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Devisen

Griechische Euromünze

Griechenland-Diskussion verschärft Talfahrt

Euro im Dauerstress

Stand: 05.01.2015, 07:57 Uhr

Der Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung hat am Wochenende noch einmal eine neue Schärfe bekommen. Unter der wichtigen Marke von 1,20 Dollar hält sich der Euro inzwischen auf. Ein neuer Belastungsfaktor ist in den vergangenen Tagen wieder aufgetaucht.

Die Diskussion um einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist am Wochenende neu entflammt. Ein Bericht des "Spiegel", wonach die Bundesregierung einen Austritt des Landes aus der Währungsgemeinschaft für "verkraftbar" hält, sorgte am Devisenmarkt für einen verstärkten Abwärtsimpuls.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Bundeswirtschaftsminister Gabriel hat inzwischen zwar bekräftigt, dass man die Griechen in der Euro-Zone halten wolle ("Es gibt keine gegenteiligen Pläne", sagte er der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung), doch an den Finanzmärkten scheint das Misstrauen zurückgekehrt. In drei Wochen stehen Neuwahlen in Griechenland an, bei der der oppositionellen Syriza, die sich gegen ein drastisches Sparprogramm ausgesprochen hat, große Chancen eingeräumt werden.

Euro auf Acht-Jahres-Tief

Am Montagmorgen hält sich die Gemeinschaftswährung zwar oberhalb des Tiefs vom Wochenende auf, doch mit derzeit 1,1935 Dollar liegt der Euro weiterhin unter der runden 1,20er Marke. Im Wochenendhandel war ein neues Mehrjahrestief von 1,1864 Dollar erreicht worden. So tief hatte der Euro zuletzt im März 2006 notiert.

Neben einer befürchteten Neuauflage der Diskussion um die Einheit des Euro-Raums belasten den Euro aber auch weitere wichtige Faktoren: Zum einen wird gerade gegenüber dem Dollar die Position der Gemeinschafts-Währung immer schwächer. Während dank einer anziehenden US-Wirtschaft an den Finanzmärkten mit einer baldigen Leitzins-Erhöhung in den USA gerechnet wird, kommt die Konjunktur in weiten Teilen der Euro-Zone nicht voran. In Euroland bleiben die Zinsen damit auf unabsehbare Zeit auf einem Niedrigststand, der Dollar wird damit mittelfristig für Investoren interessanter.

Draghi als Euro-Bremse

Nicht zuletzt muss die Europäische Zentralbank (EZB) wohl in diesem Jahr weitere geldpolitische Lockerungen vornehmen, um die Wirtschaft anzukurbeln und die allzu niedrige Inflation in der Gemeinschaft zu bekämpfen. Der Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank wurde von EZB-Präsident Mario Draghi bereits mehrfach verbal vorbereitet. Allein dies hatte den Euro in den vergangenen Wochen schon in Richtung der Marke von 1,20 Dollar gedrückt.

Exporteure, freut's, Urlauber nicht

Für die deutsche Wirtschaft, insbesondere die exportorientierten Großkonzerne aus der Auto- oder Industriebranche, ist die Schwächung der Gemeinschafts-Währung ein kleiner Antrieb, denn ihre Produkte können nun außerhalb des Euro-Raums billiger angeboten werden. Urlauber und andere Auslandsreisende müssen sich umgekehrt darauf einstellen, dass ihr Geld insbesondere im Dollar-Raum weniger wert ist.

AB

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