Seitenueberschrift

Bitcoin

Schon teurer als Gold

Bitcoin bald auch als ETF?

Stand: 03.03.2017, 13:30 Uhr

Was für eine verrückte Welt: Eine Kryptowährung, die vor allem in so sicheren Ländern wie Venezuela eingesetzt wird, ist inzwischen mehr wert als Gold. Was ist da los?

Am gestrigen Donnerstag ist der Bitcoin-Kurs erstmals in seiner kurzen Geschichte auf 1.263 Dollar gestiegen - und war damit mehr wert als eine Feinunze Gold, die auf 1.241 Dollar absackte. Dabei war der Kurs der digitalen Währung erst zu Beginn des Jahres, also vor gerade einmal zwei Monaten, über die Schwelle von 1.000 Dollar gestiegen. Vor einem Jahr mussten Anleger gerade einmal ein Drittel für den Bitcoin berappen.

Mehr noch: Wegen der Hoffnung auf eine baldige Zulassung eines Bitcoin-ETF in den USA ist der Kurs der Digitalwährung in den vergangenen sieben Wochen um sage und schreibe rund 60 Prozent gestiegen.

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.299,82
Differenz relativ
+1,44%

Dabei unterliegen Bitcoins keiner Zentralbank der Welt, sind unabhängig von jeder Geldpolitik und jedem Zinsniveau. Dass diese digitale Währung trotzdem ihr Schmuddelimage abgelegt hat und langsam salonfähig wird, erklären Experten mit einem sehr wichtigen Datum Ende kommender Woche, auf das die Bitcoin-Community bereits seit Jahren hinfiebert.

Wie entscheidet die SEC?

Die Rede ist vom 11. März. Bis zu diesem Samstag will die amerikanische Börsenaufsicht SEC ihre Entscheidung darüber bekannt geben, ob sie einen Bitcoin-ETF zulassen wird oder nicht. Konkret geht es um den Winklevoss Bitcoin Trust ETF.

Hinter dem stehen die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vorwerfen, er habe ihre Idee für das inzwischen milliardenschwere Online-Netzwerk geklaut. Die ehemaligen Ruder-Olympioniken bekamen nach dem langen Rechtsstreit mit Zuckerberg eine Abfindung von 65 Millionen Dollar und haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, Bitcoin einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie betreiben bereits die Bitcoin-Börse Gemini.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate

Börse 19 Uhr Ein Bitcoin teurer als eine Unze Gold

Der Antrag für die Zulassung des ETF liegt schon seit fast vier Jahren in der Schublade, immer wieder hat die SEC die Genehmigung wegen der Komplexität des ganzen Cyber-Währungs-Themas verschoben. Dass der ETF tatsächlich das Licht der Welt erblickt, ist Branchenkennern zufolge deshalb keine ausgemachte Sache. Sollte es aber dazu kommen, wäre das der Durchbruch für die Währung, die in der Vergangenheit meist im Zusammenhang mit Geldwäsche oder illegalem Waffenhandel für Schlagzeilen sorgte.

Weg vom Schmuddel-Image

"Bitcoin legt das Schmuddel-Image langsam ab", sagt Professor Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance & Management. "Die Genehmigung des ETF hätte eine Signalwirkung und das Vertrauen in die Krypto-Währung würde stark zunehmen."

Bitcoin in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.193,08
Differenz relativ
+1,59%

Auch FinTech-Analyst Spencer Bogart von der Investmentbank Needham & Co erwartet im Fall einer Zulassung des ETF durch die SEC eine riesige Nachfrage. Allein in der ersten Woche nach dem Start des ETF könnten ihm rund 300 Millionen Dollar zufließen und der Bitcoin-Kurs würde massiv steigen - und das ist noch konservativ geschätzt. Professor Sandner kann sich sogar vorstellen, dass der Kurs für ein Bitcoin 2017 noch die Marke von 2.000 Dollar knackt.

Vorsicht vor riesigen Schwankungen

Experten warnen allerdings vor den enromen Schwächen einer solchen Währung und den damit verbundenen Risiken für Privatanleger. "Ein großes Problem von Bitcoin ist die Schwankungsanfälligkeit", sagt BayernLB-Analyst Manuel Andersch. Kursgewinne oder - verluste von 40 Prozent in wenigen Stunden waren vor ein paar Jahren noch normal.

In Erinnerung rufen sollten sich Interessenten auch das Jahr 2014: Da ist der Bitcoin-Kurs von 950 Dollar im Januar bis auf knapp 300 Dollar im Dezember eingebrochen. Inzwischen seien derartige Schwankungen aber selten geworden, beruhigen Experten wie Professor Sandner. Tatsächlich wird der Marktwert der Bitcoins auf 19 Milliarden Dollar geschätzt.

In einem 2016 veröffentlichten Bericht verglichen mehrere Aufsichtsbehörden wie die SEC und die Notenbank Fed den Bitcoin mit einer "Büchse der Pandora". Man wisse, dass diese Währung große Risiken berge, die aber erst dann sichtbar würden, wenn sie aufgetreten seien. Es gebe vorher keine Anzeichen, die auf unmittelbar bevorstehende Probleme hindeuteten.

Und wenn es kein grünes Licht gibt?

Bislang legen vor allem schwerreiche Familien und spezielle Hedgefonds Geld in Bitcoin an. Wenn die SEC den ETF genehmige, seien Investitionen für Investmentfonds, Vermögensverwalter und Privatleute deutlich einfacher als bisher, sagt der Chef des auf Digitalwährungen spezialisierten Brokers Cryptocompare, Charles Hayter. "Das würde die Währung stabilisieren."

Was aber passiert, wenn die Behörde kein grünes Licht gibt? Dann dürfte es mit dem Bitcoin-Kurs erst einmal bergab gehen, glaubt Andersch von der BayernLB. "Es wird aber nur ein kurzer Rückschlag sein. Das Thema Bitcoin ist mittlerweile angekommen bei Investoren und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es mehr Möglichkeiten gibt, in die Währung zu investieren."

lg

1/12

Das sind Bitcoin & Co

Aus der Welt der virtuellen Währungen

Litecoin

Litecoin

Ein ernst zu nehmender Rivale des Bitcoin ist der Litecoin, den es seit Oktober 2011 gibt. In Sachen Schnelligkeit übertrumpft er den Bitcoin: Eine Überweisung dauert weniger als drei Minuten, während man mit dem Bitcoin in der Regel zehn Minuten braucht. Die Technologie dahinter ist aber leistungsschwächer, daher ist der Litecoin anfälliger für Hacker-Angriffe.

Darstellung: