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Devisen

Münzstapel aus Schweizer Franken

Kreditausfälle

Franken-Kredite: Die nächste Banken-Krise?

Stand: 22.02.2016, 15:03 Uhr

Vor einigen Jahren schien es wegen niedrigerer Zinsen eine pfiffige Idee zu sein, sich in Franken zu verschulden. Der Anstieg der Schweizer Währung könnte nun für massive Ausfälle bei den Kreditnehmern sorgen.

Der Grund ist einleuchtend: Der Höhenflug des Schweizer Franken erschwert für die Kunden der Banken die Rückzahlung von Franken-Darlehen, denn die Kunden müssen mehr Euros für die Kreditsumme aufwenden. Vor rund einem Jahr hatte die Schweizer Notenbank (SNB) den Mindestkurs des Franken zum Euro abgeschafft, der bei 1,20 Franken je Euro lag. In der Folge verteuerte sich der Franken deutlich und damit für einen veritablen Kurssprung gesorgt, damals sprach man vom "Franken-Schock". Lesen Sie hier eine Bilanz des vergangenen Jahres.  

"Die Franken-Bombe tickt"

Euro in Schweizer Franken: Kursverlauf am Börsenplatz XRATE für den Zeitraum Intraday
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Wer sich beispielsweise im Jahr 2007 in Franken verschuldet hat, erhielt für einen Euro rund 1,60 Franken. Heute sind es lediglich etwa 1,10 Franken. Insbesondere in Österreich und in einigen osteuropäischen Ländern war das Modell beliebt. Das österreichische "Wirtschaftsblatt" warnt deshalb: "Die Franken-Bombe tickt immer lauter."

Mehr als 130.000 Haushalte und sogar die Stadt Wien hätten ein Problem, denn der Rückzahlungszeitpunkt rücke näher und die Deckungslücke werde nicht kleiner, so die Zeitung. Aus heutiger Sicht seien mit umgerechnet 24 Milliarden Euro Kreditvolumen etwa sechs Milliarden Euro Verlust allein von Haushalten bis in die 2030er-Jahre abzutragen, so das Wirtschaftsblatt. 

Umtausch zu einem günstigeren Kurs?

Das Problem existiert unter anderem auch in Polen. Mehr als eine halbe Million Polen haben vor allem in den Jahren 2007 und 2008 Hypothekenkredite in der Schweizer Währung aufgenommen. Da sich der Franken zum Zloty ebenfalls massiv verteuerte, ist auch die Schuldenlast für die polnischen Kreditnehmer kräftig gestiegen. In den Büchern polnischer Banken liegen Franken-Kredite im Gegenwert von 144 Milliarden Zloty (32,6 Milliarden Euro), wie Reuters berichtet.

mBank-Filiale in Polen

mBank-Filiale in Polen. | Bildquelle: Unternehmen

Der polnische Präsident Andrzej Duda stellte deshalb einen Gesetzentwurf zur Umwandlung der Franken-Kredite in Zloty vor, der wiederum die Banken belasten würde. Würden sie zum historischen Kurs umgetauscht, würde das die Banken zusammen 35 Milliarden Zloty (acht Milliarden Euro) kosten - das ist doppelt so viel wie sie 2014 verdient haben. Allein die mBank soll auf 4,6 Milliarden Euro an Franken-Krediten sitzen. Mehr als die Hälfte des polnischen Bankensektors stehen übrigens im Besitz ausländischer Großbanken. Die mBank ist beispielsweise eine Commerzbank-Tochter.

Aktuell wird der Franken wieder billiger. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, geht davon aus, dass der Franken zum Jahresende zum Euro in einer Bandbreite zwischen 1,15 bis 1,17 Franken stehen werde. Den Stand des Jahres 2007 wird er auf absehbare Zeit aber wohl nicht wieder erreichen.

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