Amerikanische Dollarscheine

Keine Signale für weiteren Zinsschritt Fed und Trump schwächen Dollar

Stand: 17.08.2017, 09:08 Uhr

Die meisten US-Notenbanker sind beunruhigt über die unerwünscht niedrige Inflation. Deshalb scheuen sie vor weiteren Zinserhöhungen zurück und halten vorerst wohl an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Das belastet den Dollar und stärkt den Euro.

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Die europäische Gemeinschaftswährung machte nach dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der letzten Sitzung einen Riesen-Satz nach vorne. Der Euro verteuerte sich auf bis 1,1790 Dollar und näherte sich seinem Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 1,1910 Dollar. Zuvor hatte die Währung noch um die 1,17 Dollar notiert. Seit April hat der Euro über zehn Prozent aufgewertet gegenüber dem US-Dollar.

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Der "Greenback" verlor auch gegenüber anderen Währungen. Ein Dollar verbilligte sich auf 109,73 Yen. Der Dollar-Index, der den Wert des Greenbacks zu anderen wichtigen Währungen misst. Am Donnerstag verlor er weitere 0,2 Prozent auf 93,39 Punkte.

Kommt 2017 keine weitere Zinserhöhung mehr?

Devisenhändler sehen die intensive Debatte über die schwache Inflationsentwicklung als Hinweis, dass die Währungshüter in den kommenden Monaten an einer lockeren Geldpolitik festhalten. Das spreche gegen eine rasche Zinserhöhung. Die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts im September wird aktuell nur noch auf zwölf Prozent eingeschätzt. Und selbst mit einer Zinsanhebung im Dezember rechnen inzwischen weniger als 50 Prozent der Experten.

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ARD-Börse: Warum die Inflationsentwicklung Notenbankern Kopfzerbrechen bereitet

Wie aus dem am Abend veröffentlichten Protokoll der letzten Sitzung hervorgeht, wollen einige US-Notenbanker mit weiteren Zinserhöhungen abwarten, bis es Anzeichen für ein Anziehen der Inflation in Richtung der anvisierten Marke von zwei Prozent gebe. Die Preise müssten genau beobachtet werden. Die Teuerungsrate lag zuletzt drei Monate in Folge bei 1,7 Prozent.

Noch kein Fahrplan für den Bilanzabbau

Auch beim Abbau der aufgeblähten Fed-Bilanz lassen sich die Währungshüter Zeit. Zwar hatten sich einige Führungsmitglieder bereits auf der Juli-Sitzung darauf eingestellt, einen Starttermin für den geplanten Abbau der Bilanz zu nennen. Der Fed-Offenmarktausschuss entschied sich allerdings dafür, noch abzuwarten und das Abschmelzen der Bilanzsumme "relativ bald" einzuleiten. Im Kampf gegen die Folgen der Weltfinanzkrise hatte die Fed ihr Portfolio mit dem massiven Ankauf von Wertpapieren auf 4,5 Billionen Dollar aufgebläht.

Immer mehr Konzernchefs distanzieren sich von Trump

Zudem lastet das Chaos in der US-Politik auf dem Dollar. Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, zwei Beratergremien mit Konzernchefs aufzulösen, schwinde bei Anlegern die Hoffnung auf eine unternehmerfreundliche Politik, sagte Devisenanalystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Vielmehr erscheine es möglich, dass Trump seine Position dazu nutze, um in unternehmerische Entscheidungen einzugreifen. "Und das ist alles andere als unternehmerfreundlich und somit letztlich schädlich für die US-Wirtschaft."

nb

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