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Devisenmarkt

Verschiedene Hunderteuro- und Hundertdollarscheine

Parität zum Dollar lässt auf sich warten

Hat der Euro seinen Boden gefunden?

Stand: 21.01.2016, 14:28 Uhr

Bis zur letzten Ratssitzung der EZB schien ein baldiger Rückgang des Euro auf Parität zum Dollar eine ausgemachte Sache. Doch sechs Wochen später ist davon immer noch nichts zu sehen. Hat der Euro nun seinen Boden gefunden?

Glaubt man der Schweizer Privatbank Pictet & Co, ist das Aufwärtspotenzial des Dollar - und damit das Abwärtspotenzial des Euro - weitgehend aufgebraucht. Die geldpolitische Divergenz zwischen der EZB und der Fed sei bereits eingepreist, die wirtschaftliche Dynamik in den USA nicht so viel besser als die in Europa, sagt Chief Investment Advisor Walter Lieber.

Natürlich könnten kurzfristige Reaktionen der Devisenmärkte auf die nächsten Schritte der beiden Notenbanken nicht ausgeschlossen werden. Im Klartext heißt das: der Euro kann durchaus noch einmal unter Druck geraten. In den nächsten Jahren sieht Lieber die Gemeinschaftswährung aber eher wieder steigen, bis auf 1,20 oder sogar 1,30 Dollar.

Alle dollarpositiven Faktoren eingepreist

Auch die Devisenexperten der ABN Amro sind davon überzeugt, dass alle dollarpositiven Faktoren in den Währungsmärkten eingepreist sind. Denn die Erholung des Dollar habe bereits eingesetzt, als das Thema "Tapering", also das Zurückfahren des Anleihekaufprogramms, erstmals erwähnt wurde. Nun sei auch das Ende des Anleihekaufprogramms der EZB bekannt, nämlich im März 2017. Diese Perspektive helfe dem Kurs des Euro, in eine Bodenbildung überzugehen.

Die Investmentbank Morgan Stanley sieht es ähnlich und glaubt nur noch an ein begrenztes Aufwärtspotenzial des Dollar. Die Experten sprechen vom "letzten Standbein eines Dollar-Superzyklus", schließlich sei allgemein bekannt, dass weder die amerikanische Wirtschaft noch die Fed ein Interesse an einem allzu starken Dollar habe. Verglichen mit den vorherigen Zyklen der frühen 1980er und späten 1990er habe die Dollar-Rally noch rund zehn Prozent Potenzial und dazu rund ein bis zwei Jahre Zeit.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Hilfe von den Schwellenländern?

Hilfe könnte der Euro auch von den Schwellenländern bekommen, die kein Interesse an einem zu stark aufwertenden Dollar haben, weil dies ihre Verschuldung erhöht und damit versuchen könnten, den Aufwertungsdruck auf den Dollar gegegnüber dem Euro zu bremsen. Dies dürfte besonders dann der Fall sein, wenn sich der Ölpreis wieder erholt, wovon nicht nur die Währungen der Rohstoff exportierenden Länder profitieren dürften, sondern indirekt auch der Euro. So sehen es jedenfalls die Analysten der Société Générale.

Mittelfristiges Aufwärtspotenzial gegenüber dem Dollar sehen diese Experten vor allem bei den Währungen Australiens, Kanadas, Brasiliens, Russlands, Norwegens und Mexikos. Dem Dollar werde es damit deutlich schwerer gemacht, noch weiter an Stärke zu gewinnen. Bisher ist davon allerdings noch nichts sehen, Russlands Rubel ist sogar so schwach wie seit langem nicht.

Charttechnisch angeschlagen

Die Charttechniker von HSBC bleiben dagegen unverändert skeptisch. Wegen der bereits im Vorjahr thematisierten riesigen Schulter-Kopf-Schulter-Formation bleibe der Baissetrend beim Euro erhalten. Auch zeige der Dezemberchart, dass der Weg zu einer nachhaltigen Verbesserung der technischen Perspektiven des Euro zum Dollar sehr steinig werde. Die Analysten rechnen 2016 mit einem Übergangsjahr für die Gemeinschaftswährung.

Sie verweisen allerdings auch auf die Gefahren des Ende November markierten Verlaufstiefs bei rund 1,05 Dollar. Falle diese Bastion, wäre jede Stabilisierung zunächst passé und die beschriebene Schulter-Kopf-Schulter-Formation sollte wieder voll zur Entfaltung kommen. In diesem Fall sollte die Parität schnell zur Realität werden.

Insgesamt dürfte sich der Abstieg der Gemeinschaftswährung also als zäher und steiniger erweisen als von den meisten Marktexperten noch im Dezember prognostiziert. Ein neuer Tiefstkurs könnte in diesem Jahr zwar noch erreicht werden, aber dann habe der Euro auch eine Bodenbildung erreicht.

lg

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