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Selbst ist der Anleger

Zertifikate im Eigenbau

von Andreas Braun

Wer eine gute Idee für eine Anlagevariante hatte, dem fehlte in der Vergangenheit oft das Instrument, um sie auch umzusetzen. Das hat sich auch in Deutschland gründlich geändert. Zertifikate kann sich der versierte Investor inzwischen maßschneidern lassen.

Zertifikat-Puzzle

Zertifikat-Puzzle

Ein Discount-Zertifikat auf den TecDax mit einem Cap von 1.000 Punkten und einer Laufzeit von vier Jahren? Oder eine Aktien-Anleihe auf die Allianz mit einem Kupon von 15 Prozent, die in einem Jahr fällig wird? Gibt's nicht? Falls nicht, hat die Zertifikate-Industrie die Antwort schon parat: Einfach selbst definieren, in welchen Markt man mit welcher Art von Zertifikat in welcher Ausgestaltung investieren will.

Die Idee der Zertifikate "on demand" stammt aus der Schweiz, wo die Institute UBS und Vontobel bereits seit fast einem Jahrzehnt die Maßanfertigung von Zertifikaten anbieten. Geschuldet war dies auch dem vergleichbar geringen Angebot an Zertifikaten bei den Eidgenossen. Dort geht auch heute die Zahl der Produkte noch nicht in den sechsstelligen Bereich. In Deutschland liegt die Zahl der Anlage- und Hebel-Zertifikate allein der 16 größten Emittenten laut einer aktuellen Statistik des Deutschen Derivate Verbands (DDV) dagegen schon bei rund 730.000. Insgesamt sind an den Zertifikate-Börsen in Stuttgart und Frankfurt annähernd eine Million der Produkte erhältlich.

Ein Mausklick lässt ein Zertifikat entstehen

Dennoch kann auch bei dem großen Angebot die eine oder andere Variante aus Sicht des Anlegers noch fehlen. Diesem Investor hilft zum Beispiel die Deritrade-Plattform der Schweizer Vontobel. Discount-, Bonus, Garantie-Zertfikate oder Aktienanleihen können hier selbst definiert und konfektioniert werden. Dabei kann der Interessent aus 700 Basiswerten und 100 Währungskombinationen auswählen.

Per Mausklick können auf der Plattform Simulationen der angedachten Zertifikate-Struktur durchgeführt werden und anschließend die genauen Details des Produktes, bis zum Emissionszeitpunkt und zum Börsenlisting in Frankfurt oder Stuttgart angegeben werden. Ein Mausklick weiter und das "Termsheet" mit allen Angaben wird erstellt, und die Transaktion zwischen Kunde und Emittent ist vollzogen. Das neu geborene Zertifikat erhält eine Wertpapier-Kennnummer (WKN) und harrt seines Handelsstarts.

Aus Sicht weniger begüterter Zertifikate-Tüftler ist allerdings das Mindestvolumen der selbst kreierten Produkte eine gewisse Einstiegshürde: 50.000 Euro beträgt die Mindestanlagesumme. Vontobel-Experte Heiko Geiger sieht in dem Instrument vor allem eine Unterstützung für den hauseigenen Vertrieb, der vermögenden Privatkunden oder Fondsmanagern ein maßgeschneidertes Produkt anbieten kann. "Das Instrument auf 1.000 oder 2.000 Euro Größe herunterzubrechen, macht aus Kostengründen keinen Sinn", so Geiger gegenüber boerse.ARD.de.

"Auf den jeweiligen Kunden angepasst"

Deutlich weniger finanziellen Einsatz benötigt der Kunde inzwischen beim "Erfinder" der Self-made-Zertifikate, der Schweitzer Großbank UBS. "Wir haben den Mindesteinsatz von 50.000 auf 10.000 Euro gesenkt", erklärt UBS-Experte Marcel Langer im Gespräch mit boerse.ARD.de. Zielgruppe des Angebots sind laut Langer nicht nur private Investoren, die eine eigene Idee in ein Zertifikat gießen wollen: "In vielen Fällen macht ein Berater auch einen Vorschlag für eine Zertifikate-Konstruktion, die auf den jeweiligen Kunden angepasst ist."

Die UBS will ihre Plattform, den "Equity Investor", auch anderen Instituten zur Verfügung stellen, die sie dann etwa im Private-Wealth-Bereich zur Konstruktion maßgeschneiderter Anlagestrategien einsetzen können. Der Equity Investor ermöglicht den "Bau" von Discount-, Discount-Plus- und Bonus-Zertifikaten sowie Aktienanleihen.

Express-Zertifikat mit der HVB

Bonus- und Kapitalschutz-Produkte, aber sogar Express-Zertifikate kann "onemarkets" erzeugen. Sie gehört zur UniCredit-Tochter HypoVereinsbank, die seit kurzem ebenfalls eine "do-it-yourself"-Plattform für Zertifikate im Angebot hat. Auf onemarkets werden hier Produkte zusammen mit dem Kunden oder in seinem Auftrag geschneidert. Als Basiswerte dienen dabei 135 Einzelaktien, aber auch Indizes wie Dax oder EuroStoxx 50. Mindestanlage-Summe sind hierbei 20.000 Euro.

Lesen Sie weiter in Teil 2: Social Trading und die Self-made-Anlagen

Stand: 30.11.2012, 14:58 Uhr

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