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Quantensprung im CFD-Universum

Die Differenz-Kontrakte, mit denen Anleger auf Aktien, Devisen oder Rohstoffe setzen können, erfreuen sich weiterhin steigender Beliebtheit. Auch mehrere deutsche Online-Banken sind inzwischen mit CFD-Angeboten im Geschäft.

"Zwei wichtige Markteintritte hat es im vergangenen Jahr gegeben", so Andreas Ruether von CFD-Verband, zu dem sich die führenden Mitglieder der Branche in Deutschland inzwischen zusammen geschlossen haben. Diese beiden Markteintritte sind im Februar durch die Sparkassen-Tochter S-Broker und die Commerzbank-Tochter Comdirect im September erfolgt.

Vorbild London?

Die beiden Online-Banken, die zuvor eher auf den Handel mit Aktien, Fonds oder Zertifikaten spezialisiert waren, setzen damit auf einen Trend, der im Ursprungsland der "Contracts for Difference", in Großbritannien, bereits enorme Handelsströme erzeugt. "Rund ein Drittel der Umsätze an der London Stock Exchange gehen bereits auf CFD zurück", erklärt Thomas Pfaff vom S-Broker gegenüber boerse.ARD.de (s.a. unser Interview: Die Lernkurve steigt").

In Deutschland ist die Anzahl der dominierenden CFD-Anbieter noch halbwegs überschaubar. Die angelsächsischen Spezial-Anbieter IG Markets und CMC Markets liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Royal Bank of Scotland, die Teile der ehemaligen ABN Amro Bank und damit die CFD-Plattform Marketindex übernommen hat. Daneben kämpft eine wachsende Anzahl von kleineren Anbietern um Marktanteile im deutschen Markt. Dieser umfasst laut Verbands-Sprecher Ruether derzeit 28 an der Zahl.

Milliarden an Handelsvolumen

Die Zahl der CFD-Konten hat sich im vergangenen Jahr nach einer Schätzung des Verbandes auf rund 65.000 erhöht, nach 52.000 im Jahr 2010. Nach einer Stagnation in den Vorjahren ist 2011 auch die Zahl der Transaktionen sprunghaft von 19,6 auf 27,3 Millionen gestiegen. Und das Handelsvolumen erreichte im vergangenen Jahr 604 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das Volumen aller über die Xetra-Plattform der Deutschen Börse abgewickelten Wertpapier-Transaktionen lag 2011 bei 1,5 Billionen Euro, also nur zweieinhalbmal so hoch; allerdings entstehen durch die Hebel bei CFDs naturgemäß hohe Handelsvolumina.

Eins zu eins den Basiswert

Die Schlichtheit und klare Struktur der neuen Form der Anlage dürfte auch in den kommenden Monaten für weitere Zuwächse auf Kundenseite sorgen. Mit CFDs kann der Anleger auf eine Vielzahl von Basiswerten setzen, und zwar sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse bei Aktien, Indizes, Devisen oder Rohstoffen. Die Hebelwirkung liegt zwischen fünf und 200, je nach Anbieter oder Voreinstellung im Broker-Depot. Im Gegensatz zum Handel mit "alteingesessenen" Optionsscheinen oder den neuern "Turbo"- oder "Knock-out"-Zertifikaten entspricht der Preis in der Regel recht genau dem des Basiswertes. Ein CFD auf den Dax notiert also ebenso wieder der Dax selbst bei beispielsweise 7.000 Punkten bzw. Euro. Mit einem 20fachen Hebel (der einer Margin von fünf Prozent entspricht) liegt der Kapitaleinsatz allerdings nur bei 350 Euro.

Mehr als alles verlieren

Die Hebelwirkung funktioniert freilich in beiden Richtungen; verliert der Dax im Bespiel zwei Prozent, ist das Kapital des CFD-Käufers um 40 Prozent geschrumpft. Ein sechsprozentiger Rückgang würde gar zu einem Verlust von 420 Euro führen und eine sogenannte Nachschusspflicht (Margin Call) auslösen. Denn der Anleger müsste hier weiteres Geld auf sein Brokerkonto überweisen, um es zumindest wieder auszugleichen. In der Praxis werden solche Margin Calls aber durch Sicherungssysteme auf Seite der CFD-Anbieter vermieden, indem Verlustpositionen rechtzeitig "liquidiert" werden.

Neben der Einfachheit der Produkte lockt auch die günstige Kostenstruktur viele Anleger an. Index-CFDs oder Produkte auf Währungspaare etwa können zumeist ganz ohne Transaktionsgebühr geordert werden. Die Anbieter verdienen hier lediglich am Spread. Das ist die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, die bei den CFDs etwas größer ist als bei den Basiswerten selbst.

Wette statt Wertpapier

Im Gegensatz zu Zertifikaten und Optionsscheinen, aber auch den Futures und Optionen an den Terminbörsen werden CFDs in aller der Regel nicht börsengehandelt. Sie sind rechtlich lediglich eine Vereinbarung zwischen dem Investor und seinem Broker und damit weder Terminkontrakt noch Wertpapier oder Schuldverschreibung. Darüber sollten sich Anleger jederzeit bewusst sein. Langfristig erfolgreich dürften auch mit CFD ähnlich wie im Zertifikatebereich wohl nur Trader mit hoher Disziplin und gutem Risikomanagement sein.

Allerdings hat die rechtliche Eigenschaft der CFDs gegenüber ausgegebenen Zertifikaten oder Optionsscheinen einen Sicherheitsvorteil: Denn die Einlagen unterliegen beim CFD-Broker denselben Absicherungsmechanismen wie Tagesgeldeinlagen oder das gute alte Sparbuch. Ein Emittentenrisiko besteht damit nicht: Im Ernstfall greift die Einlagensicherung.

Stand: 20.04.2012, 15:47 Uhr

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