Trump im Interview Der verflixte Dollar

Stand: 13.04.2017, 08:22 Uhr

Von seinen Wahlversprechen hat Amerikas Präsident schon einige über Bord geworfen. Doch was seine Position zum Dollar und zur Geldpolitik betrifft, bleibt er standhaft - mit unmittelbaren Folgen.

Im Interview mit dem "Wall Street Journal" sprach sich Donald Trump - wie übrigens die meisten seiner Vorgänger - gegen einen starken Dollar aus. "Ich glaube, dass unser Dollar zu stark wird", sagte er der Finanzzeitung am Mittwoch. "Zum Teil ist das meine Schuld, weil die Menschen mir vertrauen." Diese Entwicklung werde jedoch der amerikanischen Wirtschaft schaden, weil sie die Exporte verteuere.

Die Aussage blieb nicht ohne Folgen: Der Dollar gab nach der Veröffentlichung des Interviews nach und notiert am Morgen zum Euro mit 1,0667 gut ein halbes Cent höher als gestern. Bereits mehrfach in den vergangenen Monaten hatte Trump den Kurs des Dollar zum Euro in die eine oder die andere Richtung bewegt.

Steigende Zinsen stärken Dollar

Zuletzt beflügelte er den Greenback eher als dass er ihn schwächte. Dazu gehörte die Aussage: "Wir werden in den nächsten zwei bis drei Wochen phänomenales zum Thema Steuern ankündigen." Der Dollar war daraufhin zum Euro deutlich gestiegen. Der Euro sackte auf 1,05 Dollar ab.

Inzwischen hat Trump die Steuerpläne auf September verschoben, doch der Dollar blieb relativ stark. Denn die amerkanische Notenbank hat im März die Zinsen angehoben und dürfte dies im laufenden Jahr wohl noch drei weitere Male tun. Diese Schritte dürften den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken.

Trump für niedrige Zinsen

Doch diese Aussichten missfallen Trump. Dem "Wall Street Journal" sagte er, er respektiere Fed-Chefin Janet Yellen, halte aber nichts von einer allzu restriktiven Geldpolitik. "Mir gefällt eine Niedrigzins-Politik wirklich", erklärte er.

Im Wahlkampf hat Trump Yellen in deutlich schärferen Tönen kritisiert - die Chefin der US-Notenbank keilte aber zurück und verbat sich jede Einmischung in die Geldpolitik. Nach ihrem heftigen Schlagabtausch rückten Trump und Yellen etwas zusammen: Trump will schließlich einen der größten Wünsche der Fed-Chefin erfüllen: Reformen und Investitionen.

Janet Yellen, den Kopf auf die Hand gestützt, schaut nachdenklich

Janet Yellen. | Bildquelle: Imago

Yellen wie ihr EU-Kollege Mario Draghi hat wiederholt moniert, dass die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik und niedrigen Zinsen für die Regierungen immer neue Zeit kaufen, die politisch Handelnden aber ihren Anteil schuldig bleiben. "Fiskalpolitik sollte eine Rolle spielen, um Wachstum zu stimulieren", sagte Yellen kürzlich vor dem US-Kongress. Sprich: Auch der Kongress sollte sich endlich dazu durchringen, durch finanzpolitische Maßnahmen das Wachstum zu stärken. Die Aussage dürfte Donald Trump gefallen haben.

lg

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