Bafin verbietet CFD-Handel mit Nachschusspflicht

BaFin beschränkt CFD-Handel Schluss mit dem Nachschuss

Stand: 09.05.2017, 11:24 Uhr

Die Wertpapier-Aufsicht nimmt eine ganze Branche an die Kandare: Mit dem Verbot eines Teils der bei Privatanlegern immer beliebteren "Contracts for Difference" kurz CFD, zwingt die BaFin die Anbieter zum Umdenken.

Die "Allgemeinverfügung" nach §4 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) kam nicht überraschend. Schließlich hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen solchen Schritt bereits im Dezember vergangenen Jahres angekündigt. Anfang 2017 fand dann eine Anhörung mit den Anbietern der Differenzkontrakte statt. Und nun hat die Aufsicht von ihrer Möglichkeit der "Produktintervention" erstmals Gebrauch gemacht.

"Nicht zu akzeptieren"

CFDs, bei denen den Anlegern eine Nachschusspflicht entstehen kann, werden verboten, die Anbieter haben drei Monate Zeit, ihre Geschäftsmodelle umzustellen, so die Behörde. Laut Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele ist es aus "Verbraucherschutzgründen nicht zu akzeptieren", wenn das Verlustrisiko im CFD-Handel nicht auf den Kapitaleinsatz beschränkt sei. Wie im Handel von Futures und Optionen kann mit CFD prinzipiell ein Verlust entstehen, der die Einlage, die "Margin" des Anlegers übersteigt. In solchen Fällen werden die Anleger üblicherweise aufgefordert, ihr Konto wieder auszugleichen - ein so genannter "Margin Call". Im privaten Handel soll dies nun im Gegensatz zu den Profi-Geschäften an den Terminbörsen in Deutschland nicht mehr möglich sein.

CFDs sind dem Wesen nach Vereinbarungen mit einem Produktanbieter, die recht exakt Börsenindizes, aber auch Aktienkurse nachbilden. Die Kurse der CFDs werden aber von den Brokern "gestellt", sind also keine echten Börsenkurse. Die Zahl der CFD-Konten in Deutschland liegt laut dem CFD-Verband derzeit bei rund 173.000, eine Steigerung von einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr. 2016 lag das über CFD gehandelte Volumen mit 1,85 Billionen Euro. Da CFDs in der Regel mit hohen Hebeln gehandelt werden, wird davon aber nur ein Bruchteil an Einlagen benötigt.

Branche bereits im Umbruch

Für die CFD-Branche bedeutet der Schritt einen tiefen Einschnitt. Einige Vertreter wie die ActiveTrades oder der Social-Trading-Anbieter ayondo hatten eine Nachschusspflicht in den vergangenen Jahren bereits generell für ihre Kunden abgeschafft und darüber hinaus Sicherungslösungen auch über die normale Einlagensicherung hinaus eingeführt. Andere, wie etwa einer der Marktführer, CMC Markets, haben bereits erklärt, die Anforderungen der BaFin "in der gesetzten Frist in vollem Umfang umsetzen" zu können.

Eine Reihe von CFD-Anbietern, darunter auch die Commerzbank-Tochter comdirect, haben bereits alternatvie Kontomodelle im Angebot, bei denen keine Nachschusspflicht besteht. Im Fall der comdirect müssen Anleger dafür aber mit einem maximalen Hebel von fünf Vorlieb nehmen. Inwieweit eine Begrenzung der Nachschusspflicht für eine bestimmte Einlagenhöhe den Forderungen der BaFin entspricht, bleibt abzuwarten. Der britische Anbieter FXCM hatte bereits vor einiger Zeit erklärt, Konten auszugleichen, die maximal 50.000 Euro in die Minuszone gerutscht sind.

Spätfolgen des "Franken-Gaus"

Dass horrende Verluste bei Anlegern mit kleinen CFD-Konten durchaus eintreten können, das hatte der "Franken-Gau" Anfang 2015 demonstriert. Dabei waren Anleger und auch Broker von der Freigabe des Euro-Franken-Kurses durch die Schweizer SNB auf dem falschen Fuß erwischt worden. Viele Anleger erlitten Verluste, die ihre Einlage um das Vielfache überstiegen. Mehrere Broker gerieten wegen der Kundenverluste selbst in Schieflage.

Wie die Anbieter die BaFin-Vorgaben nun in ihr Geschäftsmodell integrieren, bleibt in den kommenden Monaten abzuwarten. Vielfach dürften die einsetzbaren Hebel begrenzt werden, damit die potenziellen Verluste von Anlegern ebenso begrenzt werden. Auch die "Zwangsliquidierung" von Positionen bei allzu großen Verlusten dürfte ein Mittel sein, um eine Nachschusspficht zu vermeiden und die eigenen Verluste auf Seiten des Brokers zu verringern.

Verschiedene Schritte denkbar

Ob der Markt der CFDs unter diesen Bedingungen noch so unbeschwert wachsen kann wie in den vergangenen Jahren, darf bezweifelt werden. Gerade kleinere Anbieter können Probleme bekommen, mit den regulatorischen Auflagen profitabel zu arbeiten. Marketing-Aktionen, in denen mit extremen Hebeln beim Handel geworben wird, gehören in Deutschland der Vergangenheit an. Aber auch europaweit ziehen die Aufsichtsbehörden die Zügel an. Die CFD-Branche bleibt in jedem Fall unter Beobachtung. Die CySec in Zypern, wo eine ganze Reihe von Anbietern ihren Sitz hat, hatte Bonuszahlungen verboten und einen maximalen Hebel von 1:50 erlaubt. Die britische FCA hatte ebenfalls Ende 2016 allzu große Hebel im CFD-Handel untersagt. Nun hat also die BaFin nachgezogen.

AB

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