Türkei

Türkischer 5-Lira-Schein und verschiedene Münzen

Politische Entwicklung vertreibt Investoren Türkische Lira so billig wie nie

Stand: 04.11.2016, 14:31 Uhr

Die Festnahme führender Oppositionspolitiker hat zu einer neuen Verkaufswelle am türkischen Aktien- und Anleihemarkt geführt. Die Lira rutschte auf einen Tiefststand gegenüber dem Dollar und dem Euro.

Am Freitag mussten für einen Dollar 3,15 Lira bezahlt werden - so viel wie nie zuvor. Auch zum Euro markierte die türkische Währung ein Rekordtief. Ein Euro kostete 3,4989 Lira.

Seit Wochen steht die türkische Währung unter Druck. In den letzten dreieinhalb Monaten hat die Lira gegenüber dem Euro um zehn Prozent abgewertet.

Das bedeutet: Reisen in die Türkei werden für Europäer immer billiger. Allerdings: Wer fährt derzeit in das von Präsident Erdogan autokratisch geführte Land? Die Zahl der Touristen brach in diesem Jahr um ein Drittel ein. Selbst der Deutsche Reiseverband (DRV) sagte jüngst seine in Kusadasi an der Ägaisküste geplante Jahrestagung ab und verlegte sie nach Berlin.

Wirtschaftswachstum kühlt sich ab

Investoren und Händler sorgen sich um die türkische Wirtschaft. Seit dem gescheiterten Putsch Mitte Juli und der Säuberungswelle gegen die Gülen-Bewegung mehren sich die Anzeichen für eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Experten rechnen für das nächste Jahr nur noch mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von rund zwei Prozent.

Die Bestrebungen von Recep Tayyip Erdogan, ein Präsidialsystem zu errichten und politische Kritiker mundtot zu machen, verunsichern zunehmend die Investoren. In der Nacht zum Freitag nahm die Polizei bei koordinierten Razzien die Chefs und weitere Politiker der prokurdischen Oppositionspartei HDP fest. Erdogan bezeichnet die HDP als verlängerten Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Bereits am Montag hatte das Vorgehen der türkischen Polizei gegen die regierungskritische Tageszeitung "Cumhuriyet" weltweit für Empörung gesorgt.

Rendite der Staatsanleihen über zehn Prozent

Investoren warfen am Freitag türkische Aktien und Anleihen aus ihren Depots. Der Leitindex der Istanbuler Börse sackte um 2,5 Prozent ab. Die Rendite der zehnjährigen türkischen Staatsanleihen kletterte von 9,93 Prozent auf bis zu 10,21 Prozent.

Die Ratingagentur Moody's hat Ende September die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau herabgestuft. Es bestehe ein erhöhtes Risiko, dass sich ausländisches Kapital zurückziehen könne, hieß es zur Begründung. Auch die Gefahr einer Zahlungsbilanzkrise sei größer geworden.

nb

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