Seitenueberschrift

Blau-gelbe Flagge der Ukraine

Analysten empfehlen Optionsschein

Wetten auf die Ukraine

Stand: 05.04.2017, 14:53 Uhr

In ihrer Kapitalnot hat sich die Ukraine vor Jahren als Emittent eines besonderen Schuldscheins betätigt. Wächst die Wirtschaft, winken Anlegern interessante Auszahlungen, stagniert oder schrumpft sie, gehen die Kurse in den Keller.

Eine Studie der US-Investmentbank JPMorgan zu einem einzelnen Optionsschein? Das gab es tatsächlich Anfang der Woche - mit Folgen für das hochspekulative Anlageprodukt: Der Kurs des an das Wachstum des Landes gekoppelten Scheins legte ruckartig um mehr als zwölf Prozent zu, nachdem die Experten den "wahren" Wert des Optionsscheins als drastisch höher eingestuft hatten als den aktuellen Börsenkurs. Die Analysten taxierten diesen echten Wert bei 79,5 Cents je Dollar, dies ist bei der Konstruktion die Berechnungseinheit. Tatsächlich notierte er vor Veröffentlichung der Studie bei 30 Cents, danach bei 40 Cents je Dollar.

Vorgaben für Auszahlungen

Die Bedingungen des Wertpapiers können nur als "exotisch" bezeichnet werden. Die Ukraine hatte den Schuldschein Mitte 2015 begeben, um am Kapitalmarkt Mittel einzusammeln, die an ein künftiges Wachstum in dem Land glauben, das sich in einer ständigen Auseinandersetzung mit Russland befindet. Schafft es das Land, ein bestimmtes Bruttoinlands-Produkt in den kommenden Jahren zu erreichen, ist dies mit genau definierten Zahlungen an die Besitzer des Optionsscheins (engl. Warrant) verbunden.

Vor 2021, und hier liegt der Vorteil für den Emittenten Ukraine, erfolgen gar keine Zahlungen. Diese beziehen sich dann auf das Jahr 2019. Bis dahin, so schätzt der Internationale Währungsfonds IWF, könnte das Land das Ziel eines BIP-Wachstums von drei oder mehr Prozent erreichen. Je nach dem Ausmaß des BIP-Plus werden Anleger dann mit Zahlungen bedacht, die umso größer ausfallen, je robuster die Zuwachsraten ausfallen. Die Laufzeit des Optionsscheins endet im Jahr 2025.

Die Analysten von JPMorgan gehen davon aus, dass der Kursanstieg des Optionsscheins nur eine Zwischenstation auf dem weiteren Weg nach oben ist. Für Anleger bleibt die Wette dennoch hoch riskant, denn der Kurs des Optionsscheins bildet die Fähigkeit des Landes ab, positives, nachhaltiges Wachstum auf Sicht einiger Jahre zu erzielen.

Griechenland-Wette ging nur kurz auf

Wie sehr der Kurs eines vergleichbaren Wertpapieres unter die Räder kommen kann, zeigt das Beispiel Griechenland. Auch der "Euro-Sorgenstaat" hatte im Jahr 2012 einen Optionsschein auf die Erholung der griechischen Wirtschaft aufgelegt. Nachdem sich diese im Jahr 2014 stabilisiert hatte, lag das BIP mit 235 Milliarden Euro sogar über der Vorgabe für eine Auszahlung an die Käufer des Scheins. Danach allerdings rutschte das Land abermals in die Rezession. Die vorgegebenen BIP-Werte für die Folgejahre können kaum mehr erreicht werden. Der Kurs des Optionsscheins rutschte von 1,4 auf derzeit 0,23 Prozent ab. Aber die Hoffnung stirbt vielleicht zuletzt: Der Optionsschein hat eine 27-jährige Laufzeit.

Hü und hott in Argentinien

Gar 30 Jahre läuft ein vergleichbares Wertpapier, das Argentinien im Jahr 2003 emittierte. Auszahlungen sind hier an ein jährliches BIP-Wachstum von mindestens drei Prozent gekoppelt. Das gelang in den zurückliegenden Jahren zumindest zum Teil. Der Kurs des Optionsscheins ist in den vergangenen Monaten wieder leicht angestiegen - nach einer Schrumpfung der argentinischen Wirtschaft 2016 auf voraussichtlich 541 Milliarden Dollar geht der IWF für 2017 wieder von einem BIP in knapp 600 Milliarden Dollar aus.

AB

Darstellung: