Brtische Pfundnoten

Tiefster Stand seit 2009 Pfund wird zum Weichei

Stand: 28.08.2017, 11:39 Uhr

Großbritannien und die Europäische Union verhandeln ab heute wieder über den Brexit. Weil die bisherigen Gespräche aber keine Fortschritte erkennen lassen, gerät das britische Pfund immer stärker unter Druck.

Am Morgen gibt es für ein Pfund nur noch 1,08 Euro. Das sind gut zehn Prozent weniger als noch im April und so wenig wie seit dem bisherigen Höchststand im Jahr 2009 nicht mehr - abgesehen von einem kurzzeitigen "Flash-Crash" beim Pfund im vergangenen Oktober. Damit nähert sich das Pfund wieder der Parität zum Euro.

Für Druck auf die Währung sorgen die verhaltenen Reaktionen seitens der EU auf die bisherigen Vorschläge aus London: Zuletzt hatte das britische Brexit-Ministerium ein Positionspapier zum künftigen Handel mit der EU vorgestellt, das für heftige Kritik sorgte.

Importe verteuern sich

Auch heute gehen beide Seiten ohne große Erwartungen in die neue Verhandlungsrunde, die bis Donnerstag angesetzt ist. Am Wochenende mahnte die britische Regierung die EU-Seite, sich "flexibler" zu zeigen. London will über Fragen der Trennung von der EU und über die künftigen Beziehungen beider Seiten gleichzeitig verhandeln. Die EU-Kommission will dagegen erst ihre Forderungen an Großbritannien durchsetzen, darunter britische Zahlungen von bis zu 100 Milliarden Euro für gemeinsam eingegangene Verpflichtungen.

Derweil hinterlässte die anhaltende Pfund-Schwäche erste Spuren in der britischen Wirtschaft. So ist der private Konsum im zweiten Quartal 2017 im Quartalsvergleich nur um 0,1 Prozent gewachsen. Als ein Grund gilt die Abwertung des Pfundes, die Einfuhren verteuert und die Kaufkraft der Konsumenten verringert.

Staatsausgaben wachsen schneller

Ausländische Konsumgüterfirmen wie Unilever, L'Oréal oder Nestlé haben bereits eine Reihe ihrer Produkte verteuert. Zudem mussten auch internationale Technologiefirmen wie Microsoft oder Apple ihre Preise in Großbritannien erhöhen.

Theresa May und Donald Trump

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Während der Konsum schwächelt, nahmen die Staatsausgaben im zweiten Quartal mit 0,6 Prozent doppelt so stark zu wie erwartet. Nach dem Brexit-Votum Mitte 2016 war die Wirtschaft zunächst überraschend stark gewachsen, seit Jahresbeginn aber wesentlich schwächer.

Parität zum Euro bald erreicht

Seit dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, geht es mit dem britischen Pfund deutlich bergab. Vor dem Brexit-Votum im Juni 2016 notierte ein Pfund noch bei 1,30 Euro. Damit beträgt die Abwertung inzwischen 17 Prozent. Devisenexperten gehen davon aus, dass sich die Abschwächung fortsetzen wird. Im Schnitt der Prognosen wird erwartet, dass spätestens im Januar nächsten Jahres die Parität zum Euro erreicht werden dürfte.

Während sich die Importe verteuern, verbilligen sich britische Waren im Ausland. Das beschert den Unternehmen entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Konkurrenten aus der Eurozone. Auch die Anleger am britischen Aktienmarkt können sich freuen, macht die Abwertung die Papiere britischer Konzerne doch günstiger. Auch dürften die verbilligten Exporte die Gewinne ankurbeln. Ob sie aber die negativen Effekte der Pfund-Schwäche aufwiegen können, bleibt abzuwarten.

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Finanzbranche auf der Suche nach einem neuen Standort Brexit und die Qual der Wahl

Citigroup-Logo an der Unternehmenszentrale in New York

Citigroup

Die amerikanische Großbank Citigroup will laut Finanzkreisen die Zentrale für den Wertpapierhandel in der EU mit 150 bis 250 Mitarbeitern an den Main verlagern. Ab März 2019 benötigen in London tätige Banken eine Gesellschaft mit EU-Banklizenz, wodurch viele Finanzunternehmen eine Verlagerung von Geschäften in andere europäische Länder prüfen.

lg

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