Devisen

Verschiedene Hunderteuro- und Hundertdollarscheine

Gemeinschaftswährung unter Druck Euro ganz im Bann der Politik

Stand: 07.02.2017, 11:26 Uhr

Die Devisenmärkte reagieren so schnell wie kein anderer Markt auf neue Nachrichten. Aktuell steht der Euro mal wieder ganz im Zeichen der Politik. Eine regelrechte Kakophonie markiger Sprüche hagelt da auf die zunehmend verunsicherten Investoren nieder.

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Ob Donald Trump, Marine Le Pen oder Wolfgang Schäuble und sein Ärger über Griechenland. Die Devisenmärkte müssen derzeit eine Fülle neuer politischer Äußerungen einordnen und verarbeiten. Was derzeit dazu führt, dass die jüngste Zwischenerholung der Gemeinschaftswährung bis auf Kurse über 1,08 Dollar schon wieder vorbei ist, ohne dass sie sich richtig etablieren konnte. Derzeit notiert der Euro bei 1,0664 fast zwei Cent unter seinen jüngsten Höchstständen.

Marine Le Pen - Trump-Ängste jetzt auch in Europa

Für den jüngsten Verfall des Euro gegenüber dem Dollar dürfte wohl die rechtsextreme Spitzenkandidatin der französischen Front National, Marine Le Pen, gesorgt haben. Ihr bescheinigen Wahlforscher, dass sie bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich Ende April/Anfang Mai eine gute Chance hat, in die Stichwahl um das Amt zu kommen.

Marine Le Pen

Marine Le Pen. | Bildquelle: picture alliance / dpa, abaca

Es sind radikale Ansichten, für die die zornige Le Pen auf einer Wahlkampfveranstaltung warb. Nicht weniger als den Austritt aus der Eurozone und die Abschaffung des Euro haben sich die radikalen Nationalisten in Frankreich auf die Fahnen geschrieben. Ist das schon das Ende der Eurozone? Waren alle verzweifelten Versuche des Mario Draghi letztlich doch umsonst?

Keine Währungsmanipulatoren

Draghi weist das entschieden zurück, der Euro sei unumkehrbar, erklärte der EZB-Chef am Montag vor Parlamentariern in Brüssel. Was sofort zum nächsten politischen Poltergeist der Extraklasse führt, der derzeit wie kaum ein anderer die Märkte durcheinander wirbelt.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Donald Trump und seine ureigene Sicht eines fairen Welthandels rockt geradezu den Markt. Dieser blickt wie das Kaninchen auf die Schlange, ob nicht vielleicht ein neuer Tweet des Mannes aus dem Weißen Haus den Händlern mal wieder den Schweiß auf die Stirn treibt. Was auch bedeutet, dass der jüngste Abschwung des Euros mit einem Druck auf den "Twitter-Button" schnell wieder obsolet werden könnte.

Mario Draghi auf der EZB-Pressekonferenz am 8. 9. 2016 in Frankfurt

EZB-Chef Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Trump folgt immer dem gleichen, schlichten Muster. Er wirft Ländern mit Handelsüberschüssen vor, ihre Währungen gegenüber dem Dollar künstlich abzuwerten, um sich unfaire Handelsvorteile zu erschaffen. Ob China, Japan, die EU in Gestalt des EZB-Präsidenten oder besonders Deutschland - niemand ist vor den Ausbrüchen des unberechenbaren New Yorkers sicher. Freier Welthandel ist eben nur dann gut, wenn er den USA nützt, so die Devise des neuen Präsidenten. Auch die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen machen die jüngsten Äußerungen Trumps für den wieder schwächelnden Euro verantwortlich.

Blick auf Santorin, Griechenland

Santorin, Griechenland. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mario Draghi jedenfalls ist empört: "Wir sind keine Währungsmanipulatoren", verkündet der EZB-Präsident. Die jüngsten Äußerungen Wolfgang Schäubles zum altbekannten Thema Griechenland sind da nur das Sahnehäubchen auf dem Devisenkuchen. Er will zwingend den IWF bei der Kapitalisierung des Landes im Boot behalten, sonst, so der deutsche Kassenhüter, sei das Rettungsprogramm erst einmal beendet. Kommt da womöglich die Euro-Krise zurück? Fakt ist, dass sich Schäuble wohl nicht zum ersten Mal über die Griechen ärgert, die ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht oder nur schleppend nachkommen.

Fundamentaldaten wenig gefragt

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Trump im Währungskrieg - worum geht es?

Kennziffern wie solche zur konjunkturellen Entwicklung oder Zinstrends treten im Twitter-Zeitalter derzeit eher zurück. Beschäftigt man sich dennoch mit ihnen, abseits der markigen Politikersprüche, scheinen die Zeiten, in denen der Dollar als Aufwertungswährung von einem Hoch zum anderen steuerte, jedenfalls vorbei. Da dürfte viel drin sein in den Kursen, ob bei 1,05 oder 1,08 Dollar je Euro.

"Die US-Notenbank wird ihren behutsamen Erhöhungskurs wohl beibehalten. Die protektionistischere Ausrichtung der US-Politik wird der Währung vermutlich mehr schaden. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte sich weiter erholen", so die Prognose der Helaba. Die Märkte haben aktuell bis zu drei Zinserhöhungen der Fed in diesem Jahr fest auf der Rechnung.

Federal Reserve Bank (FED) in der Zinsspirale

Die Fed in der Zinsspirale. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Auch am Kapitalmarkt steigen die Renditen nicht mehr weiter, eher im Gegenteil. Zehnjährige US-Treasury-Bonds rentieren derzeit bei 2,41 Prozent nach 2,44 Prozent am Vortag. All dies führt dazu, dass sich die Zinsstrukturkurve nicht allzu steil stellen sollte, was dann den Druck aus der Aufwertung des Dollar zwar nicht nimmt, ihn aber abmildert.

Erst wenn wider Erwarten die Inflationsraten in den USA stärker als erwartet steigen sollten (gleiches gilt übrigens auch für die Eurozone, die im Zinszyklus weit hinterher hinkt), könnte der Dollar wieder erstarken. Ein solches Szenario wäre aber an eine weitere Erhöhung der Energiepreise gekoppelt, was sich derzeit nicht abzeichnet.

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Technisch schließlich hat der Euro Unterstützung beim Jahrestief bei knapp unter 1,04 Euro, das im Dezember markiert wurde. Weiter bergab ist es zuletzt nicht gegangen, obwohl die Parität zum Greenback bei vielen Kommentatoren schon als beschlossene Sache galt. Das Niveau vor der Wahl Donald Trumps, das einen markanten technischen Widerstand determiniert, lag bei 1,11 Dollar. Um dieses Niveau zu erreichen, müsste aber die Marke von 1,08 Dollar zunächst nachhaltig genommen werden. Derzeit sieht es so aus, als ob sich der kurze Aufwärtstrend aus dem Januar erst einmal nicht fortsetzen kann - so Donald Trump denn will.

rm

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