die Aussichten Zinserhöhungen durch die Bank of England schwinden. Die häufig angekündigte Zinswende ist aufgeschoben. "Jetzt ist nicht die Zeit, die Zinsen anzuheben", sagte Notenbankchef Mark Carney neulich.

Das liegt vor allem daran, dass die Inflation ausbleibt. Großbritannien sieht sich derzeit eher deflationären Tendenzen ausgesetzt. Mit einer Zinsanhebung wird daher frühestens Ende 2017 gerechnet. Dazu kamen ein paar schwache Konjunkturdaten.

Brexit-Effekte

Das dicke Ende fürs Pfund dürfte aber noch kommen, wenn Großbritannien tatsächlich mit dem Brexit Ernst macht - oder auch nur, wenn die Stimmung im Land weiter Richtung Brexit kippt.

Kritisches Ereignis fürs Pfund ist der EU-Gipfel in Brüssel heute und morgen. Um die Euro-Gegner im eigenen Land zu besänftigen, muss der britische Premierminister David Cameron Erfolge bei dem Treffen durchboxen.

Er fordert eine Reihe von EU-Reformen. Doch Konflikte sind programmiert. Besonders strittig ist Camerons Anliegen einer "Notbremse", die bei außergewöhnlich starker Zuwanderung von EU-Bürgern nach Großbritannien gezogen werden kann. Damit könnten Sozialleistungen für diese Gruppe beschränkt werden.

Währungskollaps?

Euro in britischem Pfund: Kursverlauf am Börsenplatz XRATE für den Zeitraum 6 Monate
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Wenn Cameron eine Abfuhr für seine Reformvorschläge erhält, dann hat er nichts, womit er die Euro-Gegner im Land besänftigen kann. Das Pfund dürfte dann weiter unter Druck kommen.

Die Bank of England macht sich jedenfalls darauf gefasst. Die "Times" berichtete jüngst, die britische Notenbank habe ihre "Kriegskasse" kräftig auf 98 Milliarden Dollar aufgestockt, umgerechnet rund 88 Milliarden Euro, um für einen etwaigen Währungskollaps gewappnet zu sein.

Die Londoner Analysten der Investmentbank Goldman Sachs halten bis zu 20 Prozent Wertverlust für denkbar, wenn der Brexit ausländisches Kapital abschreckt.

bs

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