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Euro Schweizer Franken-Münzen

Mindestkurs des Franken gekippt

Schweizer Notenbank lässt Dampf ab

Stand: 15.01.2015, 14:32 Uhr

Die Schweizer Notenbank hat überraschend den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben - und schickt die Märkte auf eine weitere Achterbahnfahrt. Für den Euro ist die Entscheidung eine Hiobsbotschaft.

In Frankfurt drehte der Dax binnen Minuten ins Minus und stürzte in der Spitze um gut 1,7 Prozent auf 9.637 Punkte ab, nachdem er zuvor noch auf 9.953 Punkte geklettert war. Danach normalisierten sich die Kurse wieder und der Dax legte wieder deutlich zu. Nicht so an der Schweizer Börse: Dort sackte der SMI-Index in der Spitze um fast 14 Prozent ab. Am heftigsten reagierte der Euro auf die Entscheidung der Schweizer Notenbank, den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro nicht mehr verteidigen zu wollen.

Die europäische Gemeinschaftswährung stürzte nach der Ankündigung unter die Parität auf Kurse um 0,9586 Franken ab, was einer Abwertung um gut 20 Prozent entspricht. Im weiteren Verlauf pendelte sich das Währungspaar auf die Parität ein. Gegenüber dem Dollar fiel der Euro kurzzeitig bis auf 1,1577 Dollar, den tiefsten Stand seit November 2003, konnte sich danach aber wieder auf 1,1700 Dollar erholen. Nach ihrer Einführung Anfang 1999 war die Gemeinschaftswährung sogar mehrere Jahre unter einen Dollar gefallen.

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Überbewertung hat sich reduziert

Die Schweizer Notenbank (SNB) erklärte ihre Entscheidung damit, dass sie den Mindestkurs in einer Zeit der massiven Überbewertung des Franken und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt hatte. Seitdem habe sich die Überbewertung des Franken reduziert, wenngleich der Franken hoch bewertet bleibe.

Die Wirtschaft habe diese Phase aber nutzen können, um sich auf die neue Situation einzustellen, argumentiert die SNB weiter. Die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume hätten sich in letzter Zeit markant verstärkt und dürften sich noch ausweiten, schreibt die Notenbank weiter. Tatsächlich bereitet die US-Notenbank Fed die erste Leitzins-Erhöhung seit Jahren vor. Die EZB will dagegen ihre Geldpolitik weiter lockern und massiv Staatsanleihen kaufen, um die langfristigen Zinsen zu drücken und die Wirtschaft anzukurbeln.

Guthabenzins gesenkt

Die SNB verweist auch darauf, dass sich der Euro gegenüber dem US-Dollar in den letzten Wochen deutlich abgeschwächt habe, wodurch auch der Franken zum US-Dollar abgewertet habe. "Vor diesem Hintergrund ist die Nationalbank zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sind."

Um den Effekt abzumildern, senkte die Zentralbank zugleich den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent. Das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor verschiebt sie weiter in den negativen Bereich auf minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent.

Glaubwürdigkeit eingebüßt

Analysten zufolge kommt die Aufhebung des Mindestkurses sehr überraschend, hat die SNB in den vergangenen Monaten doch stets die vehemente Verteidigung der Franken-Untergrenze betont. Für Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg dürfte die Entscheidung allerdings die Glaubwürdigkeit der Schweizer Notenbank beschädigen.

"Einen neuen Mindestkurs dürfte es wohl nicht mehr geben, da Marktteilnehmer kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten wird", so Wortberg. "Euro-Franken wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen."

Auch Thomas Gitzel von der VP Bank ist der Meinung, dass die SNB ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt. "Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente". Der Franken sei auf den aktuellen Kursniveaus aber deutlich gegenüber dem Euro überbewertet. Hier weitere Expertenstimmen.

lg

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