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Geldpolitik

Schweizerische Nationalbank in Bern

Buchverluste bei Devisenreserven

SNB verpulvert 60 Milliarden an einem Tag

Stand: 16.01.2015, 12:06 Uhr

Die Aufhebung der Euro-Kurs-Untergrenze kommt die Schweizer Nationalbank teuer zu stehen. Durch die enorme Aufwertung des Franken erlitt die SNB einen Buchverlust von 60 Milliarden Franken bei den Devisenreserven.

Zur Stützung des Schweizer Franken hatte die Notenbank massiv in Fremdwährungen investiert. Beobachter schätzen den Devisenschatz auf gut 500 Milliarden Franken. 95 Prozent davon machen die fünf wichtigen Währungen Euro, US-Dollar, Yen, Pfund und kanadischer Dollar aus.

Franken wertet um zwölf Prozent gegenüber Euro, Dollar & Co auf

Diese büßten am Donnerstag allesamt elf bis 13 Prozent an Wert gegenüber dem Schweizer Franken ein. Bei einer durchschnittlichen Kurseinbuße dieser Währungen von zwölf Prozent ergebe dies für die SNB Wechselkursverluste von über 55 Milliarden Franken, hat die "Neue Zürcher Zeitung“ ausgerechnet. Nähme man noch die Kursverluste auf die übrigen Devisen und auf das in Dollar gerechnete Gold hinzu, beliefe sich der Gesamt-Buchverlust auf 60 Milliarden Franken.

Noch sind es nur Buchverluste, und noch ist es möglich, dass der nun drastisch überbewerte Franken im Laufe des Jahres wieder etwas an Wert verliert. Doch die meisten Devisenexperten rechnen damit, dass sich der Euro auf einem Niveau deutlich unter 1,20 Franken einpendelt. JPMorgan sieht den fairen Wert des Euro-Franken-Kurses bei 1,10 Franken. Insofern droht der Schweizer Nationalbank 2015 ein Milliarden-Verlust.

Jahresverlust von 50 Milliarden Franken droht

Sollte die SNB wieder Dividenden und Zinserträge von neun Milliarden Franken einnehmen wie 2014 und sollten die in Fremdwährungen gerechneten Kurse von Aktien, Zinspapieren und Gold in etwa stabil bleiben, sei ohne weitere Wechselkursveränderungen mit einem Jahresverlust von 50 Milliarden Franken zu rechnen, meint die "NZZ“. Sollten sich die Kurse bis Ende des Jahres um die Hälfte erholen, wäre es nur noch ein Verlust von über 20 Milliarden Franken.

Damit relativiert sich der gigantische Jahresgewinn von 38 Milliarden Franken, den die SNB im vergangenen Jahr eingefahren hat. Die gestrigen Mega-Buchverluste könnten die Verhandlungen über die Verteilung des Gewinns von 2014 beeinflussen.

Genau dieses gewaltige Bewertungsrisiko aufgrund der angehäuftem Euro-Reserven hat die SNB offenbar letztlich gezwungen, die Verteidigung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken aufzugeben.

nb

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