Größer werdende Eurozeichen und Aufwärtspfeil, davor Dollarzeichen

Höchster Stand seit Anfang 2015 Der unglaubliche Euro-Höhenflug

Stand: 08.09.2017, 16:44 Uhr

Der Euro ist momentan nicht zu bremsen und steigt immer weiter. Am Freitag näherte er sich gar der Schwelle von 1,21 Dollar. Nicht nur Mario Draghi ist daran schuld. Immer mehr US-Anleger schichten ihr Geld nach Europa um. Wird der Euro zur Fluchtwährung?

"Super Mario" Draghi kann derzeit fast alles tun und sagen, was er will. Dem Euro schaden tut er nicht. Am Donnerstag äußerte er sich ungewohnt direkt und kritisch zur Euro-Stärke. Doch die verbale Intervention ließ die Devisenanleger kalt. Auch die Hinhalte-Taktik bei der künftigen geldpolitischen Ausrichtung verärgerte die Investoren nicht. Im Gegenteil. Seine vagen Signale für einen baldigen Einstieg in den Ausstieg des gigantischen Anleihenkaufprogramms genügten, um den Euro weiter anzutreiben. Draghi vertröstete die Anleger auf den Oktober. Dann wollen die Währungshüter entscheiden, ob die Anleihenkäufe heruntergefahren werden und die geldpolitische Wende beginnt.

"Anleger testen Schmerzgrenze der EZB"

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1883
Differenz relativ
-0,07%

Der Verweis Draghis auf eine Entscheidung im Oktober sei für die Devisenanleger das wichtigste Signal gewesen, meint Christiane Berg von der BayernLB. Sie spekulieren darauf, dass die EZB ihre ultralockere Geldpolitik bald eindämmt. Man hat fast den Eindruck, manche Marktteilnehmer spielen mit der Geduld der Notenbank. "Offensichtlich wollen einige testen, bei welchem Kurs die Schmerzgrenze der EZB liegt", sagt Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Der Druck auf die EZB, ihre lockere Geldpolitik zu beenden, wächst. "Die Zeit des billigen Geldes in Europa sollte enden - trotz des starken Euro", forderte am Mittwoch Deutsche-Bank-Chef John Cryan auf einer Bankentagung. Er warnt vor Blasenbildungen. Auch Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber hält eine Normalisierung der Geldpolitik im Euroraum für überfällig. "Ich bin überzeugt, dass die EZB jetzt den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik sehr geordnet planen müsste", sagte der UBS-Verwaltungsratspräsident. Die EZB sei "eher hinter der Kurve als vor der Kurve".

Der Euro zog am Donnerstag nach der EZB-Sitzung wieder auf über 1,20 Dollar an. Am Freitag kletterte die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2092 Dollar und erreichte ein neues Zweieinhalb-Jahres-Hoch. Nun rücken gar schon die 1,21 Dollar näher. Seit Jahresbeginn hat der Euro rund 14 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt.

Das Problem ist der schwache Dollar

Ein Großteil der Euro-Stärke ist nach Meinung von Analysten aber auch der Dollar-Schwäche geschuldet. Investoren sorgen sich über die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed und einer politischen Handlungsunfähigkeit von Präsident Donald Trump. So habe der überraschende Rücktritt des Fed-Vizepräsidenten Stanley Fischer an den Finanzmärkten für Ratlosigkeit gesorgt, meint Helaba-Analystin Claudia Windt. Schon jetzt seien im geldpolitischen Gremium der Fed nur vier von sieben Stellen besetzt. Im Februar kommenden Jahres ende zudem die Amtszeit der Fed-Chefin Janet Yellen. "Die künftige Geldpolitik wird damit immer weniger berechenbar", schreibt Windt.

Dies verunsichere Anleger, die in den vergangenen Wochen rund 30 Milliarden US-Dollar aus den US-Aktienmärkten nach Europa und Japan umgeschichtet hätten. Damit erklärt Helaba-Expertin Windt den überwiegenden Teil der Euro-Stärke. "Der Dollar dürfte erst dann wieder zulegen, wenn die Fed klare Zinserhöhungssignale sendet", meint die Commerzbank.

Neuer sicherer Hafen?

Anders als früher profitiert der Dollar nicht einmal mehr von geopolitischen Krisen wie dem Nordkorea-Konflikt. Manche Marktbeobachter sehen den Euro schon als neue Fluchtwährung. Die BNP Paribas zum Beispiel sieht den Euro schon als neuen sicheren Hafen.

Ein anderer sicherer Hafen verliert indes an Bedeutung: der Schweizer Franken. Die eidgenössische Währung hat seit Jahresbeginn über sechs Prozent abgewertet. Anfang August stieg der Euro auf bis 1,1539 Franken.

nb

Darstellung: